TOURISMUS: Beamer der Hoffnung

In Bad Ragaz hat heute ein aussergewöhnliches Lichtspektakel Premiere. Die Show in der Taminaschlucht soll den kränkelnden Tourismus in der Region ankurbeln.

Stephan Agnolazza
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Ausrüstung für eine halbe Million Franken eingekauft: das Lichtspektakel in der Taminaschlucht. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Ausrüstung für eine halbe Million Franken eingekauft: das Lichtspektakel in der Taminaschlucht. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Stephan Agnolazza

ostschweiz@tagblatt.ch

Nichts weniger als die «grösste natürliche Leinwand der Welt» verspricht Bad Ragaz diesen Sommer den Besuchern. Mit dem Projekt «Light Ragaz» will der Kurort ein neues touristisches Highlight in der Region etablieren. Dabei werden Lichter, Bilder und 3D-Effekte an die Felsen der Taminaschlucht projiziert. Start ist heute Dienstag, bis im September läuft die Show.

Dass das Projekt überhaupt umgesetzt werden kann, ist nicht selbstverständlich. Begonnen hatte alles mit dem Wettbewerb, welchen die St. Galler Kantonalbank anlässlich ihres 150. Geburtstages ausschrieb. Den Siegerprojekten winkten 100000 Franken. Bad Ragaz Tourismus entwarf daraufhin zusammen mit der Firma Projektil Medialabel eine Lichtshow mittels Projektionsmapping. Mit diesem Verfahren kann ein Projektor beliebig strukturierte Oberflächen angepasst beleuchten. «Wir fanden die Idee einfach grossartig und waren uns sicher, dass wir das beste Projekt eingebracht hatten», so Ilmer. Die SGKB sah das anders, die Ragazer gingen leer aus. «Wir waren sehr überrascht, dass es nicht geklappt hat.» Statt die Idee aber zu begraben, nahmen die Verantwortlichen die Sache selber in die Hand.

Die Suche nach dem nötigen Kleingeld

Zusammen mit Verantwortlichen des Tourismusentwicklungskonzeptes des Kantons sowie der Gemeinde sollte eine Möglichkeit gefunden werden, das Projekt umzusetzen. Doch dafür musste zuerst das nötige Kleingeld gefunden werden. Weil es sich bei den Projektoren um Hochleistungsbeamer handelt, deren Miete pro Abend und Stück um die 6000 Franken kosten, entschied man sich zu einem strategischen Investment: Die nötige Hardware wurde für rund eine halbe Million Franken eingekauft. Zusammen mit Geldern von Bund, Kanton, Gemeinde sowie verschiedenen privaten Geldgebern kam rund eine Million Franken als Anschubfinanzierung zusammen.

Geht es nach den Organisatoren, soll bereits im kommenden Jahr wieder eine Show in der Taminaschlucht stattfinden, gefolgt von einer Wintershow im Dorf. Auch eine Frühlingsshow ist angedacht. «Unser Ziel ist es, in Bad Ragaz rund sechs Monate im Jahr eine Show in unterschiedlicher Form anzubieten», erklärt Ilmer. Die Projektphase laufe jetzt mal bis 2020, dann sehe man weiter.

Trotz der Grösse sei das Projekt kaum auf negative Reaktionen gestossen, sagt Ilmer. «Die Beamer laufen ja nur während der Vorstellung, also je nach Anzahl Vorstellungen höchstens von 18 bis 22 Uhr. Am Tag und in der Nacht sieht und hört man davon nichts.» Aber auch finanziell sei man auf positive Resonanz gestossen. «Viele haben ohne lange Überlegungen einen Anteil am Projekt zugesagt», sagt Illmer. «Der Tenor ist eindeutig: Endlich wird wieder einmal in den Tourismus investiert!» Wenn der Leidensdruck zu hoch werde, sei man auch bereit, in neue Projekte zu investieren. Die Region leide seit Jahren an der sinkenden Anzahl von Logiernächten, nachhaltige Touristenattraktion seien deshalb hochwillkommen.

Noch kaum Tickets verkauft

Trotz des aussergewöhnlichen Ortes und der technischen Raffinesse des Projekts muss sich Light Ragaz die Gunst des Publikums erst noch verdienen. Ein Blick in die aktuell verfügbaren Tickets zeigt: Hier ist noch kaum etwas verkauft. Rosa Ilmer bleibt aber optimistisch: «Eine solche Vorstellung kann man nicht mit einem Konzert oder einem Theater vergleichen, dessen Tickets man sich Monate im Voraus holt. Ähnliche Projekte wie jenes auf der Lenzerheide zeigen: Die Leute kommen spontan, Tickets werden selten vorbestellt.» Überrascht, aber gerade auch deshalb so optimistisch, sei man wegen des grossen Medienechos, welches Light Ragaz ausgelöst habe. Mehrere Zeitungen und Fernsehstationen seien schon da gewesen, um vorgängig darüber zu berichten. «Schliesslich ist es in dieser Form und Grösse eine Weltneuheit und insgesamt einfach eine unglaublich faszinierende Geschichte», so Ilmer stolz. Sehen das die Gäste ebenso, dürfte der Plan der Ragazer aufgehen.

www.lightragaz.ch