Tourismusförderung
Stadtparlament steht hinter Verein St.Gallen-Bodensee-Tourismus: SP und Grünliberale blitzen mit ihren Anträgen um Kürzung des Jahresbeitrags für 2022 ab

Der Verein St.Gallen-Bodensee-Tourismus kann aufatmen: Er erhält im nächsten Jahr wieder 880'000 Franken aus der Stadtkasse und kann eine strategische Neuausrichtung lancieren. Die Vorlage war im Stadtparlament umstritten.

Daniel Wirth
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Tourist Information an der Bankgasse in St.Gallen.

Tourist Information an der Bankgasse in St.Gallen.

Hanspeter Schiess

Der Verein St.Gallen-Bodensee-Tourismus (SGBT) will sich neu ausrichten. Direktor Thomas Kirchhofer sagte Ende Oktober gegenüber dem «St.Galler Tagblatt», es brauche ein radikales Umdenken.

Die Folgen der Coronapandemie, die Digitalisierung und die Individualisierung veränderten die Herausforderungen für den Städte- und Kongresstourismus sehr stark. Der Stadtrat unterstützt dieses Vorhaben und will die geltende Leistungsvereinbarung um ein Jahr verlängern.

SP und Grünliberale wollen den Beitrag kürzen

Die Fraktion von SP, Juso und PFG anerkennt das, wie ihre Sprecherin Evelyne Angehrn am Dienstag an der Sitzung des Stadtparlaments sagte. Dennoch sei eine Kürzung des Jahresbeitrags für ein Jahr um 200'000 auf 680'000 Franken gerechtfertigt. Entsprechend sei die Leistungsvereinbarung zwischen Stadt und Verein anzupassen, sagte sie.

Marcel Baur, Grünliberale

Marcel Baur, Grünliberale

PD

Noch weiter ging die Fraktion von Grünliberalen und Jungen Grünliberalen. Namens seiner Fraktion beantragte Marcel Baur, der Jahresbeitrag sei für 2022 um 430'000 auf 450'000 Franken zu kürzen. Im Gegenzug seien 150'000 Franken für den Prozess der beabsichtigten strategischen Neuausrichtung zu bewilligen. Unter dem Strich wollte die GLP demnach 600'000 Franken für SGBT einstellen, 280'000 Franken weniger als der Stadtrat.

In einer ersten Abstimmung stellte Parlamentspräsidentin Alexandra Akeret die beiden Anträge von SP und GLP einander gegenüber. Der Antrag der Grünliberalen hatte nicht den Hauch einer Chance; er unterlag dem Vorschlag der Sozialdemokraten mit 7 zu 42 Stimmen. In einer zweiten Abstimmung wurden dem Parlament die Anträge der SP und des Stadtrats vorgelegt. Hier obsiegte der stadträtliche Antrag relativ knapp mit 29 zu 22 Stimmen. In der Schlussabstimmung sagten 42 Parlamentarierinnen und Parlamentarierer Ja zur Verlängerung der Leistungsvereinbarung mit SGTB um ein Jahr und zum Beitrag von 880'000 Franken für 2022, neun aus dem linksgrünen Lager sagten Nein, drei enthielten sich ihrer Stimme.

Maria Pappa im Ausstand

Stadrat Markus Buschor, Direktion Planung und Bau, vertrat bei diesem Geschäft Stadtpräsidentin Maria Pappa; als Mitglied des SGBT-Vorstands war sie in den Ausstand getreten.

Baudirektor Markus Buschor vertrat Maria Pappa.

Baudirektor Markus Buschor vertrat Maria Pappa.

Tobias Garcia

Buschor sagte, der Stadtrat habe die Vorlage ohne Begeisterung an das Stadtparlament geleitet. Er habe unter Zugzwang gestanden. Der Tourismus habe unter den Folgen der Pandemie stark gelitten. Es sei ein Fakt: Touristinnen und Touristen seien 2020 ausgeblieben. Es müsse etwas getan werden, und das brauche Mittel.

Die Mitte dezidiert gegen Beitragskürzung

Patrik Angehrn, Sprecher der Fraktion von Die Mitte/EVP, sagte, gerade in diesen für den Tourismus beispiellose und nicht vorhersehbaren Krisenjahren aufgrund der Coronapandemie komme es einer Abstrafung gleich, wenn nur fünf Wochen vor dem neuen Geschäftsjahr die Gelder gekürzt, aber der Leistungskatalog beibehalten werden sollte.

Patrik Angehrn, Sprecher der Fraktion von Die Mitte und EVP.

Patrik Angehrn, Sprecher der Fraktion von Die Mitte und EVP.

Lautenschlager_gmbh

Eine Reduktion um 200'000 Franken oder noch mehr hätte schwerwiegende Folgen für den Tourismusverein, sagte Angehrn. Es könnten nicht einfach ein paar Inserate weniger geschaltet werden und der Beitrag wäre eingespart. «Das ist eine Mär», sagte der Sprecher von Die Mitte und EVP.

Der Sprecher von Grünen und Jungen Grünen, Clemens Müller, sagte, die Bedeutung des Vereins St.Gallen-Bodensee-Tourismus sei in seiner Fraktion unbestritten. Damit die Attraktionen der Stadt bekannt und besucht und die Infrastruktur für Kongresse genutzt würden, brauche es eine wirksame Organisation; der SGTB erfüllen diesen Anspruch auf professionelle Weise. Es wäre falsch, sagte Müller, wenn heute mit dem Beitrag an die Tourismusorganisation ein konträres Zeichen gesetzt würde.

SVP-Sprecher kritisiert die SP

René Neuweiler, Sprecher der SVP-Fraktion, hielt der Ratslinken vor, diese habe keinen Skrupel, bei SGTB Stellen zu streichen. Denn genau das passiere, wenn heute der Beitrag vom Stadtparlament gekürzt werde. Auf einmal sei ein Stellenabbau kein Tabu mehr bei der SP.

René Neuweiler (SVP) übte Kritik an den Sozialdemokraten.

René Neuweiler (SVP) übte Kritik an den Sozialdemokraten.

PD

Er freue sich unter diesen Voraussetzungen auf die Budgetdebatte von Anfang Dezember. Darauf entgegnete ihm Marcel Bauer von der GLP, in den vergangenen vier Jahren mit der neuen Leistungsvereinbarung sei die Staatsquote beim Verein St.Gallen-Bodensee-Tourismus von 37 auf 47 Prozent angestiegen.

Chompel Balok (SP) sagte, SGBT habe ein strukturelles Problem. Ein Kürzung des Beitrags sei angezeigt.

Felix Keller, FDP.

Felix Keller, FDP.

Moehr_fotografie

Er sagte, eine Kürzung sei nicht unlauter, wie das Felix Keller namens der Fraktion von Freisinnigen und Jungfreisinnigen gesagt hatte. Für Keller ist es wichtig, dass die Stadt eine verlässliche Partnerin für St.Gallen-Bodensee-Tourismus bleibt. Dem Verein jetzt den Geldhahn zuzudrehen, wäre falsch, wie Felix Keller sagte.

Beim Verein gab und gibt es personelle Wechsel. Auch deshalb erachtet es die Tourismusorganisation für angezeigt, sich eine neue Strategie zu geben. Ziel ist es, die neue Strategie und eine Leistungsvereinbarung im nächsten Spätherbst dem Stadtparlament vorzulegen. Das Jahr 2022 wird für die Mitarbeitenden und die Vereinsspitze demnach ein Zwischenjahr.

Touristen beim Fotografieren in der St. Galler Stiftskirche. Viele kamen nicht im vergangenen Jahr.

Touristen beim Fotografieren in der St. Galler Stiftskirche. Viele kamen nicht im vergangenen Jahr.

Benjamin Manser

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