«Traurig», «macht Angst»: Wie Italiener aus der Ostschweiz die Corona-Entwicklungen in ihrer Heimat verfolgen

Über 450 Corona-Tote gibt es in Italien. Und nun ist das ganze Land eine einzige Sperrzone. Italiener aus der Ostschweiz schauen mit Besorgnis in ihre Heimat. 

Daniel Walt
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Eine Szene am Mailänder Hauptbahnhof: Ein Polizist und ein Soldat kontrollieren eine Reisende.

Eine Szene am Mailänder Hauptbahnhof: Ein Polizist und ein Soldat kontrollieren eine Reisende.

Bild: Keystone

«Ich habe es erwartet»: Der St.Galler Panettone-Bäcker Pietro Cappelli ist nicht überrascht, dass die italienische Regierung mittlerweile das ganze Land zur Corona-Sperrzone erklärt hat. Cappelli hält den Schritt für richtig – trotzdem schaut er mit Besorgnis auf die Entwicklungen in seiner Heimat:

«Jetzt, wo man alles abschottet, wird ein Teil der Wirtschaft lahmgelegt.» 
Pietro Cappelli.

Pietro Cappelli.

Archivbild: Urs Bucher

Insbesondere befürchtet Cappelli, dass noch für lange Zeit keine Normalität in Sachen Corona einkehren wird. Erste wirtschaftliche Folgen sind in seiner Familie bereits spürbar: Er habe mit einer Cousine gesprochen, die zwei Hotels führe, berichtet Cappelli. Die Situation sei bereits jetzt dramatisch, es gebe praktisch keine Buchungen, sodass die beiden Häuser mehr oder weniger leer stünden.

Kein Besuch bei der Mutter möglich

Auch Pietro Cappelli persönlich war schon mit den Folgen der Corona-Massnahmen in Italien konfrontiert: «Am vergangenen Wochenende wollte ich eigentlich meine Mutter, die auf den Liparischen Inseln lebt, besuchen», sagt Cappelli. Er habe aber – auch auf Anraten seiner Mutter – auf die Reise verzichtet. Dies, weil man nicht so genau wisse, ob die Tankstellen an der Autobahn geöffnet seien und ob er mit der Fähre überhaupt auf die Liparischen Inseln gelangen würde. «Das Ganze ist natürlich traurig», sagt Pietro Cappelli. Er hofft, den Besuch bei seiner 83-jährigen Mutter so bald wie möglich nachholen zu können.

Honorarkonsulat: Anfragen bezüglich Reisen nach Italien

Georges Burger ist italienischer Honorarkonsul in St.Gallen. Er hält telefonisch Kontakt mit Verwandten und Freunden aus Norditalien. «Die Menschen haben zwar Vertrauen in die Behörden. Und sie wissen, dass man mit dem richtigen Verhalten seinen persönlichen Beitrag gegen die weitere Ausbreitung des Virus leisten kann», sagt er. Trotzdem sei die Angst mit der Ausweitung der Sperrzone gestiegen.

Das Honorarkonsulat für Auslanditaliener in St.Gallen sieht sich derzeit mit etwas mehr Anfragen als gewöhnlich konfrontiert. Die Leute wollen beispielsweise wissen, ob sie ihre Verwandten in Italien trotz der neuen Massnahmen besuchen können. Georges Burger sagt dazu:

«Wir raten von Reisen nach Italien ab, sofern keine wichtigen Gründe vorliegen.»
Georges Burger, italienischer Honorarkonsul in St.Gallen.

Georges Burger, italienischer Honorarkonsul in St.Gallen.

Bild: Michel Canonica

Sowohl der Zug- als auch der Flugverkehr nach Italien sind zwar bis dato nicht unterbrochen. «Es sind letztlich aber die italienischen Behörden, die im Einzelfall vor Ort entscheiden, ob jemand in eine Sperrzone einreisen darf oder nicht beziehungsweise ob die Gründe für eine Reise genügend wichtig sind.»

Mindestabstand und Desinfektionsmittel

Ansonsten herrscht im italienischen Honorarkonsulat in St.Gallen Normalbetrieb. «Wir befolgen selbstverständlich alle Massnahmen, die das Bundesamt für Gesundheit empfohlen hat: Wir haben die entsprechenden Plakate aufgehängt, es gibt Desinfektionsmittel, und wir halten den Mindestabstand von einem Meter zwischen Personen ein», so Georges Burger. Zudem werden im Sinne einer kurzen Aufenthaltsdauer die Zeiten für Besuche wegen Pass- und ID-Anliegen am Mittwoch limitiert: auf zehn bis fünfzehn Minuten pro Person.

Sommerferien in Italien vorderhand kein Thema

Angelo Sbano ist ehemaliger Präsident des Club Napoli in Romanshorn, hilft im Lokal aber immer noch mit. Zu den jüngsten Entwicklungen in Italien sagt er:

«Natürlich macht das Angst.»

Am Dienstagmorgen hat Angelo Sbano mit seinem Bruder, der im süditalienischen Brindisi lebt, telefoniert. Sein Bruder verfolge am TV natürlich, wie sich die Situation landesweit entwickle. «In Apulien gibt es noch keinen Corona-Fall. Trotzdem ist mittlerweile auch dort alles abgeriegelt», sagt Sbano.

Einmal pro Jahr fährt Angelo Sbano mit seiner Frau, den erwachsenen Kindern sowie deren Familien nach Italien. Für diesen Sommer sind die Ferien aufgrund des Corona-Virus aber noch nicht gebucht. Eventuell keine Sommerferien in der Heimat – Angelo Sbano nimmt das ganz gelassen:

«Ich lebe seit 45 Jahren hier, ich bin mittlerweile mehr Schweizer als Italiener. Dann bleiben wir im Sommer halt hier.»
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