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Spital Wattwil: Zur Einweihung gab’s eine Demo

Trotz der beabsichtigten Streichung der somatischen Akutbetten am Spital Wattwil wurde der neue Bettentrakt am Samstag feierlich eingeweiht. Redner aus dem Toggenburg kritisierten die Pläne des Kantons.
Martin Knoepfel
Die Regierungsräte Marc Mächler und Heidi Hanselmann sowie René Fiechter (CEO der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg) und Felix Sennhauser (VR-Präsident St. Galler Spitalverbunde) enthüllen die Inschrift über den Eingang zum Neubautrakt. (Bild: Ralph Ribi)

Die Regierungsräte Marc Mächler und Heidi Hanselmann sowie René Fiechter (CEO der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg) und Felix Sennhauser (VR-Präsident St. Galler Spitalverbunde) enthüllen die Inschrift über den Eingang zum Neubautrakt. (Bild: Ralph Ribi)

Zwei der drei Redner an der Feier betonten ihre Wurzeln im Toggenburg. Felix Sennhauser wies darauf hin, dass er Bürger von Lütisburg sei. Regierungsrätin Heidi Hanselmann unterstrich, dass ihre Mutter aus Krummenau stamme. Felix Sennhauser ist seit Freitag Präsident des Verwaltungsrats der St. Galler Spitalverbunde, welcher in fünf Landspitälern die Akutbetten streichen will. Zu diesen Spitälern zählt – mit einer Karenzfrist von zehn bis zwölf Jahren – Wattwil, wo am Samstag die feierliche Einweihung des neuen Bettentraktes angesetzt war. Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner begann denn auch seine Rede, indem er ein Blatt Papier – es stellte den Redetext in der Version vom Donnerstag dar – zerknüllt auf den Tisch warf.

Man habe nach der Spitalabstimmung von 2014 annehmen können, dass die Zukunft des Spitals Wattwil gesichert sei, sagte der Gemeindepräsident. In den letzten Jahren habe es neue Arbeitsplätze und Wohnungen im Toggenburg gegeben, weil man Investoren Perspektiven geboten habe. «Was sagt man Investoren heute?», fragte er. Ein Spital gehöre der Bevölkerung.

Verwaltungsratspräsident kritisiert Kritiker

Der Verwaltungsrat der Spitalverbunde müsse eine qualitativ gute und finanziell tragbare Versorgung sicherstellen. Das sagte Felix Sennhauser und kritisierte die Kritiker des Gremiums. Das Konzept des Verwaltungsrats sei kein Schildbürgerstreich, da über 600 Millionen Franken der vom Volk bewilligten Kredite für die Spitäler Grabs, St.Gallen und Uznach bestimmt seien. Diese Spitäler sollen erhalten bleiben, sagte Felix Sennhauser. Zudem sei das Konzept ein Vorschlag an die Adresse des Regierungsrats. Es brauche aber immer weniger Betten für akut somatische Patienten. Wenn Operationssäle wie in Wattwil zu 51 Prozent ausgelastet seien, sei das nicht rentabel.

Heidi Hanselmann begrüsst es, dass der Regierungsrat mehr Fakten haben will. Man solle die Argumente der Menschen in die Diskussion einfliessen lassen, findet sie. Der Neubau verkörpere Stärke und biete den Mitarbeitern ein gutes Umfeld, ist die Regierungsrätin überzeugt.

«Völlig surreale Situation»

Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner spricht zu den Demonstranten auf dem Platz vor dem Eingang zum Spital Wattwil. Die Leiter hält Schulratspräsident Norbert Stieger. (Bild: Martin Knoepfel)

Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner spricht zu den Demonstranten auf dem Platz vor dem Eingang zum Spital Wattwil. Die Leiter hält Schulratspräsident Norbert Stieger. (Bild: Martin Knoepfel)

Während Mitarbeiter des Spitals den Konferenzraum für den Apéro herrichteten, begann vor dem Haupteingang die Demonstration für das Spital Wattwil. Rund 200 Personen hatten sich dazu eingefunden. Von einer «völlig surrealen Situation» sprach Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner. Seit Jahrzehnten gebe es «mehr oder weniger hilflose Versuche, Spitäler gegen den Willen der Bevölkerung zu schliessen.» Man habe über 50 Millionen Franken investiert und zwei Tage vor der Einweihung eine Änderung der Strategie bekanntgegeben, kritisierte er. Dabei habe die St. Galler Bevölkerung 2014 mit dem Ja zum Baukredit gesagt, dass sie das Spital Wattwil für eine Generation erhalten wolle.

Dem Verwaltungsrat die rote Karte gezeigt

«Willkommen in Absurdistan», begrüsste Kantonsrat Mathias Müller (CVP, Lichtensteig) die Demonstranten. Heute schlage der Kanton die gleiche Lösung wie früher vor, kritisierte er. Man könne die Spezialitäten in Wattwil ausbauen, denn heute seien die Menschen mobil, forderte er.

Er hätte nie gedacht, dass er an einer Demonstration für den Erhalt des Spitals Wattwil reden müsse, sagte Kantonsrat Martin Sailer (SP, Unterwasser). Er kritisiert, dass das Konzept des Verwaltungsrats der Spitalverbunde nichts dazu sage, welche Spitäler schlecht arbeiteten.

René Fiechter, CEO des Spitalverbunds Fürstenland-Toggenburg, nutzte die Chance, um die Position des Verwaltungsrats der Spitalverbunde vor den Demonstranten zu verteidigen und erhielt höflichen Applaus. Der Status quo bringe existenzielle Probleme, sagte er. Dass verschiedene Operationen künftig ambulant statt stationäre durchgeführt werden müssten, koste die Spitalregion Millionen, hatte er zuvor an der Einweihung gesagt. Er hoffe, dass die Kontroverse nicht negative Konsequenzen bei den Patienten nach sich ziehe.

Personalverbände kritisieren Schliessung

Der VPOD (Verband des Personals der öffentlichen Dienste) sei entsetzt über die Versuche, ein Spital zu schliessen, das funktioniere. Der Verband werde wie vor zehn Jahren kämpfen, sagte die Vertreterin des VPOD. Der Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner sei empört, sagte die Geschäftsführerin der Ostschweizer Sektion. Mit der Schliessung spare man kein Geld. Wer das behaupte, streue dem Volk Sand in die Augen, kritisierte sie. Schliesslich zeigten die Demonstranten dem Verwaltungsrat die rote Karte. Solche hatte die frühere Kantonsrätin Clarisse Pellizzari (SP, Lichtensteig) mitgebracht und verteilt.

Die Pläne des Kantons stiessen auch bei Besuchern auf Kritik. «Die Versorgung in zentralen Spitälern ist der falsche Weg», sagte Ernst Bütikofer aus Wattwil und wies darauf hin, dass die Kosten in den Landspitälern tiefer seien. Für Erich Germann aus Wattwil will der Kanton die falschen Spitäler schliessen. «Auf der Achse Wil-St. Gallen-Altstätten würden drei statt fünf Spitäler reichen», sagte er. Auf dem Rundgang durchs Spital war dessen Zukunft immer wieder ein Thema in Gesprächen zwischen Besuchern und Spitalmitarbeitern.

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