Zurück aus der Unterwelt – Ausstellung in Lichtensteigs Kellern ist beendet

Am Samstagabend fand die letzte Führung durch die Kunsthallen-­Unterwelt statt.

Michael Hug
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Nelly Büttikofer tanzte in einem Keller an der Hauptgasse. (Bild: Michael Hug)

Nelly Büttikofer tanzte in einem Keller an der Hauptgasse. (Bild: Michael Hug)

Wer wegen des Cüpli zur Finissage kam, kam zu früh. Noch eine letzte Führung durch die Unterwelt des Städtli musste erlitten werden. Dann war die zweiwöchige Ausstellung der Kunsthallen Toggenburg und mithin auch die dreizehnte «Arthur»-Geschichte.

Für diesen letzten Gang mussten, oder durften, die Finissagengäste noch ein Mal in die Keller hinuntersteigen, ob geführt oder selbst gewählt, ob mit oder ohne kaltem Schauder im Rücken. Denn gar mancher Keller, ungeahnt tief einst in den Boden des Lichtensteiger Nagelfluh gehauen, erschien finster bis dunkel, ja unheimlich gar. Und wenn nicht der Keller das Blut stocken liess, so doch manches Kunstwerk in ebendiesen.

Käser reduziert den Schein

Zum Beispiel das Werk «Schein» des St.Galler Künstlers Jan Käser, der auch schon an einer «Arthur» das Klösterli in Wattwil mit weissen Tüchern zu einem lebenden und optimistischen Objekt verwandelte. Käser reduzierte den «Schein» zu einem blossen Spiegelbild an der Decke des ehemaligen Schliessfächerraums der ehemaligen Bankfiliale der UBS (beziehungsweise deren Gründungsstätte). Der Schein des Geldes, orchestriert durch die sechs existierenden Schweizer-Franken-Scheine und einer simplen Kerze im völlig dunklen, schwarzen Raum. Schwarzgeld? Geldschein? Scheingeld? Warum hat die Nationalbank sechs Scheinwerte im Umlauf? Käser: «Weil das Wort Schein sechs Buchstaben hat.»

Oder Renato Müller, Multimediakünstler aus Wil. Er legt eine Leiche in den Keller eines Hauses an der Hintergasse. Auf den ersten Blick ist die Gestalt inmitten von Plastikabfall eine niedliche Puppe. Weggeworfen wie so vieles andere aus dem künstlichen Stoff Plastik. Doch die Puppe scheint zu atmen. Aufschrei! Ist es ein Menschenkind? Gerade geboren und gleich entsorgt? Müller: «Erinnern sie sich, woher die Sentenz ‹Eine Leiche im Keller haben› kommt.» Diese Geschichte wollen wir besser nicht hören – zu schaurig. Nur so viel verrät Müller: «Es hat etwas mit Ungetauften zu tun. Und das waren ja meistens Säuglinge.» Heutzutage ist die Leiche im Keller der Menschheit der Unrat, den sie liegenlässt.

Tanz der Lebendigen

Etwas mehr Leben in die Keller brachte während der allerletzten Führung die Tanzperformerin Nelly Büttikofer. Sie tanzte schweigend einen Tanz der Lebendigen im Keller eines Kleiderladens. Wo oben recht tote Kleider hingen, entsteht unten im gekalkten Nukleus neues Leben. Lebendig ist ebenso das Naturprodukt Bitumen, schilderte Karl Steffen vom Thurgauer Künstlertandem Steffenschöni: «Bitumen ist nie hart. Wenn man ihn erwärmt, wird er weicher und läuft davon.»

Steffenschöni demonstrierten dies in einem ehemaligen Heizungskeller, naheliegend. Der Bitumen wurde innert zwei Wochen mit zwei Wärmelampen hinweggeschmolzen. Die Assoziation: Hier wird Natur verbrannt, und zwar ziemlich sinnlos. Siehe Gletscher. Siehe Antarktis. Siehe Klimaerwärmung. Arthur #13 «Unterwelt» ist zurück aus dem Hades. Sie hinterlässt einen schaurigen Eindruck von der (Unter-)Welt, in der wir leben.