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Trockenheit treibt Heupreise in die Höhe: Der Viehbauer verliert, der Heubauer gewinnt

Im Kanton St.Gallen gibt es 70'000 Kühe. Wegen der Trockenheit wird ihr Futter knapp. Der Heupreis ist seit dem Frühjahr um 60 Prozent gestiegen. Doch während die Viehbauern leiden, profitieren die Heuverkäufer.
Rossella Blattmann
Heiss begehrte Ware: Betriebe mit vollem Heustock können das Futter zurzeit zu überteuerten Preisen verkaufen. (Bild: Ralph Ribi)

Heiss begehrte Ware: Betriebe mit vollem Heustock können das Futter zurzeit zu überteuerten Preisen verkaufen. (Bild: Ralph Ribi)

Die Ostschweizer Bauern leiden. Viele Bauern sind sogar gezwungen, ihre Kühe zu schlachten. Zudem gehen den Bauern die Heuzukäufe aufgrund der hohen Preise finanziell an die Substanz. Das sind die Antworten auf die drängendsten Fragen zum Heumarkt.

Woher kommt das Heu?

Andreas Widmer, Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbands, sagt: «Die Bauern kaufen ihr Futter bei verschiedenen Anbietern. Jedoch ist das Angebot an Heu momentan überall sehr beschränkt.»

Wer verkauft es?

«Es gibt viehlose, landwirtschaftliche Betriebe, die für den Verkauf auch Heu produzieren.» Dafür verwenden sie das Gras von Restflächen auf dem Betrieb. «Die Viehbauern kaufen dieses Heu direkt ab Hof, von Bauer zu Bauer. Aber auch bei der Landi, oder bei einem Heuhändler.»

Wie entwickelt sich der Heupreis?

«Die Preise im Futtermarkt sind sehr volatil», sagt Widmer. «100 Kilogramm Heu kosten aktuell über 40 Franken. Noch im Frühling konnten Bauern die selbe Menge Heu für 25 Franken kaufen.» Das bedeutet: Einen Preisanstieg von mindestens 15 Franken, oder: 60 Prozent. Schnellen die Preise weiter in die Höhe, droht sogar eine Preisverdoppelung. «Die Preise sind nicht nur beim Heu, sondern auch bei Mais und Luzernen um rund dreissig Prozent gestiegen», ergänzt Widmer. Doch die Frage sei jedoch nicht allein, was das Futter koste, sondern ob es überhaupt erhältlich sei.

Wie reagieren die Bauern auf die hohen Preise?

«Der grosse Teil der betroffenen Bauern wird einen Mittelweg wählen zwischen der Schlachtung von Kühen und damit weniger Futterbedarf, oder dem Durchfüttern aller Tiere mit einer grossen Menge an zugekauftem Futter, was die Bauern viel Geld kostet», sagt Widmer.

Werden die Preise künstlich in die Höhe gedrückt?

Besonders brisant: Die Heuverkäufer, oftmals auch selber Bauern, warten ab, und treiben somit die Heupreise in die Höhe, was bei den Viehbauern wiederum Mehrkosten verursacht. «Das Gesetz über Angebot und Nachfrage gilt auch im Heuhandel», sagt Widmer.

Wird Heu importiert?

Die Preise für Schweizer Heu steigen. Sind die Viehbauern jetzt etwa gezwungen, billiges Heu aus dem benachbarten Ausland zu importieren? «Nein, das ist momentan nicht der Fall. Die grosse Mehrheit des Heus in der Ostschweiz komme im Moment aus der Schweiz», sagt Widmer. Nur ein kleiner Teil komme aus dem Ausland. «In den umliegenden Ländern ist die Dürre noch extremer als in der Schweiz.» Daher ist ein Import von ausländischem Heu in grösseren Mengen momentan keine Option.

Was sagen die Heuhändler?

Der Präsident der Heuhändler war am Donnerstagnachmittag abwesend. Eine Vertretung wollte sich auf Anfrage des «Tagblatts» nicht zu den aktuellen Heupreisen äussern.

Wie viel frisst eine Kuh?

«Eine Kuh frisst im Schnitt mehr als 20 Kilo Heu pro Tag», sagt Widmer. Bei einem Preis von 40 Franken pro hundert Kilo und einer Herde von 20 Kühen kostet das den Bauern 4800 Franken pro Monat. Zudem trinkt eine Kuh täglich rund 100 Liter Wasser. Frisst sie statt Gras nur Heu, steigt der Wasserbedarf zusätzlich.

Gibt es Futter-Alternativen?

Ausser dem Wintervorrat aus Heu und Gras-Silage stehen auch Mais, Rübenschnitzel oder Kartoffeln auf dem Speiseplan von Kühen. «Jedoch machen Gras und Heu nach wie vor den Hauptanteil der Ernährung aus.»

Keine Skiferien für die Ostschweizer Viehbauern?

«Für die Bauern steht das Tierwohl an erster Stelle», sagt der Geschäftsführer des St.Galler Bauernverbands. «Da verzichten sie lieber auf persönlichen Luxus wie Skiferien.» Man müsse es sich so vorstellen: «So wie uns Menschen die Gesundheit das höchste Gut ist, steht dem Bauer das Wohlergehen seiner Tiere im Vordergrund», sagt Widmer.

Wie lange reicht das Heu noch?

Auch wenn das Heu knapp wird: «Momentan ist in der Ostschweiz genug Heu vorrätig», sagt Widmer. «Doch ob es bis zum Frühjahr reicht, ist fraglich.» Er hofft, dass sich die Wetterlage bald entschärft. «Jetzt heisst es abwarten, wie sich die Wettersituation in den nächsten zwei Monaten entwickelt.» Ein langer Herbst würde den Bauern auch entgegenkommen. «Ein langer Herbst würde bedeuten: Mehr Erholungszeit und Wachstum auf den Grünflächen und eine längere Weideperiode bis in den Winter hinein.»

Dürre: Ostschweizer Kantone lockern Regeln für notleidende Bauern

Die Auswirkungen der seit Wochen anhaltenden Trockenheit und die heissen Temperaturen sind für die Landwirtschaft enorm. Die Kantone St. Gallen und Thurgau haben deshalb gestern sofortige Massnahmen ergriffen. Man wolle die «ausserordentlichen finanziellen Belastungen» für die Bauernbetriebe aufgrund der Trockenheit mildern, schreibt der Kanton Thurgau.

In beiden Kantonen ist es deshalb ab sofort erlaubt, extensiv genutzte Wiesen sowie die wenig intensiv genutzten Wiesen vorzeitig zu beweiden. Normalerweise ist das erst ab dem 1. September erlaubt. Um die Qualität dieser Biodiversitätsflächen nicht zu gefährden, ist es möglich, die Wiesen schonend und über eine möglichst kurze Dauer zu beweiden, schreibt der Kanton Thurgau in seiner Mittteilung. Sobald kein Weidegras mehr vorhanden sei, müssten die Tiere die Weide verlassen.

Der Kanton St.Gallen schreibt, dass die Behörden in Fällen von höherer Gewalt wie Trockenheit auf Beitragskürzungen verzichten können, auch wenn Bestimmungen der Direktzahlungsverordnung nicht mehr eingehalten werden. Von dieser Regelung macht der Kanton nun Gebrauch. So haben die St.Galler Ämter folgende Massnahmen erlassen:

- Früheres Mähen: Gemäss Natur- und Heimatschutzgesetz sind alle Moore und Streueflächen geschützt. In der Regel dürfen diese Flächen ab 1. September gemäht werden. Die Antwort der Regierung auf eine Interpellation des Kantonsrates vom vergangenen Jahr ermöglicht nun eine flexiblere Handhabung des Schnittzeitpunktes.

- Wenn auf Alpen zu wenig Futter oder Wasser vorhanden ist und vorzeitig zu Tal gefahren werden muss, werden die für die Sömmerungsbeiträge geforderten Tiertage nicht mehr erreicht. Die Bauern können dem Landwirtschaftsamt ein Gesuch einreichen.

- Wenn die Tiere länger als geplant auf der Alp bleiben, weil im Tal kein Futter zur Verfügung steht, können die geforderten Tiertage überschritten werden. Dies betrifft vor allem Alpen in hoher Lage im Süden des Kantons St. Gallen.

Der Kanton Thurgau lockert die Bestimmungen für einen regelmässigen Auslauf im Freien. Die Bestimmung, wonach bei Rindern, Ziegen und Schafen mindestens ein Viertel des Trockensubstanzbedarfs durch Weidefutter gedeckt werden muss, wurde ausgesetzt. Die Ausnahme erlaubt anstelle des Auslaufs auf einer Weide, dass sich die Tiere auch in einem Laufhof bewegen können. Als letzte Massnahme wurde bei Projekten für die Landschaftsqualität der späteste Ansaattermin verlängert. Bis zum 31. August dürfen «Farbige Zwischenfrüchte» gesät werden, also Phacelia- und Senfplanzen sowie Sonnenblumen. (sab)

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