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TRÄGERSCHAFT: Eine Region rauft sich zusammen

Der Zusammenschluss der drei Fachhochschulen im Kanton St.Gallen kommt in Reichweite: Die Regierungen der beteiligten Kantone und des Fürstentums Liechtenstein haben sich geeinigt.
Adrian Vögele
Die Fachhochschule St. Gallen soll mit der HSR Rapperswil und der NTB Buchs zusammengeführt werden. (Bild: Ralph Ribi)

Die Fachhochschule St. Gallen soll mit der HSR Rapperswil und der NTB Buchs zusammengeführt werden. (Bild: Ralph Ribi)

Adrian Vögele

adrian.voegele@tagblatt.ch

Der Weg für die neue Fachhochschule Ostschweiz ist geebnet. Die Fachhochschule St.Gallen (FHS), die Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) und die interstaatliche Hochschule für Technik Buchs (NTB) werden zu einer einzigen Fachhochschule zusammengeführt: Dies haben die Regierungen der Kantone St.Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, Schwyz, Glarus sowie des Fürstentums Liechtenstein beschlossen. Sie werden die künftige Trägerschaft für die Fachhochschule Ostschweiz (FHO) bilden.

An allen drei Fachhochschulstandorten werden weiterhin Lehre und Forschung betrieben, wie es in einer Mitteilung der Staatskanzlei heisst. «Steuerung, Führung und Finanzierung werden verstärkt unter dem Lead des Standortkantons St.Gallen stehen, der etwa 85 Prozent der Trägermittel finanzieren wird.» Die weiteren Träger werden pauschale Beiträge entsprechend der ­Anzahl ihrer Studentinnen und Studenten bezahlen. Diese Beträge werden gemäss Communiqué tendenziell tiefer sein als die heutigen Beiträge an die Fachhochschulen im Kanton St.Gallen.

Skepsis im Thurgau und in Schwyz verflogen

Die Meinungen über die beste Organisationsform für die FHO gingen in der Vergangenheit auseinander: Der Kanton Thurgau hatte sich zunächst für ein zweigeteiltes Modell ausgesprochen, wonach nur die FHS und die NTB unter einer Trägerschaft vereinigt worden wären und die HSR eine eigenständige Hochschule geworden wäre. Nun hat die Thurgauer Regierung aber doch der Variante einer einheitlichen Trägerschaft für alle drei Hochschulen zugestimmt. Im Gespräch zwischen den Regierungsdelegationen seien an diesem Modell Verbesserungen erzielt worden, die dem Thurgau eine bessere Mitwirkung in der neuen FHO e­rmöglichten, heisst es in der ­Mitteilung aus Frauenfeld. Als politisches Gremium für die Fachhochschule wird eine Trägerkonferenz eingerichtet, in der die zuständigen Regierungsräte aus den Kantonen und dem ­Fürstentum vertreten sind. Diese Konferenz beschliesst unter anderem über das Studienangebot der FHO und legt die Kompetenzen für den Hochschulrat fest. Dieser ist das oberste Gremium der FHO und besteht aus 15 Mitgliedern. St.Gallen erhält acht Sitze, der Thurgau zwei, die weiteren Mitträger jeweils einen Sitz. Es sei positiv, dass der Hochschulrat nicht nach politischen, sondern nach fachlichen Kriterien zusammengesetzt werden solle, heisst es in der Thurgauer Mitteilung. Der Thurgau rechnet für sich mit einer kostenneutralen Umsetzung.

Skeptisch hatte sich im Vorfeld auch der Kanton Schwyz geäussert: Die Regierung befürchtete ein geringeres Mitspracherecht im Einheitsmodell für alle drei Hochschulen. Das Interesse des Kantons Schwyz fokussiere ausschliesslich auf die HSR, schrieb die Regierung im vergangenen Sommer in ihrer Antwort auf einen Vorstoss aus dem Schwyzer Kantonsparlament. Mit der nun definierten Lösung zeigt sich Schwyz aber zufrieden. Der Kanton könne weiterhin Einfluss nehmen auf das Studienangebot und die Zusammenarbeit am Standort Rapperswil. Unter anderem könnten Vertreter der Region im Standortbeirat der Hochschule Einsitz nehmen. Für den Kanton Schwyz werde zudem der finanzielle Aufwand sinken.

Trägerkonferenz kann schneller entscheiden

Dass nun eine Einigung über die Zukunft der FHO gelungen ist, ist für den St.Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker keine völlige Überraschung: «In den Gesprächen mit den Regierungen hat sich sehr schnell gezeigt, dass es einen weitgehenden Konsens gibt.» Nach den bilateralen ­Gesprächen fand Ende Februar ein gemeinsames Hearing mit ­allen Bildungsdirektorinnen und -direktoren statt. «Dort haben wir die Lösung fertig ausgearbeitet, die nun vorliegt», sagt Kölliker. Eines der wichtigsten Ergebnisse aus dieser Diskussion sei die nun geplante Trägerkonferenz: Die Regierungen delegieren gewisse Kompetenzen bezüglich FHO an ihre jeweiligen Bildungsdirektoren, die in der Trägerkonferenz vertreten sind. «Das ist einfacher, als wenn für jeden ­Beschluss die Regierung jedes Kantons und des Fürstentums angefragt werden muss», sagt Kölliker. Das Gremium sei schneller handlungsfähig und könne direkt Entscheide treffen. Zur positiven Stimmung in den Gesprächen der Regierungen habe auch beigetragen, dass der neue Hochschulrat künftig klar als fachliches Gremium definiert werden soll.

Das interstaatliche Konkordat für die FHO wird noch dieses Jahr ausgehandelt, nächstes Jahr soll es dann von den Kantonen abgesegnet werden. Im St.Galler Kantonsrat wird die FHO schon früher wieder Thema: Die Regierung wird dem Parlament im Mai einen Bericht zu den aktuellen Plänen und Fragen rund um die Fachhochschule vorlegen. Nach vielstimmiger Kritik – nicht zuletzt aus dem Linthgebiet – waren sich die Fraktionen zuletzt einig, dass eine einheitliche Lösung für alle drei Hochschulen grundsätzlich die richtige Variante sei.

Parallel zur Ausarbeitung des interstaatlichen Konkordats ­werden nun die Vorbereitungen zur Zusammenführung der drei Hochschulen fortgeführt. «In alle Projektphasen bleiben sämtliche zukünftigen Hochschulträger intensiv einbezogen», heisst es im St.Galler Communiqué. Der operative Start der neuen Hochschule ist auf Herbst 2020 geplant.

Bis Ende 2022 muss die ­Fachhochschule Ostschweiz ihre Strukturen bereinigt haben. Dies verlangt der Bund. Sie erfüllt in ihrer heutigen Form die gesetzlichen Anforderungen für die Akkreditierung nicht mehr.

Kommentar: Verlobung gelungen

Es ist ein Durchbruch auf schwierigem Terrain: Die Regierungen der Ostschweizer Kantone und zugewandter Orte haben sich darauf verständigt, wie die hiesige Fachhochschullandschaft künftig aussehen soll. Der Plan der St.Galler Regierung, die drei Schulen in St.Gallen, Buchs und Rapperswil unter einem Dach zu vereinen, kam zunächst nicht überall gut an. Skeptisch waren insbesondere der Thurgau und der Kanton Schwyz.

Umso erfreulicher ist das Signal, dass alle beteiligten Regierungen hinter dem Einheitsmodell stehen. Mit der Neuorganisation muss es dringend vorwärtsgehen, nur schon aus rechtlichen Gründen: Bis Ende 2022 muss sich die Fachhochschule Ostschweiz neu strukturiert haben, damit sie die Bedingungen für die Akkreditierung des Bundes auch in Zukunft erfüllt.

Für die drei St.Galler Fachhochschulen ist der Schritt aus einem anderen Grund noch wichtiger: Sie sind im nationalen Vergleich klein und kämpfen um Marktanteile. Der organisatorische Zusammenschluss kann ihnen daher nur dienen. Ganz im Trockenen ist die Fachhochschul-Heirat freilich noch nicht: Das neue Konkordat wird erst ausgearbeitet, Parlamentsentscheide stehen noch an. Es ist jetzt zentral, dass sich die Kantone nicht in Detaildiskussionen verheddern, sondern die Fachhochschulen gemeinsam und zügig voranbringen.

Adrian Vögele
adrian.voegele@tagblatt.ch

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