«Tragisch für die Artisten»: Reaktionen zum Knall im Circus Royal +++ Insider: «Zirkus wurde heruntergewirtschaftet» +++ Direktor hält sich angeblich in Deutschland auf

Artisten werfen dem Direktor des Kreuzlinger Circus Royal vor, ihnen keinen Lohn bezahlt zu haben und abgetaucht zu sein. Der Kanton Thurgau hat Kenntnis von den neuesten Problemen im Zirkus. Thomas Niederberger, Stadtpräsident von Kreuzlingen, zeigt sich bestürzt. Eine Reaktion von Zirkusdirektor Oliver Skreinig bleibt nach wie vor aus.

Rossella Blattmann
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Um den Circus Royal steht es schlecht. Direktor Oliver Skreinig soll mehreren Artisten über Monate hinweg keinen Lohn bezahlt haben.

Um den Circus Royal steht es schlecht. Direktor Oliver Skreinig soll mehreren Artisten über Monate hinweg keinen Lohn bezahlt haben.

Symbolbild: Benjamin Manser

Kein Geld, Schwarzarbeit und ein Zirkusdirektor, der sich aus dem Staub gemacht hat – beim Circus Royal rumort es. Diverse Artisten des Kreuzlinger Zirkus warten bis heute vergeblich auf ihren Lohn, wie sie gegenüber dem «Tagblatt» publik machten. Zudem beschäftigte Direktor Oliver Skreinig Arbeiter aus Moldawien illegal.

Thomas Niederberger, Stadtpräsident von Kreuzlingen.

Thomas Niederberger, Stadtpräsident von Kreuzlingen.

Andrea Stalder

Eine bedauerliche Situation

Thomas Niederberger, Stadtpräsident von Kreuzlingen, hat Kenntnis von den neuesten Turbulenzen. Er habe am Montagmorgen aus der «Thurgauer Zeitung» von der aktuellen Situation beim Circus Royal erfahren, sagt er auf Anfrage.

«Das ist natürlich sehr bedauerlich und tragisch, insbesondere auch für die Artistinnen und Artisten sowie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.»

Die Stadt Kreuzlingen habe über den zentralen Posteingang eine E-Mail-Anfrage, wahrscheinlich von einer Artistin, in englischer Sprache erhalten, sagt Niederberger. Die Frau habe sich erkundigt, wohin sie sich wenden könne. «Wir haben dann die Kontakte geknüpft zu den zuständigen Stellen beim Kanton, sprich, zum RAV und zum Amt für Wirtschaft und Arbeit», ergänzt der Kreuzlinger Stadtpräsident.

Wie kommen die Mitarbeiter an ihren Lohn?

Mirjam Fonti, Informationsbeauftragte beim Kanton Thurgau, bestätigt: «Beim Migrationsamt und beim Amt für Wirtschaft und Arbeit sind Mails von Mitarbeitenden eingegangen.» Man habe sich bemüht, ihnen Ansprechpartner zu vermitteln. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit sowie das Migrationsamt seien nicht die richtigen Ansprechpartner, sagt Fonti. Es handle sich um eine privatrechtliche Angelegenheit. «Deshalb müssen die Betroffenen den zivilrechtlichen Weg einschlagen.»

Für Nothilfe gelte das Zuständigkeitsgesetz der Schweiz. Dieses besagt laut Fonti, dass die aktuelle Aufenthaltsgemeinde bezüglich Nothilfe für die betroffenen Artisten zuständig ist. Das kann zum Beispiel die Organisation der Rückreise ins Heimatland betreffen.

Kanton behält sich weitere Kontrollen vor

Das Migrationsamt des Kantons Thurgau werde momentan keine weiteren Schritte unternehmen, da keine Gesuche anhängig seien, so Fonti. Im September hatte die Kantonspolizei Thurgau bei einer Kontrolle in Kreuzlingen vier Moldawier ohne Arbeitsbewilligung festgenommen. Fonti sagt:

«Im Moment ist die Zirkussaison fertig, und der Zirkus weilt nicht mehr in der Schweiz. Sollte der Zirkus wieder in den Thurgau kommen, werden entsprechende Kontrollen durchgeführt.»

Wie es um Betreibungen gegen die aktuelle Circus Royal GmbH steht, ist unklar – das Betreibungsamt nimmt dazu aus Datenschutzgründen keine Stellung.

Wo ist Oliver Skreinig?

Eine Stellungnahme von Circus-Royal-Direktor Oliver Skreinig bleibt am Montag nach wie vor aus. Skreinig sei momentan mit einem Winterzirkus in Deutschland unterwegs, berichtet ein Kenner der Zirkusbranche, der anonym bleiben möchte, am Montagnachmittag. Er sagt:

«Ich möchte Oliver nicht in die Pfanne hauen. Doch der Circus Royal wurde über die Jahre hinweg heruntergewirtschaftet.»

Als «Tagblatt Online» beim Kreuzlinger Firmensitz klingelt, öffnet eine Frau die Türe. Sie bestätigt, dass Skreinig sich irgendwo in Deutschland aufhalte. Mehr wisse sie auch nicht. «Ich leere nur den Briefkasten», sagt sie. Nachbarn wollen den untergetauchten Zirkusdirektor seit längerer Zeit nicht mehr gesehen haben. Bei der vom Circus Royal als Winterquartier angegebenen Kreuzlinger Adresse ist am Montag keine Spur des Zirkus zu sehen.

Probleme im Kanton Luzern, erfolgloses Crowdfunding

In den vergangenen Jahren war der Circus Royal mit einem Weihnachtszirkus im luzernischen Emmen zu Gast. 2018 habe Skreinig die Gemeinde gebeten, eine Hälfte der Platzmiete vor dem Engagement, die andere nachher zu bezahlen, berichtet der «Blick». Der Branchenkenner bestätigt:

«Oliver hat die Schulden bei der Gemeinde Emmen bis heute nicht beglichen. Das ist einfach charakterlos.»

Der Circus Royal hatte in der Vergangenheit immer wieder mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Ein Sympathisant versuchte, mittels Wemakeit-Crowdfunding dem Zirkus zu helfen. Ohne Erfolg: Wie ein Blick auf die Spenden-Website verrät, endete das Projekt «Rettet den Circus Royal» am 1. November dieses Jahres «leider nicht erfolgreich». 12 Unterstützer hatten lediglich 2821 der angestrebten 75'000 Franken gespendet.

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