TOURISMUS: Das Schweigen der Kritiker

Keine Debatte, keine Fragen, dafür viel Lob für Frank Bumann: An der Vereinsversammlung von St. Gallen-Bodensee Tourismus war vom Wirbel um den Abgang des umstrittenen Direktors wenig zu spüren.

Claudia Schmid
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«Grosse Schaffenskraft»: Frank Bumann und Markus Isenrich. (Bild: Michel Canonica)

«Grosse Schaffenskraft»: Frank Bumann und Markus Isenrich. (Bild: Michel Canonica)

Claudia Schmid

ostschweiz@tagblatt.ch

Kein Exponent des Ostschweizer Tourismus war in den vergangenen Jahren so häufig und so heftig kritisiert worden wie der abtretende Direktor von St.Gallen-Bodensee Tourismus Frank Bumann. Doch an der gestrigen Vereinsversammlung hörte man vor allem eines: Lob und Dank. Bumann bedankte sich für das Vertrauen, das ihm in den viereinhalb Jahren als Tourismusdirektor entgegengebracht worden sei. Die Veränderungen, die er in dieser Zeit eingeleitet habe, hätten nicht allen Freude bereitet, erklärte er. Deshalb habe der eine oder andere Mitarbeitende seine Arbeitsstelle gekündigt. Er sei aber überzeugt, dass heute ein schlagkräftiges Team am Werk sei, welches auch mit einem neuen Tourismusdirektor hervorragende Arbeit leisten werde. Ein Tourismusdirektor müsse Profil zeigen. Deshalb habe er stets klar gesagt, was er zu tun gewillt sei und was nicht.

In der allgemeinen Umfrage ergriff einzig SGBT-Direktor Markus Isenrich das Wort. Er bezeichnete Bumann als ausgewiesenen Tourismusfachmann. «So sehr ich seine Überlegungen zur Kündigung auf Mitte Jahr verstehe, so tief bedauere ich seinen Weggang.» Die Zusammenarbeit sei stets von Vertrauen geprägt gewesen. Bumann habe die notwenigen Veränderungen an die Hand genommen und sei seinen Weg konsequent gegangen. «Das stösst fast zwangsläufig nicht immer auf Gegenliebe.»

Umfeld für die Branche bleibt turbulent

Dank der eindrücklichen unternehmerischen Leistung, die der scheidende Direktor erbracht habe, sei St.Gallen-Bodensee Tourismus heute gut aufgestellt. Er hinterlasse einen starken Leistungsausweis, der von grosser Schaffenskraft zeuge. Nach diesen Worten blieben weitere Wortmeldungen aus: Niemand aus der Versammlung mochte den Weggang oder die Suche nach einem neuen Tourismusdirektor kommentieren.

Die ordentlichen Traktanden schlugen ebenfalls keine hohen Wellen. «Das Berichtsjahr 2016 ist alles in allem gut verlaufen, doch sind auch neue Enttäuschungen nicht ausgeblieben», betonte Isenring. Er sprach an, dass die Politik die Zustimmung für die Abgabe von Gratis-ÖV-Tickets an Hotelgäste in der Stadt St.Gallen abgelehnt hat. Er bedauere sehr, dass die Chance nicht genutzt worden sei. Auch die Diskussionen rund um die Leistungsvereinbarungen mit Stadt und Kanton St.Gallen hätten nicht ans Ziel geführt werden können. Und schliesslich bereite die Ankündigung der SBB, sie würden den Vertrag für den Drittverkauf ihrer Tickets nicht verlängern, grosse Sorgen. Dies bringe die Tourist-Information Rorschach in existenzielle Bedrängnis.

Das Umfeld sei auch 2016 weiterhin turbulent gewesen, betonte Bumann in seinen Ausführungen zum Jahresbericht. Durch die Terroranschläge in Paris und Nizza sei der Reisemarkt verunsichert worden. «Dies wirkte sich auf den Überseemärkten mehrheitlich negativ aus, während sich im Heimatmarkt Schweiz schon ab dem Fruhjahr eine verstärkte Nachfrage abzeich- nete.»

Finanzielles Geschäftsjahr mit leichtem Plus

Die Zahl der Logiernächte sei dadurch um knapp zehn Prozent gestiegen und habe auch zu einem Rekordergebnis in den vergangenen Jahren geführt. «Diese Entwicklung ist umso erfreulicher, als dass sich der starke Schweizer Franken nach wie vor bremsend auf die Nachfrage in Europa auswirkt», erklärte der Tourismusdirektor. Zur Jahresrechnung vermerkte Markus Isenrich, dass das Geschäftsjahr 2016 dank der erfreulichen Entwicklung bei den Übernachtungen und den Gasttaxen mit einem leichten Plus von 2500 Franken abschliesse. «Nachdem das Jubiläumsjahr 2015 und die Investitionen in den neuen Standort an der Bankgasse zu einem Minusergebnis geführt haben, galt es 2016 einen strikten Budgetkurs zu verfolgen», erklärte Isenrich.

Der Budgetrahmen sei eng gesetzt gewesen, da die Leistungsvereinbarungen mit Stadt und Kanton inhaltlich nicht hätten verändert werden können. Im vergangenen Jahr stand auch die Fortführung des Kongressbüros zur Diskussion. Sie sei dank der Unterstützung des Kantons und der bestehenden Partner gesichert worden.

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