Trotz Liechtensteiner Ja zu Spitalneubau: St.Galler Regierung weiterhin offen für eine Kooperation

In Vaduz können nun die Bagger auffahren, in Grabs ist der Neubau bereits im Bau: Eine Kooperation der beiden Spitäler ist deswegen nicht vom Tisch. Aber auch nicht nahe. «Unsere Türen sind und bleiben offen», sagt Heidi Hanselmann, St.Galler Gesundheitschefin. Doch eine Partnerschaft könne nur gelingen, wenn «beide Parteien wollen und auch Bereitschaft für Veränderung besteht».

Regula Weik
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Das heutige Landesspital in Vaduz: Am Wochenende stimmte die Liechtensteiner Bevölkerung einem Neubau zu.

Das heutige Landesspital in Vaduz: Am Wochenende stimmte die Liechtensteiner Bevölkerung einem Neubau zu.

Der Fürst wollte ihn nicht. Das Volk sah es anders. Es stimmte am Wochenende einem Neubau für das Landesspital in Vaduz zu. Die Zeiten derartiger Alleingänge, da jeder für sich eine Spitalplanung vorantreibe, seien definitiv vorbei, hatten Kritiker im Vorfeld moniert. Die Entwicklung laufe vielmehr in Richtung Zusammenarbeit. Bevor gebaut werde, sollte der Blick über den Rhein gelenkt werden. Es sei unsinnig, einen «zermürbenden Wettbewerb» mit dem Spital Grabs zu führen. Statt eine Konkurrenzsituation zu schaffen, sollten Gespräche über eine Kooperation geführt werden. Der nun bewilligte Spitalneubau sende ein falsches Signal an die Schweizer Nachbarn.

Wie kommt das Liechtensteiner Ja zum Spitalneubau bei der St.Galler Regierung an? Ist sie noch offen für eine Kooperation?

«Unsere Türen sind und bleiben offen», erklärt Gesundheitschefin Heidi Hanselmann.

An dieser Haltung der St.Galler Regierung habe sich nichts geändert. Auch nicht nach dem Abstimmungssonntag.

Sitz im Verwaltungsrat für das Fürstentum

Vor fünf Jahren hatten Liechtenstein und St. Gallen bereits einmal laut über eine Zusammenarbeit im Spitalbereich nachgedacht. «Wir wollen mitreden können», hatte Michael Ritter, Stiftungsratspräsident des Landesspitals, damals klar postuliert und St.Gallen «eine gemeinsame Trägerschaft für ein Spital im Rheintal» vorgeschlagen. Es blieb beim Vorschlag.

Heidi Hanselmann, St.Galler Gesundheitschefin (Bild: Urs Bucher)

Heidi Hanselmann, St.Galler Gesundheitschefin (Bild: Urs Bucher)

Auf die Frage, ob die Chancen für eine Kooperation heute grösser seien, antwortet Heidi Hanselmann: «Sie sind gleich wie 2014. Unsere Offenheit war immer da. Daran ändert weder der Volksentscheid für einen Spitalneubau in Vaduz noch die Weiterentwicklung der St. Galler Spitalstrategie etwas.» Eine Partnerschaft könne aber nur gelingen, wenn «beide Parteien wollen und auch Bereitschaft für Veränderungen besteht». Im Vorfeld der Neubauabstimmung hatte Pepo Frick, Hausarzt und Co-Präsident der Freien Liste, in einem Interview mit dem «Liechtensteiner Vaterland» kritisiert, die Liechtensteiner Regierung stelle «unrealistische Ansprüche». Sie hatte eine paritätische Vertretung im strategischen Führungsgremium gefordert. Dazu Frick: «Solche Machtspiele sind zum Scheitern verurteilt.»

Wie stellt sich die St.Galler Regierung eine allfällige Kooperation vor? Hanselmann:

«Das Landesspital Vaduz könnte in die Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland einbezogen werden und eine Vertretung aus dem Fürstentum Einsitz im Verwaltungsrat der St. Galler Spitalverbunde nehmen.»

Im Februar habe eine Delegation der Regierung in Vaduz das Angebot für eine Zusammenarbeit nochmals erneuert. Dabei sei auch ein Vetorecht für Entscheide, die das Landesspital Vaduz betreffen, diskutiert worden. Konkrete Beschlüsse wurden keine gefasst.

Grabs fürchtet Vaduz nicht

Heute lassen sich zahlreiche Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner in Grabs behandeln. 2503 waren es vergangenes Jahr, 28 Prozent aller Patienten. Stefan Lichtensteiger, CEO der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland, fürchtet die «neue» Konkurrenz nicht. Das Spital Grabs sei in der Region und in Liechtenstein «gut etabliert».

Auch Heidi Hanselmann glaubt nicht, dass sich der Spitalneubau in Vaduz «massgeblich auf die Frequenzen» in Grabs auswirken wird. Die Stellung von Grabs als grösstes St.Galler Regionalspital sei nicht gefährdet, hatte die Regierung bereits im Frühling auf Fragen zu den Liechtensteiner Spitalplänen geantwortet. Grabs sei als «stationärer Leistungserbringer» gesetzt. Das gilt nach wie vor. Die Regierung will zwar fünf Regionalspitäler schliessen – nicht aber Grabs. Das dortige Spital soll ausgebaut werden.