Toleranz unter Jungen fördern

ALTSTÄTTEN/ST.GALLEN. Wenn an Schulen immer mehr Jugendliche unterschiedlicher Kulturen und Religionen zusammentreffen, kann dies zu Spannungen führen. Die Zeltstadt «Respect Camp» zeigt, dass Vorurteile und Gewalt falsche Wege sind, Probleme zu lösen.

Markus Rohner
Drucken
Teilen
Beni Müggler, Mitorganisator der Zeltstadt «Respect Camp», mit Diana Brednik, Betreuerin der teilnehmenden Jugendlichen. (Bild: Daniel Ammann)

Beni Müggler, Mitorganisator der Zeltstadt «Respect Camp», mit Diana Brednik, Betreuerin der teilnehmenden Jugendlichen. (Bild: Daniel Ammann)

Altstätten/St. Gallen. Nächste Woche wird auf dem St. Galler Klosterplatz eine ungewöhnliche Zeltstadt errichtet. Darin finden keine Touristen, Obdachlose oder Flüchtlinge Unterschlupf, sondern Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, die mit Fragen der Toleranz, der Gewalt, des Friedens und des Respekts gegenüber anderen Kulturen und Religionen konfrontiert werden. Drei Tage zuvor macht die gleiche Zeltstadt auf der Sportanlage Gesa in Altstätten halt. Das sagten Regierungsrätin Kathrin Hilber und zahlreiche Religionsvertreter am Montag in einer Pressekonferenz in der ökumenischen Kirche Halden.

«Respect Camp» heisst die Zeltstadt und hat zum Ziel, junge Menschen als Akteure gegen Gewalt im Alltag zu gewinnen und ihnen auf kreative Weise Informationen über Gewaltprävention und Friedensförderung zu vermitteln. «Mit diesem Camp soll bei Jugendlichen das Verständnis für fremde Kulturen und Religionen gefördert und ein Beitrag geleistet werden, Vorurteile gegenüber Fremden und Unbekannten abzubauen», sagt Mitorganisator Beni Müggler von der Fachstelle kirchliche Jugendarbeit des Bistums St. Gallen.

Vertrautes und Fremdes

Das Herzstück des Camps bildet ein Parcours mit sechs Stationen. An diesen sogenannten Trainingspoints können die Jugendlichen ihren Frust abbauen, Beziehungen pflegen, Kommunikation üben und Frieden stiften. Vor allem aber finden sie Antworten auf jene zwei Fragen, die uns alle im interkulturellen und -religiösen Zusammenleben immer wieder beschäftigen: «Wie viel Vertrautes brauchen wir? – Wie viel Fremdes ertragen wir?»

Das «Respect Camp» ist eine abgeänderte Form von «Peacecamp», einem Projekt der reformierten und katholischen Landeskirchen Aargau. In verschiedenen Kantonen haben seit der Gründung mehrere tausend Jugendliche an den Trainings zur Gewaltprävention und Förderung der Zivilcourage teilgenommen. Vor zwei Jahren zum ersten Mal auch in St. Gallen, als im Rahmen der interreligiösen Dialog- und Aktionswoche «ida» (siehe Kasten) die Friedenszelte auf dem Klosterplatz aufgestellt wurden.

Keine Indoktrination

Diana Berdnik, Studentin an der Pädagogischen Hochschule Rorschach, macht als angehende Primarlehrerin zum zweiten Mal als Betreuerin am «Respect Camp» mit. «Die Erfahrungen zeigen, dass junge Menschen auf fremde Kulturen und Religionen unterschiedlich reagieren.» Die einen hätten keine Berührungsängste und zeigten sich tolerant gegenüber Fremden, andere kämen mit Vorurteilen und Stereotypen. «Unser Ziel ist es, die Schüler in ein Gespräch zu verwickeln und sie zu animieren, Antworten auf gestellte Fragen zu geben – ohne dass wir Indoktrination betreiben», sagt Berdnik. Ziel soll es sein, Gemeinsames und Unterschiede verschiedener Kulturen und Religionen aufzuzeigen. Auf dem Parcours lernen die Jugendlichen, wie sie sich für interreligiösen Frieden einsetzen, Zivilcourage zeigen oder Streit schlichten können. «Wir wollen sie nicht in lammfromme Geschöpfe verwandeln», sagt Müggler, «aber sie sollen lernen, sich mit Fremden auseinanderzusetzen und gleichzeitig ihre eigene Meinung zu vertreten, zugleich aber auch Respekt zu zeigen gegenüber etwas, das ihnen nicht vertraut ist.»

Vertiefung im Schulunterricht

In St. Gallen werden vom 14. bis 17. September rund 900 Schüler aus 55 Schulklassen das «Respect Camp» besuchen – es sind noch Plätze für Klassen frei. In Altstätten sind es 850 Jugendliche aus 37 Schulklassen und vier Sportvereinen, die nach der Eröffnungsfeier vom 11. September das Camp am 12. und 13. nutzen werden.

Vor und nach dem Besuch der Zeltstadt werden die Oberstufenschüler in ihren Klassen das Thema «Gewalt und Frieden» in speziellen Lektionen vertiefen.

www.respect-camp.ch

Aktuelle Nachrichten