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Tote Schafe im Thurgau: Speichelproben überführen den Wolf als Täter

Vor rund eineinhalb Monaten sind auf einer Weide bei Berg im Kanton Thurgau mehrere gerissene und verletzte Schafe aufgefunden worden. Jetzt steht das fest, was schon damals vermutet worden war: Für die Risse war ein Wolf verantwortlich.
Ida Sandl
Der Wolf ist zurück im Thurgau und hat ein weiteres Mal zugeschlagen. (Archivbild: Keystone)

Der Wolf ist zurück im Thurgau und hat ein weiteres Mal zugeschlagen. (Archivbild: Keystone)

Vier Schafe hat er selbst getötet, vier weitere so schwer verletzt, dass sie getötet werden mussten. Jetzt steht fest, es war ein Wolf, der Ende November am Ottenberg bei Berg in eine umzäunte Weide eingebrochen ist. Und – auch das zeigt die DNA – er ist italienischer Abstammung.

Speichelproben überführen den Wolf

Vielleicht ist es dasselbe Tier, das am 5. Dezember im St. Gallischen Muolen bei Amriswil vier Schafe gerissen hat. Fünf Tage später wurde ein weiteres Schaf tot auf einer Weide aufgefunden, diesmal in Oberriet im Rheintal. Erst vor wenigen Tagen ist in Liechtenstein ein Wolf in eine Fotofalle getappt. Theoretisch könnte ein einzelner Wolf diese Distanzen zurücklegen. Es können aber auch mehrere Wölfe unterwegs sein, meint der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwalter Roman Kistler. Die individuelle DNA müsse noch ausgewertet werden. Das geschieht wieder an der Uni Lausanne und werde ein paar Wochen dauern. Eine DNA-Analyse koste mehrere hundert Franken.

Der Wolf ist damit zum zweiten Mal innerhalb von 18 Monaten in den Thurgau zurückgekehrt, in dem er vor 200 Jahren heimisch war. Februar und März 2017 wurden im Raum Hohentannen und in der Region Uesslingen gerissene Schafe gefunden. Für Kistler ist klar: «Wir werden wieder mit dem Wolf leben müssen.»

SVP-Kantonsrat setzt sich für Schafhalter ein

Das sind schlechte Nachrichten für die Schafzüchter. Bei ihnen geht die Angst vor dem Raubtier um. Urs Schär, SVP-Kantonsrat aus Eggethof bei Langrickenbach hat deshalb eine Einfache Anfrage eingereicht. Ihm geht es vor allem darum, dass der Kanton sich mit dem Thema auseinandersetzt. Er will auch erreichen, dass Schafzüchter angemessen entschädigt werden. Für die gerissenen Schafe zahlen Bund und Kanton gemeinsam einen Beitrag. Der variiert sehr stark, je nachdem wie alt das Tier war oder ob es sich um ein Zuchtschaf handelt.

250 Franken für ein Lamm bis zu drei Monaten

Der Schweizerische Schafzuchtverband hat Richtlinien für Entschädigungen erstellt. Sie sind nicht verbindlich. Für ein Lamm bis zu drei Monaten müssten demnach 250 Franken gezahlt werden. Für ein zwei Jahre altes männliches Spitzentier bis zu 1200 Franken. Dazu kommen verschiedene Zuschläge. Die Entschädigung für die Schafe vom Ottenberg müsse erst noch mit dem betroffenen Landwirt ausgehandelt werden, sagt Kistler.

Die Weide am Ottenberg war eingezäunt, das hat die Schafe aber nicht vor dem Tod bewahrt. «Ein normales Maschengitter ist für den Wolf kein grosses Hindernis», erklärt Kistler. Am wichtigsten sei ein gut elektrifizierter Zaun, ohne Lücken. Wölfe sind geschützte Tiere, das heisst, sie dürfen nicht gejagt werden. Kantone können jedoch gemäss eidgenössischem Wolf-Konzept eine Abschussbewilligung für einzelne Wölfe erteilen, wenn sie grossen Schaden anrichten. Doch die Latte hängt hoch. Konkret müsste ein Wolf dann innerhalb eines Monats mindestens 25 Nutztiere töten.

Ein Sechser im Lotto fast wahrscheinlicher

Wie soll sich ein Mensch verhalten, wenn er einem Wolf begegnet? Kistler winkt ab: «Da ist die Chance auf einen Sechser im Lotto fast grösser.» Wölfe würden Menschen normalerweise ausweichen. Sollte jemand aber tatsächlich einem Wolf gegenüberstehen, dann gilt: Sich langsam zurückziehen. Auf keinen Fall auf das Tier zugehen.

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