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Tourismusexperte zum «Aescher»-Hype: «Der Alpstein verträgt noch viel mehr Touristen»

Die Betreiber der Bergbeiz Aescher geben auf – die Infrastruktur halte nicht mit dem Besucheransturm stand. Norbert Hörburger, Dozent für Tourismus an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur, über den «Aescher»-Hype und die Frage, ob ein Touristenansturm auch zu gross werden kann.
Daniel Walt
In schönen Wetterperioden ist die «Aescher»-Terrasse ein Anziehungspunkt für Tausende Menschen. (Bild: Keystone)

In schönen Wetterperioden ist die «Aescher»-Terrasse ein Anziehungspunkt für Tausende Menschen. (Bild: Keystone)

Norbert Hörburger, wann haben Sie zum letzten Mal die legendäre Rösti genossen, die es im «Aescher» gibt?

Eine Rösti hatte ich dort noch nie. Auf einer Wanderung habe ich etwas im «Aescher» getrunken – aber das ist schon gut zwei Jahre her.

Das Wirtepaar ist Opfer seines eigenen Erfolges geworden und hört auf. Begründung: Der Gästeansturm sei mit der bestehenden Infrastruktur nicht mehr zu bewältigen. Eine so begründete Betriebsaufgabe dürfte in Zeiten des Beizensterbens eher die Ausnahme sein.

Das ist so. Den Begriff «Opfer» muss man aber relativieren. In der Gastronomie muss man froh sein, wenn der eigene Betrieb floriert – die wirtschaftliche Situation zahlreicher Restaurants ist angespannt.

Norbert Hörburger. (Bild: pd)

Norbert Hörburger. (Bild: pd)

Der «Aescher» ist in den letzten Jahren regelrecht überrannt worden. Ein Treiber war das Magazin «National Geographic», welches die Bergbeiz auf eine Liste der 225 spektakulärsten Orte der Welt aufnahm und sie sogar auf dem Titelblatt abbildete. Wie beurteilen Sie die Wirkung, die eine solche Publikation entfalten kann?

Dieser Bericht war eine Adelung für den «Aescher». Der «National Geographic» ist ein anerkanntes Magazin mit soliden Reportagen und einer hervorragenden Bildqualität – es weckt Reisesehnsüchte bei vielen Menschen.

Dass ein Filmstar wie Ashton Kutcher im Internet ebenfalls Werbung für den «Aescher» machte, trug ebenfalls zum Hype bei.

Richtig. Solche Stars haben viele Follower, die sie mit ihren Posts mobilisieren können.

Waren die sozialen Medien, auf denen schöne Orte abgefeiert werden, eher Fluch statt Segen für eine Bergbeiz wie den «Aescher»?

Die Entwicklungen rund um den «Aescher» zeigen, welche Macht die Online-Medien und Influencer in Sachen Gästegewinnung haben können. Gastrobetriebe müssen grundsätzlich froh sein, wenn sie gratis zu Aufmerksamkeit in den Medien kommen. Daraus müssen sie Profit schlagen, zumal ein solcher Hype irgendwann auch wieder abflachen wird.

Wie aber kann ein Wirt Gegensteuer geben, wenn alles zu viel wird?

Durch Besuchermanagement mithilfe neuer Technologie. Beim «Aescher» beispielsweise wäre vorstellbar, dass die Sitzplätze auf der Terrasse zu Spitzenzeiten nur nach einer entsprechenden verbindlichen Online-Reservation zugänglich sind. Oder es könnten an der Talstation der Ebenalpbahn Anzeigetafeln darauf aufmerksam machen, ob im «Aescher» überhaupt noch Plätze verfügbar sind. So können Besucherströme auch grossräumig im Gebiet gesteuert werden.

Haben betroffene Wirte weitere Mittel, um Gäste zu Spitzenzeiten fernzuhalten?

Sie können ihre eigenen Marketingaktivitäten einstellen. Oder Touristengruppen werden nur noch zu Zeiten empfangen, in denen der Zustrom von Gästen weniger gross ist.

Gibt es andere Fälle von Tourismusdestinationen, die mit ähnlichen Problemen wie der «Aescher» zu kämpfen haben?

Ja, beispielsweise den Strand der Kathedralen in Galizien. Hier hat man sich schliesslich entschieden, einen bestimmten Strandabschnitt nur noch gegen Entgelt zugänglich zu machen – pro Tag werden 4812 Eintrittskarten für diesen Bereich verkauft. Aus einer natürlichen ist eine gemanagte Attraktion geworden.

Nicht nur Hollywood-Star Ashton Kutscher hat das Berggasthaus besucht, sondern auch Tennis-Star Roger Federer. (Bild: Raphael Rohner)
Und auch bei Wanderern ist das Berggasthaus beliebt. (Bild: Raphael Rohner)
(Bild: Raphael Rohner)
Bereits um 10 Uhr morgens ist das Gasthaus gut belegt. (Bild: Raphael Rohner)
Das Berggasthaus Aescher-Wildkirchli. (Bild: Raphael Rohner)
Das Berggasthaus Aescher-Wildkirchli unterhalb der Ebenalp. (Bild: Benjamin Manser)
Der «Aescher» sucht einen neuen Pächter. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)
Wer will den «Aescher» pachten? (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)
Ein beliebtes Ziel auch für internationale Touristen. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)
Die Ebenalpbahn befindet sich in kurzer Distanz zum «Aescher». (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)
10 Bilder

Das Berggasthaus Aescher sucht einen neuen Pächter

Nicht nur der Aescher, der Alpstein generell ist zum bevorzugten Ausflugsziel von immer mehr Menschen geworden. Ist der verstärkte Wunsch, frische Bergluft zu atmen, Ausdruck einer Gesellschaft, deren Alltag immer technologisierter geworden ist?

Der alpine Tourismus ist nicht neu. Neu ist, dass sich die Informationen über lohnenswerte Ziele viel schneller verbreiten als früher. Die Destinationen erreichen ihre Gäste heute einfacher, schneller und billiger. Aber sie dürfen sich dann auch nicht darüber beschweren, wenn viele kommen.

Wie weit kann diese Entwicklung noch gehen, bevor der Alpstein Schaden nimmt?

Der Alpstein verträgt noch viel mehr Touristen. Es kommt auf die richtige Verteilung an, und zwar sowohl örtlich wie zeitlich. Es gibt dort tote Flecken, und zu gewissen Zeiten sind auch die Hotspots menschenleer. Deshalb sollten die Verantwortlichen versuchen, vermehrt Gäste zu gewinnen, die über mehrere Tage im Alpstein bleiben. Diese würden dann auch das ganze Gebiet und nicht nur die bekanntesten Punkte erkunden.

Was muss die Wildkirchlistiftung, welcher der «Aescher» gehört, nun vorgehen, um das Restaurant in eine gute Zukunft zu führen?

Die Besucherströme müssen besser gelenkt werden. Vor allem aber ist ein grosses Augenmerk auf die Auswahl der künftigen Pächter zu legen. Diese müssen professionell und belastbar sein, damit die «Aescher»-Ära weitergehen kann.

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