TOURISMUS: «Oskar» soll durchstarten

In den meisten Destinationen sind Gästekarten längst Standard. In der Ostschweiz kommen solche Angebote kaum voran. Die Initianten hoffen nun auf die Hilfe der Kantone. Auch in der Stadt St. Gallen ist ein neuer Anlauf geplant.

Drucken
Teilen

Es ist wie ein Reflex: Gibt es im Tourismus eine Krise, wird in der Ostschweiz nach der Einführung von Gästekarten gerufen. Die Idee dahinter: Mit der kostenlosen Benutzung des öffentlichen Verkehrs sollen die hohen Zimmerpreise teilweise kompensiert werden. Nach verschiedenen Anläufen lancierte der Verband Hotellerie Ostschweiz im Juni 2016 die Gästekarte «Oskar». Sie ist ab zwei Übernachtungen erhältlich, kostet die Feriengäste zehn Franken pro Tag und bietet freie Fahrt im ganzen Tarifverbund Ostwind sowie Reduktionen oder freie Eintritte für Museen und andere Attraktionen.

Der Erfolg ist überschaubar: Inzwischen sind es 15 Hotels, die ihren Gästen Oskar anbieten. Finanziert wird das Angebot durch die Hotelbetriebe. Die Initianten hofften beim Start auf Anschubfinanzierung aus den Ostwind-Kantonen. Damit ist man nun einen Schritt weiter: Die Kantone St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Thurgau und Graubünden wollten Oskar im Rahmen eines interkantonalen Projekts der Neuen Regionalpolitik NRP bis 2019 unterstützen, sagt Thomas Reinhard, Projektleiter Tourismus im St. Galler Amt für Wirtschaft und Arbeit. Die Mittel sollen für das Marketing eingesetzt werden, präzisiert Bruno Vattioni, Leiter der Oskar-Geschäftsstelle. Über genaue Zahlen und geplante Aktionen werde Anfang April in- formiert. Danach solle Oskar «durchstarten».

Bedenken wegen Datenschutz

Ein zweites lokales Projekt, eine Gästekarte für die Stadt St. Gallen, scheiterte letzten Herbst im Stadtparlament. Das Gratis-ÖV-Ticket wäre vor allem für Kongresstouristen gedacht gewesen, die in St. Gallen übernachten. Beerdigt ist die Idee allerdings noch nicht: Derzeit liefen Abklärungen für einen weiteren Anlauf, bestätigte Frank Bumann, Direktor von St. Gallen-Bodensee Tourismus. Bis im Herbst sollen die Details bekannt sein.

Ganz andere Diskussionen gibt es auf der deutschen Bodenseeseite. Dort hat sich gegen eine neue elektronische Variante Widerstand entwickelt. Das Angebot mit dem Namen «Echt-Bodensee-Card» wird seit Januar schrittweise eingeführt und ist mit einem RFID-Chip versehen. Weil mit dem Chip die Bewegungsprofile der Feriengäste aufgezeichnet werden könnten, werden Bedenken wegen des Datenschutzes geäussert. Im Internet wurde eine Homepage mit der Adresse «echt-bodensee-card-nein-danke.de» aufgeschaltet. Und der Verein Gastgeber Uhldingen-Mühlhofen kündigte an, sich mit einer Klage gegen die Einführung der Gästekarte zu wehren. (sda)