Zwinglipasshütte
Der Reiz des Leidens: Das war nach dem zweijährigen, coronabedingten Unterbruch die «Hötteträgete» 2022

Bei der 51. «Hötteträgete» tragen am Samstag, 25. Juni, 151 Mitglieder des SAC Toggenburg ab der Chreialp rund neun Tonnen Material zur 1999 Meter hoch gelegenen Zwinglipasshütte hinauf.

Beat Lanzendorfer
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Über sechs Tonnen Holz schleppten die SAC-Mitglieder hoch zur Zwinglipasshütte.

Über sechs Tonnen Holz schleppten die SAC-Mitglieder hoch zur Zwinglipasshütte.

Bild: Beat Lanzendorfer

Wer erfahren möchte, was den Reiz des Leidens ausmacht, sollte sich mit Teilnehmenden der «Hötteträgete» unterhalten.

Die Auswahl wäre gross. Am Samstag waren es 151 Personen, welche die Strapazen auf sich nahmen und ab der Chreialp rund neun Tonnen Material auf die Zwinglipasshütte trugen.

Keiner zu alt, ein Träger zu sein

Ob Gross oder Klein, ob Alt oder Jung, willkommen waren alle. Zwei, für die der jeweils letzte Samstag im Juni zu den Höhepunkten des Jahres zählt, sind der 85-jährige Hanspeter Steidle und der drei Jahre jüngere Ernst Naef. Beide kommen aus Ebnat-Kappel.

Das war die Hötteträgete 2022 auf die Zwinglipasshütte.
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Das war die Hötteträgete 2022 auf die Zwinglipasshütte.
Das war die Hötteträgete 2022 auf die Zwinglipasshütte.
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Das war die Hötteträgete 2022 auf die Zwinglipasshütte.

Bild: Beat Lanzendorfer

Ernst Naef sagte: «Das Mitmachen gehört für mich einfach dazu. Ich treffe mich hier mit alten Kameraden, mit denen ich früher Berg- und Skitouren unternommen habe, zudem ist es ein Dienst an der Allgemeinheit, das Material hier hochzutragen.» Der 82-Jährige ist seit 1960 Mitglied des SAC Toggenburg und wird die «Hötteträgete» so lange mitmachen, wie es die Gesundheit zulässt.

Hanspeter Steidle (links), Jahrgang 1937, und Ernst Naef, Jahrgang 1940, waren am Samstag die ältesten Teilnehmer.

Hanspeter Steidle (links), Jahrgang 1937, und Ernst Naef, Jahrgang 1940, waren am Samstag die ältesten Teilnehmer.

Bild: Beat Lanzendorfer

Für Hanspeter Steidle ist es ein «heiliger Tag», wenn er von der «Hötteträgete» spricht. «Wenn es irgendwie geht, bin ich immer dabei.» Mit seinen 85 Jahren hat er das Materialschleppen zwar der jüngeren Generation überlassen, den Tag auf 1999 Metern Höhe wolle er zusammen mit der SAC-Toggenburg-Familie aber trotzdem geniessen. Nebst dem Stolz ist es für beide eine Genugtuung, dabei gewesen zu sein. Eine Aussage, die auch von anderen Teilnehmenden zu hören war.

Melanie Kuratli ist seit einem Jahr Präsidentin

Dem SAC Toggenburg, der rund 1800 Mitglieder zählt, steht seit letztem Jahr die 40-jährige Melanie Kuratli vor. Sie hat das Präsidentenamt von Hanspeter Kalt übernommen. Im Gespräch sagte sie: «Wenn ich irgendwo unterwegs bin und erzähle, dass ich vom Toggenburg komme, erinnern sich viele an die ‹Hötteträgete›.»

SAC-Präsidentin Melanie Kuratli und Hüttenwart Hans Egli.

SAC-Präsidentin Melanie Kuratli und Hüttenwart Hans Egli.

Bild: Beat Lanzendorfer

Durch die grosse Medienpräsenz ist das kollektive Tragen mittlerweile schweizweit bekannt. Später sagte Kuratli in ihrer Ansprache: «Ich bin glücklich, dass ich heute endlich einmal vor euch stehen darf, in den vergangenen Monaten konnte ich euch leider nur schriftlich informieren.»

Da ist was dran, wegen Corona konnte die «Hötteträgete» zweimal nicht stattfinden, ebenso die letztjährige Hauptversammlung.

Der Hüttenwart ist ein Wetterprophet

Hüttenwart Hans Egli organisierte den Tag mit seinem Team generalstabsmässig. Am Vortag wurde das Holz ab Alp Tesel mit dem «Materialbähnli» zur Chreialp befördert. Am Tag selber wurde um 6 Uhr auf den Startknopf der Bahn gedrückt, damit das Material bereit war, wenn die Träger eintrafen.

Diese besammelten sich um 5.45 in Wildhaus, wurden mit Autos oder Kleinbussen zur Alp Tesel befördert, um dann den knapp einstündigen Fussmarsch zur Chreialp auf sich zu nehmen. Andere gingen den umgekehrten Weg, wenn sie bereits die Nacht in der Zwinglipasshütte verbrachten.

Oben angekommen, wird das Holz im Keller verstaut.

Oben angekommen, wird das Holz im Keller verstaut.

Bild: Beat Lanzendorfer

Der Hüttenwart scheint auch ein Wetterprophet zu sein. Er sagte mit einem Augenzwinkern: «Das jetzige Hüttenteam organisierte den Anlass zum elften Mal, einzig im Jahr 2014 war einmal schlechtes Wetter, da konnte ich aber nicht dabei sein.» Für den Samstag hatte er pünktlich die Sonne bestellt, nachdem er zu Beginn der Woche noch gezittert und schlecht geschlafen habe. Egli weiss auch zu berichten, dass die «Hötteträgete» nebst anderen Faktoren zur guten CO2-Bilanz der Zwinglipasshütte beitrage.

Nebst der Verpflegung, die alle Teilnehmenden zum Abschluss auf der Terrasse geniessen durften, gab es jeweils auch ein Geschenk. In diesem Jahr war es eine Mütze mit der Aufschrift «Hötteträgete 2022». Diese kommt spätestens dann zum Einsatz, wenn im oberen Toggenburg Schnee liegt und in der Zwinglipasshütte wieder Ruhe einkehrt.

Neun Tonnen Material hochgetragen

Bei der 51. «Hötteträgete» trugen die 151 Teilnehmenden 14 Ster Holz (das entspricht mehr als sechs Tonnen Holz), 500 Liter Bier, 300 Liter Panaché, 500 Liter Saft, 300 Liter Wein, 40 Liter Schnaps sowie Lebensmittel und weiteres Material den Berg hoch. Gesamthaft waren es rund neun Tonnen. (bl)