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TRICKBETRÜGER: "Ganz fiese Masche": Falsche Polizisten haben Ostschweizer Senioren im Visier

Angebliche Polizisten haben kürzlich eine 76-Jährige in Wil ausgetrickst – sie erbeuteten Geld und Schmuck im Wert von mehreren tausend Franken. Auch im Thurgau wurde wegen derselben Masche schon Dutzende Male Alarm geschlagen.
Daniel Walt
Trau, schau, wem: Insbesondere ältere Menschen geraten immer wieder in den Fokus von Trickbetrügern. (Bild: Getty)

Trau, schau, wem: Insbesondere ältere Menschen geraten immer wieder in den Fokus von Trickbetrügern. (Bild: Getty)

  • Falsche Polizisten lullen per Telefon speziell ältere Menschen ein
  • Aus Sicherheitsgründen sollen die Senioren den angeblichen Beamten Geld und/oder Schmuck aushändigen.
  • Rund 100 Fälle von versuchten Betrügereien in den Kantonen St.Gallen und Thurgau wurden zuletzt registriert.
  • Die Täter operieren aus dem Ausland, haben aber Verbindungsleute hier.
  • Die Polizei rät zu einer gesunden Portion Misstrauen und betont: "Wir würden nie per Telefon dazu auffordern, uns Geld oder Schmuck auszuhändigen."


Es sind bizarre Szenen, die sich an einem Dienstagabend Ende Januar in Wil abspielen. Kurz vor Mitternacht packt eine 76-jährige Frau in ihrer Wohnung mehrere hundert Franken sowie Schmuck im Wert von Tausenden von Franken in eine Sporttasche. Dann geht die Seniorin auf den Balkon und wirft die Tasche über die Brüstung. Ein Mann in dunkler Kleidung, von dem die Frau fälschlicherweise annimmt, er sei ein Polizist, nimmt die Beute in Empfang und verschwindet auf Nimmerwiedersehen damit.

"Die Täter haben die Frau eingelullt und ihr gleichzeitig Angst und Schrecken eingejagt – eine ganz fiese Masche", sagt Hanspeter Krüsi, Chef Kommunikation der St.Galler Kantonspolizei. Die Seniorin war zunächst telefonisch kontaktiert worden. "Den Tätern gelang es, die Frau längere Zeit am Telefon zu halten und sie davon zu überzeugen, dass ein Polizist am anderen Ende der Leitung war", sagt Krüsi. Der Unbekannte am Telefon informierte die Frau, dass im Moment Diebesbanden umgehen würden, deshalb solle sie ihre Wertsachen der Polizei übergeben. Schliesslich war die Rentnerin bereit, das Geld, das sie zu Hause hatte, sowie ihren Schmuck in die Sporttasche zu packen und über die Balkonbrüstung zu werfen.

"Klar steigende Tendenz"

Rund 40 Fälle mit falschen Polizisten sind bei der St.Galler Kantonspolizei seit Anfang Jahr aktenkundig geworden – zum Erfolg kamen die Betrüger einzig in Wil. Telefonbetrügereien mit dem berüchtigten Enkeltrick habe es schon früher gegeben, sagt Hanspeter Krüsi, die Fälle mit falschen Polizisten wiesen aber klar steigende Tendenz auf. Ein Blick auf Polizeimeldungen aus Kantonen wie Zürich oder Bern zeigt, dass dies auch anderswo im Land der Fall ist.

Daniel Meili, Sprecher der Thurgauer Kantonspolizei, berichtet von ersten Fällen falscher Polizisten Ende des vergangenen Jahres. "Unterdessen wurden uns rund 60 Versuche gemeldet", sagt Meili, verweist aber auf die Dunkelziffer. Zum Ziel kamen die Unbekannten, anders als im Fall Wil, im Thurgau nie. Keine Meldungen zu falschen Polizisten gingen bisher bei den Kantonspolizeien Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden ein.

Telefonbuch wird durchforstet

Was weiss die Polizei über die Herkunft der falschen Polizisten und ihr Vorgehen? Hanspeter Krüsi von der St.Galler Kantonspolizei verortet die Täter vor allem in Ländern wie Ungarn, Tschechien oder der Türkei. "In sämtlichen Fällen sprechen die Unbekannten am Telefon aber gut Hochdeutsch", sagt Krüsi. Vereinzelt sei es schon vorgekommen, dass sie sich mit den Namen eines ortsbekannten Polizisten vorgestellt hätten, um noch mehr Vertrauen zu erwecken. Laut Daniel Meili von der Thurgauer Kantonspolizei durchforsten die Betrüger die Telefonverzeichnisse regelrecht nach Vornamen, die auf eine Seniorin oder einen Senior hindeuten könnten. "Bei vergangenen Versuchen wurden beispielsweise gezielt Personen mit den Vornamen Elisabeth oder Adolf angerufen", sagt Meili.

Beim Betrugsversuch selbst gibt es gemäss den beiden Polizeisprechern Variationen. "Die falschen Polizisten erzählen beispielsweise, dass es in der Umgebung viele Einbrüche gegeben habe und es sicherer sei, die Wertsachen Polizisten zur Aufbewahrung zu übergeben. Oder dass man bei einem verhafteten Einbrecher einen Zettel mit der Adresse des Opfers gefunden habe und der Rest der Bande noch auf freiem Fuss sei", sagt Daniel Meili.

"Ging nicht spurlos an ihr vorbei"

Laut Hanspeter Krüsi geschieht die Übergabe der Wertsachen entweder an der Haustüre, oder die Betrugsopfer werden zu einem Treffpunkt bestellt. In Erscheinung treten die Betrüger dann als angebliche Zivilpolizisten – falsche Polizeiuniformen seien bislang nicht zum Einsatz gekommen. "Dass die Opfer ihre Wertsachen in eine Tasche packen und über die Balkonbrüstung werfen, kam im Kanton St.Gallen beim Fall in Wil erstmals vor – andernorts ist das aber auch schon passiert", sagt Hanspeter Krüsi.

Gemeinsam ist allen Spielarten des Betrugs, dass die Opfer von den angeblichen Polizisten stark unter Druck gesetzt werden mit dem Ziel, an Geld oder Wertsachen zu kommen. Geht man auf die Betrugsversuche ein, sind Geld beziehungsweise Schmuck unwiderruflich verloren. An der 76-jährigen Frau aus Wil sei das Ganze nicht spurlos vorbeigegangen, sagt Hanspeter Krüsi. "Sie kann fast nicht glauben, dass ihr das passiert ist."

Das rät die Polizei

Bei verdächtigen Anrufen rät die Polizei zu einer gesunden Portion Misstrauen. «Echte Polizisten würden nie per Telefon die Übergabe von Wertsachen oder Geld verlangen», sagt beispielsweise Daniel Meili von der Thurgauer Kantonspolizei. Daran ändert sich auch nichts, wenn auf dem Display eine Rufnummer mit dem Bestandteil 117 erscheint - es handelt sich dabei um manipulierte Nummern der Betrüger. Ein deutlicher Hinweis auf Betrug ist es zudem, wenn der angebliche Polizist Hochdeutsch spricht – «unsere Polizisten sprechen Dialekt», sagt Hanspeter Krüsi von der St.Galler Kantonspolizei. Eine weitere Vorsichtsmassnahme: den eigenen Telefonbuch-Eintrag überprüfen und sich nicht mehr als «Adolf Müller», sondern als «A. Müller» eintragen lassen – damit die Betrüger vom Vornamen nicht auf das möglicherweise vorgerückte Alter der Person schliessen können. Generell bittet die Polizei darum, Betrugsversuche zu melden. (dwa)

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