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Totes Mädchen von Staad: Gericht schickt Eltern für fünf und sechs Jahre ins Gefängnis - Mutter verschleierte Todesursache

Ihre knapp zweijährige Tochter war tot im Keller des Elternhauses aufgefunden worden.
Nun muss die Mutter für sechs Jahre, der Vater für fünf Jahre wegen fahrlässiger Tötung ins Gefängnis.
Regula Weik
Im Drama um das tote Kleinkind von Staad gibt es ein Urteil. (Symbolbild: Getty)

Im Drama um das tote Kleinkind von Staad gibt es ein Urteil. (Symbolbild: Getty)

Für das Kreisgericht Rorschach ist erwiesen: Die 35-jährige Frau und der 55-jährige Mann sind für den Tod ihres gemeinsamen Kindes verantwortlich. Sie hätten die kleine Tochter dermassen vernachlässigt, dass sie starb. Drei Tage hatte der Prozess gegen die Eltern Ende November gedauert. Sie hatten jegliche Schuld von sich gewiesen. Er habe sich stets korrekt verhalten, hatte der Vater ausgesagt. Sie habe stets gut zu ihrer Tochter geschaut, hatte die Mutter betont. «Ich habe doch Mutterinstinkte. Ich weiss, was für mein Kind gut ist» (Ausgaben vom 28., 29. und 30. November).

Die knapp zweijährige Tochter der beiden war im Sommer 2015 tot im Keller ihres Elternhauses in Staad aufgefunden worden. Die Mutter hatte den Leichnam in einen Koffer gepackt und diesen im Keller versteckt.

«Das Verhalten der Eltern
war grob fahrlässig»


Reaktionen auf den Prozess machten deutlich: Das tote Kind und die Umstände seines Todes beschäftigen weite Teile der Bevölkerung. Dieser Fall sei auch für das Gericht «ein emotional belastendes Verfahren, dem es mit einer gewissen Fassungslosigkeit begegne», schreibt das Kreisgericht Rorschach in einer Medienmitteilung. Und weiter: «Wie ist es möglich, dass mitten im Dorf ein Kind, unbeachtet von der Umgebung, über längere Zeit vernachlässigt wird, ohne dass ­jemand einschreitet?» Dies, obwohl der Mutter bereits die Obhut für zwei ältere Kinder entzogen worden war. «Fragen, die nicht durch das Gericht zu beantworten sind.»

Den Eltern könne zwar nicht unterstellt werden, vorsätzlich den Tod der Tochter verursacht zu haben; ihr Verhalten sei aber grob fahrlässig gewesen. Die Mutter habe Hinweise, mit der Entwicklung ihrer Tochter stimme etwas nicht, ignoriert und ihren Lebensstil unverändert fortgeführt. Sie habe in Kauf genommen, das Kind durch ihren Kokainkonsum während der Schwangerschaft und der Stillzeit gesundheitlich zu gefährden. Nachdem der Vater die Arbeitsstelle verloren hatte, habe sich die Situation im Haushalt der Verurteilten verschärft. Die Eltern hätten ihren Kokainkonsum gesteigert – und die Vernachlässigung der Tochter habe sich verschärft.

«Die Mutter errichtete
ein Lügengebäude»


Nach Auffassung des Gerichts starb das Mädchen Anfang Juli 2015 – an einem brütend heissen Sommertag. Sein Kreislauf habe kollabiert; er sei als Folge der schweren Vernachlässigung geschwächt gewesen. Die Mutter habe das Kind tot im Bett aufgefunden – und geschwiegen. Sie habe niemanden informiert, auch den Vater nicht. Sie habe das gesamte Umfeld getäuscht und ein «eigentliches Lügengebäude» errichtet. «Sie hat damit die Umstände, die zum Tod des Kindes geführt haben, kaschieren wollen.» So habe sie eine zeitnahe Obduktion verhindern können. Die Verteidigerin der Mutter hatte denn auch argumentiert, die Todesursache des Kindes sei nicht geklärt – und könne wohl auch nie geklärt werden. Es sei deshalb fraglich, ob sein Tod vermeidbar gewesen wäre.

Das Kreisgericht Rorschach hat die Eltern gestern wegen fahrlässiger Tötung, Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gesprochen. Die Mutter muss für sechs Jahre ins Gefängnis, der Vater für fünf Jahre. Die Urteile des Gerichts sind milder ausgefallen, als die beantragten Strafen der Staatsanwaltschaft. Sie hatte für die Mutter eine Freiheitsstrafe von 10,5 Jahren gefordert, für den Vater eine solche von 8 Jahren. Die Verteidigung hatte für beide Freisprüche verlangt. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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