TOURISMUSDIREKTOR: Der Vollblut-Touristiker hat genug

Abgang bei St. Gallen-Bodensee Tourismus: Frank Bumann nimmt nach viereinhalb Jahren den Hut. Der viel kritisierte Walliser kämpfte vergeblich für neue Leistungsaufträge. Die Nachfolge ist offen.

Marcel Elsener, Andri Rostetter
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Der Walliser, der mit den kleinräumigen St. Galler Strukturen kämpfte: Frank Bumann. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 1. April 2015))

Der Walliser, der mit den kleinräumigen St. Galler Strukturen kämpfte: Frank Bumann. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 1. April 2015))

Marcel Elsener, Andri Rostetter

ostschweiz@tagblatt.ch

So unbeliebt wie der FC-St. Gallen-Trainer Joe Zinnbauer ist der St. Galler Tourismusdirektor Frank Bumann nicht, und gewiss war er an den Zahlen gemessen erfolgreicher. Jedoch stand auch Bumann oft in der Kritik. Prompt machte gestern Mittag nach der Mitteilung, er verlasse seinen Posten in St. Gallen, der Kalauer die Runde, wonach «die Stadt innert weniger Stunden gleich zwei Buhmänner los werde».

Im Gegensatz zu Zinnbauer geht Bumann aus freien Stücken: Der 56-Jährige entschied sich nach einer Standortbestimmung, St. Gallen-Bodensee Tourismus auf Ende Juni 2017 zu verlassen. Tatsächlich sei er zum Schluss gekommen, dass St. Gallen «nicht mehr das richtige Umfeld für meine nächsten zehn Jahre» sei, sagt Bumann. Und er wiederholt, was er in den viereinhalb Jahren seines Wirkens stets geäussert hat: Das Destinationsmanagement, wie es dem Walliser vorschwebt, sei aufgrund der Rahmenbedingungen mit überholten Strukturen, schwerfälligen Leistungsaufträgen und ungenügender Finanzierung nicht möglich.

Kantonsübergreifende Strategie gescheitert

Bumann war im Januar 2013 als Wunschkandidat nach St. Gallen gekommen: Der Vollblut-Touristiker, Sohn eines Hoteliers in Saas-Fee und Bruder des Kochweltmeisters und TV-Stars Daniel Bumann («Der Restauranttester»), bemühte sich von Anfang an um eine strategische Neupositionierung, um die Modernisierung der Angebote und um grössere Strukturen. Dabei wurde er nicht müde zu betonen, dass der Ostschweizer Tourismus einen Entwicklungsschub nötig hätte. «Die Destinationsstrukturen hinken der Realität ein Jahrzehnt hinten nach», erklärte er im November 2016 gegenüber dem Branchenmagazin «travelnews». «Die grösste Herausforderung ist sicher, eine längerfristige Perspektive in der Destinationsentwicklung und den Leistungsvereinbarungen mit Kanton und Stadt hinzubringen. Da braucht es die Weitsicht, kantonsübergreifende Strukturen zu bilden, die man einmal hatte. Ich glaube nicht, dass man heute als Einzelkämpfer die Herausforderungen wie internationale Marktbearbeitung meistern kann.»

Während in der ganzen Schweiz grössere Tourismuseinheiten gebildet wurden, habe die Ostschweiz diese «weiter zerstückelt», stellt Bumann fest. «Die kantonalen und regionalen Identitäten verhindern eine gute Entwicklung.» Enttäuscht musste der Walliser feststellen, dass ein Zusammengehen der St. Galler mit den Ausserrhodern und Thurgauern nicht möglich ist. Dazu kam der Schiffbruch der Expo 2027: «Wir setzten grosse Hoffnungen in die Idee.» Die St. Galler Regierung müsse sich endlich fragen, was man im Tourismus wolle und welcher Auftrag und welche Ressourcen für welche Ziele nötig seien. Immerhin nehme Volkswirtschaftschef Bruno Damann nun einen neuen Anlauf, um wenigstens innerhalb des Kantons die Strukturen effizienter auszurichten. Doch dauerten die politischen Prozesse lang; er wolle nicht bis 2019 warten, bis es vielleicht soweit sei.

Bumann hat trotz erschwerter Bedingungen einige Erfolge vorzuweisen. Selber streicht er die Plattform «Zukunftsmärkte» hervor, die von Schaffhausen bis Appenzell mit 30 Leistungspartnern zusammenarbeitet und China, Südostasien, Korea und Japan im Fokus hat. Markus Isenrich, Präsident des Vereins St. Gallen-Bodensee Tourismus, bedauert denn auch den Abgang und betont, dass er mit Bumann eine «ausgezeichnete persönliche Beziehung» habe. «Wir haben Verständnis, dass gegenwärtige strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen nicht mehr den Erwartungen entsprechen», lässt sich Isenrich in der Mitteilung des Vereins zitieren. Die Destination habe sich unter Leitung Bumanns erfolgreich entwickeln und neue Märkte erschliessen können. Jüngst umgesetzt wurden Projekte wie der Standortwechsel in St. Gallen, die Neugestaltung der Tourist Information und die verstärkte Digitalstrategie.

Die Kritiker vom «Stadt-Stamm» wüssten Nachfolger

Bumanns Stelle wird nächste Woche ausgeschrieben. Es sei absehbar, dass man im Sommer einige Monate ohne Tourismusdirektor auskommen müsse, sagt Isenrich. Doch vertrauen Präsident wie Noch-Direktor auf ein «gut aufgestelltes operatives Team».

Nicht alle bedauern den Abgang; besonders in der Stadt St. Gallen verstummte die Kritik an Bumann nie. So wurden ihm eine schlechte Kommunikation und rücksichtsloses Vorgehen vorgeworfen. Jörg Caluori ist einer der schärfsten Kritiker von Bumann. Er lancierte 2015 einen Vorstoss, in dem er die Abwahl des Tourismusdirektors forderte. Caluori setzte damit um, was am «Stadt-Stamm», einer losen Gruppierung von Chefbeamten, Unternehmern und anderen Meinungsmachern in der Stadt, zum Grundtenor gehörte: Bumann sei der falsche Mann für St. Gallen. Caluori lieferte gleich eine Liste mit möglichen Kandidaten mit. Auf der Liste war unter anderem Andreas Müller, Ex-Open-Air-Chef und Tourismusdirektor von Flims-Laax. Für Caluori ist Müller noch immer ein geeigneter Kandidat: «Ein Ur-St. Galler mit grosser Branchenerfahrung und Sozialkompetenz.» Auf Bumann müsse nun ein richtiger St. Galler folgen. «Wir brauchen jemanden, der die Stadt und die Umgebung gut kennt. Er muss sozial kompetent sein, ein gutes Auftreten haben und kulturell breit interessiert sein. Unsere Stadt hat das verdient.»