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Zwingli-Film feiert Premiere in Wattwil: Zurück ins Jahr 1519

Der Hauptdarsteller, die Produzentin und der Regisseur des Zwingli-Films diskutierten im Anschluss an die erste Aufführung im Toggenburg mit dem Publikum. Wer den Film sieht, macht eine Zeitreise und lernt Züritütsch.
Anina Rütsche
Zwingli sei endlich ins Toggenburg zurückgekehrt, sagt Peter Bötschi (ganz links), Leiter des Kino Passerelle. Hauptdarsteller Max Simonischek, Produzentin Anne Walser und Regisseur Stefan Haupt (von links) stellen sich an der Premiere den Fragen aus dem Publikum. (Bild: Christian Regg)

Zwingli sei endlich ins Toggenburg zurückgekehrt, sagt Peter Bötschi (ganz links), Leiter des Kino Passerelle. Hauptdarsteller Max Simonischek, Produzentin Anne Walser und Regisseur Stefan Haupt (von links) stellen sich an der Premiere den Fragen aus dem Publikum. (Bild: Christian Regg)

Nicht alle, die am Sonntagabend der Premiere des Zwingli-Films in Wattwil beiwohnen wollten, fanden einen Platz im Saal des Kinos Passerelle. Dessen Geschäftsführer Peter Bötschi musste viele Interessenten auf später vertrösten, denn der Anlass war komplett ausgebucht.

Der Andrang war so gross, dass die Warteschlange bis ins Freie reichte, und dies hatte einen guten Grund: An jenem Abend wurde zusätzlich zum Film ein Gespräch mit Vertretern der Crew geboten. Im Rahmen einer Premieren-Tour kam der 36-jährige Schauspieler Max Simonischek ins «Passerelle», der im Film den im Toggenburg aufgewachsenen Ulrich Zwingli verkörpert. Begleitet wurde er vom Regisseur Stefan Haupt und der Produzentin Anne Walser von der C-Films AG.

Doch bevor das Publikum seine Fragen an die Vertreter des Zwingli-Teams richten konnte, erwartete es gespannt die Filmvorführung. Peter Bötschi zeigte das rund zweistündige Werk ohne Unterbrechung. Dies ermöglichte es den Besucherinnen und Besuchern, voll und ganz ins Thema einzutauchen. Und schon befand man sich nicht mehr im Jahr 2019 in Wattwil, sondern anno 1519 in Zürich.

Wenn Ideen zur Gefahr werden

Der Dialekt-Film beginnt mit Zwinglis Reise nach Zürich. Der Priester tritt dort seine neue Stelle am Grossmünster an. Mit seinen mutigen Predigten gegen die Missstände der katholischen Kirche entfacht Zwingli bald heftige Diskussionen. Rasch werden diese Ideen zur Gefahr, und beinahe lösen sie einen Bürgerkrieg aus. Gleichzeitig beginnt im inneren Zirkel der Reformationsbewegung ein Machtkampf.

Parallel dazu verläuft die immer stärker aufflammende Liebesgeschichte zwischen Zwingli und Anna, einer jungen Witwe, gespielt von Sarah Sophia Meyer. Sie ist zunächst stark mit dem katholischen Glauben verbunden und erfährt im Verlauf der Zeit, was der Wandel zur Selbstbestimmung bedeutet. Als sich die Katholiken international zu formieren beginnen, wird die Beziehung von Zwingli und Anna auf eine harte Probe gestellt.

Die detailgetreuen Kulissen und Kostüme im Drama rund um den im Toggenburg geborenen Reformator imponieren. Was hier gezeigt wird, orientiert sich an historischen Überlieferungen und macht deutlich, wie weitreichend Zwinglis Lebenswerk ist. Auf der Website zum Film, welche unter anderem Auskunft über die Hintergründe gibt, heisst es denn auch:

«Was er tat, hat die Gesellschaft bis heute tiefgreifend verändert.»

Zwingli habe die Stadt Zürich und die bisherigen Werte in vergleichsweise kurzer Zeit auf den Kopf gestellt. «Mit messerscharfem Verstand sezierte er das religiöse und gesellschaftliche System, er prangerte Missstände an und hatte keine Angst, sich mit den Mächtigsten seiner Zeit anzulegen. Am Ende starb er, der Kriegsgegner, in einem Krieg, den er selber nicht verhindern konnte», steht im Beschrieb.

«Zwingli-Bild grundlegend verändert»

Gleich nach dem Abspann des Films folgte das Gespräch mit Max Simonischek, Stefan Haupt und Anne Walser. Der sichtlich begeisterte Kino-Leiter Peter Bötschi eröffnete es mit dem Hinweis, dass Zwingli nun endlich ins Toggenburg zurückgekehrt sei. Der Film habe sein Bild des Reformators grundlegend verändert, räumte Peter Bötschi ein. «Für mich war das früher ein recht verstaubtes Thema, doch nun bin ich begeistert von diesem Menschen, dessen Wirken nach wie vor aktuell ist.» Lachend fügte er an:

«Hätte ich vor 500 Jahren in Zürich gelebt, wäre ich wohl ein Anhänger von Zwingli geworden.»

Schauspieler Max Simonischek sagte, dass sein Ziel genau darin bestanden habe, den Leuten einen «neuen Zwingli» zu vermitteln, der greifbar und verständlich rüberkomme. Dass Zwingli ein wacher Geist gewesen sei, ein Versessener, der alles wissen wollte, bestätigte auch Regisseur Stefan Haupt. «Was Zwingli getan hat, ist bis heute von Bedeutung, und das hat mich im Verlauf der Recherchen extrem beeindruckt.» Anne Walser betonte, dass es ihr und der Firma C-Films AG bei all ihren Produktionen wichtig sei, mit nachhaltiger Wirkung verschiedene Ausschnitte aus der Schweizer Geschichte in bewegten Bildern festzuhalten.

Neutraler statt Toggenburger Dialekt

Anschliessend nahm sich die Crew eine Viertelstunde Zeit, um Fragen aus dem Publikum zu beantworten – dies, obwohl die drei unter Zeitdruck standen, weil sie am Sonntag mehrere Auftritte in verschiedenen Kinos zu absolvieren hatten. Die Möglichkeit zum Austausch wurde rege genutzt. Ein Gast wollte wissen, was Max Simonischek dazu bewegt habe, den Reformator darzustellen. Der Schauspieler sagte, dass er diejenigen Rollen am attraktivsten finde, bei denen er etwas lernen könne. Der Zwingli sei eine solche gewesen. «Am schönsten finde ich emotional aufwendige Szenen, und davon gab es hier zahlreiche in allen Facetten.»

Auf Anfrage löste die Produzentin nach Abschluss des offiziellen Teils ein Rätsel auf, das dem einen oder anderen Zuschauer aus dem Toggenburg aufgefallen sein dürfte. Denn wider Erwarten spricht Zwingli im Film nicht Toggenburger Mundart, sondern einen Dialekt, der stark nach Züridütsch tönt. Ein Experte vom schweizerdeutschen Wörterbuch Idiotikon habe geraten, ein möglichst neutrales Deutsch zu verwenden, und daran habe man sich orientiert. «Doch eigentlich wissen wir gar nicht, wie Zwingli wirklich redete», gibt Anne Walser zu bedenken. «Tonaufnahmen aus seiner Zeit existieren leider keine.»

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