«Das schlechte Resultat kommt unerwartet»: Steinachs Gemeindepräsident ist erstaunt, dass sein Dorf im Treibhausgas-Ranking den letzten Platz belegt

In der Energiestadt am See staunt man über das Ranking unserer Zeitung: Ein Treibhausgas-Ausstoss viermal grösser als in Buchs? «Das kommt unerwartet», sagt Gemeindepräsident Roland Brändli.

Christoph Zweili
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Die Gemeinde Steinach hat den höchsten CO2-Ausstoss im Kanton St.Gallen - zurückzuführen wohl auf den Verkehr. (Bild: Gaetan Bally/KEY)

Die Gemeinde Steinach hat den höchsten CO2-Ausstoss im Kanton St.Gallen - zurückzuführen wohl auf den Verkehr. (Bild: Gaetan Bally/KEY)

Er ist Vorbild, hat eines seiner Autos verkauft und fährt seither im Dreieck Rorschach–Romanshorn–St.Gallen nur noch mit dem E-Bike: Ausgerechnet Gemeindepräsident Roland Brändli findet sich mit Steinach nun beim kantonalen Kohlendioxid-Ranking auf dem letzten Platz, dabei spielen die Emissionen beim Verkehr wohl die entscheidende Rolle, wie Berechnungen des kantonalen Baudepartements zeigen.

Gemeindepräsident Roland Brändli. (Bild: Jolanda Riedener)

Gemeindepräsident Roland Brändli. (Bild: Jolanda Riedener)

Steinach liegt mit 7,2 Tonnen CO2-Ausstoss pro Einwohner und Beschäftigte auf dem letzten, dem 77. Platz. Zum Vergleich: Beim Klimaschutz-Musterknaben Buchs sind es «nur» 1,96 Tonnen. Als Ursache wird für Steinach die hohe Zahl immatrikulierter Fahrzeuge vermutet. Der Blick in die kantonale Statistikdatenbank zeigt, dass hier im vergangenen Jahr 599 Fahrzeuge auf 1000 Einwohner registriert waren, quer über den Kanton sind es 556. Der Verkehr macht 48 Prozent des Treibhausgas-Ausstosses im Kanton aus, die Haushalte sind für 34 und Industrie und Gewerbe für 18 Prozent verant­wortlich.

Zieht man die Verkehrsemissionen ab, findet sich Steinach auf Platz 40, bei den Haushalten auf Platz 31 und bei der Auswertung von Industrie und Gewerbe auf Rang 53. Kurz: Die Bodenseegemeinde glänzt in keiner Kategorie, was den Ausstoss von Treibhausgasen angeht.

«Das schlechte Ranking­resultat kommt sehr unerwartet und erwischt uns auf dem linken Fuss», gibt Brändli unumwunden zu. Er nimmt’s sportlich: «Jetzt haben wir klare Aussagen. Die Energiekommission wird das sehr genau anschauen.» Steinach, 2014 als Energiestadt ausgezeichnet und 2018 erfolgreich rezertifiziert, galt bisher als Vorzeigemodell, was den Klima- und Umweltschutz angeht – mit dem Einverständnis der Bürger unterwegs zur 2000-Watt-Gesellschaft. Davon war die Gemeinde 2017 laut den Berechnungen des Kantons allerdings noch um das Fünffache entfernt.

Stolz auf Solarstrom, Hoffen auf Fernwärmenetz

Immerhin: «Wir haben beim Energiestadt-Label einen grossen Sprung bei der Umsetzung der Massnahmen gemacht», sagt Brändli. Stolz ist Steinach auf seine Solarstrom-Produktion – mit 501 Kilowattstunden pro Person liegt die Gemeinde deutlich über dem kantonalen Durchschnitt (294). 2017 wurden 14 Prozent des Haushalt- und Gewerbestromes durch 68 Fotovoltaikanlagen produziert. 2017 hatte Steinach 3568 Einwohner – der Pro-Kopf-Verbrauch bei der sogenannten Endenergie lag bei 58806 Kilowattstunden; das Kantonsmittel bei 26404 Kilowattstunden.

Brändli setzt auf das Fernwärmenetz Arbon-Steinach-Roggwil. Es erstreckt sich heute schon über weite Gebiete von Steinach und versorgt Industriebetriebe, öffentliche Bauten sowie Wohnbauten mit Wärmeenergie. Bis in fünf Jahren soll es um einen Drittel wachsen – derzeit werden die Leitungen ­gebaut. «Wir werden damit viele Heizöl- und Gasheizungen er­setzen können», sagt Brändli: «Das wird unser Ranking ver­bessern.»