Zum Job kam sie auf dem Thurweg, nun tritt Pionierin der Werkstatt Rosengarten ab

Rosmarie Altenburger hat den «Rosengarten» geprägt, Ende April wird sie pensioniert.

Kathrin Burri
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Rosmarie Altenburger neben im «Rosengarten» hergestellten Karten, eines der Werkstatterzeugnisse.

Rosmarie Altenburger neben im «Rosengarten» hergestellten Karten, eines der Werkstatterzeugnisse.

Bild: PD

Ende April ist es so weit: Rosmarie Altenburger, Werkstattleiterin des «Rosengarten», wird pensioniert. Sie schaut auf eine bewegte, erfreuliche Zeitspanne von 27 Jahren ihres Berufslebens zurück, die sie hier verbracht hat.

Die Zeit war geprägt von der Entwicklung des «Rosengarten» als kleine «geschützte Werkstatt» bis hin zur heutigen Werkstatt mit rund 100 Mitwirkenden, verschiedenen Produktionsgruppen, mit der Erweiterung im Nebengebäude, von Co-Leitung bis hin zur Einzelleitung. War es in Pionierzeiten, in Jahren des Wirtschaftseinbruches, in Zeiten von Neuausrichtung nach politischen Vorgaben, in Zeiten von Umbau und Zügeln, Rosmarie Altenburger hat die Geschichte der Werkstatt stets massgeblich mitgestaltet.

Sinnvolle Arbeit mit viel Gestaltungsfreiraum

Auf die Frage, wie denn genau so ein Arbeitstag aussehe, lacht Rosmarie Altenburger ihr unverwechselbares Lachen und sagt bescheiden:

«Also, du kommst am Morgen und schon ist es wieder Abend.»

Sagt’s, nimmt ihr Velo und fährt auch heute Abend – nach diesem Gespräch– wie so oft, nochmal schnell in ihr Büro. «Eins ist sicher», fügt sie an, «die Arbeit im Rosengarten ist sinnvoll und ich hatte in all den Jahren einen grossen Gestaltungsfreiraum.»

Und wie hat die ganze Rosengartengeschichte damals für die Fachfrau im Finanzbereich und alleinerziehende Mutter mit drei Kindern begonnen? «Genau genommen auf dem Thurweg mit dem Velo», erzählt sie. 1993 hat sie dort den damaligen Leiter der Werkstatt Josef Fröhli getroffen. Er habe einen Job für mich, meinte er. Rosmarie Altenburger hat ihn angenommen.

Zahlen jonglieren und Bewilligungen einholen

Obwohl das Schwergewicht der Arbeit aus Jonglieren mit Zahlen, dem Einholen von Bewilligungen, aus Verhandlungen bestand, ist die Arbeit im Rosengarten ebenso mit dem Mit-Leben, Mit-Denken und Mit-Sorgen für die Menschen, die dort ein- und ausgehen, verbunden.

Stetige Weiterbildung und ihr eigenes Gespür für Menschen, die aus der Norm zu fallen drohen, sei es im gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Rahmen, nutzte sie für ihr Wirken. Die Anforderung schienen ihr auf den Leib geschrieben zu sein. Ihr Sinn zu unterscheiden, was notwendig ist, was sofort erledigt und was warten kann, war passgenau mit der Aufbauphase der noch jungen Werkstatt, die im Mai 1993 eröffnete.

Als weiteres Puzzleteil kam dazu, dass sie ihre jungen Kinder oft mit in die Werkstatt nahm. Dies zeigt sich im Heute. Alle drei sind zurzeit in irgendeiner Funktion im Rosengarten angestellt, sei es in der Leitung einer Abteilung, in der Administration oder in der Betreuungsarbeit in der Aussengruppe.

Meilensteine im Berufsalltag

«Begonnen hat die Werkstatt mit der Begleitung von drei Mitarbeitenden, das Personal arbeitete überall mit, sei es in der Küche oder der Produktion», erinnert sich Rosmarie Altenburger an den Pioniergeist der Anfangszeit und das grosse Wachsen der Werkstatt in den nachfolgenden Jahren. Dies zog 2001 die Einführung des Qualitätsmanagements nach sich. «Mach einfach», wurde ihr auf die Reise nach Bern mitgegeben, wo sie die selbst konstruierte Qualitätsmanagement-Grundbasis vom Rosengarten beim Bundesamt für Sozialversicherungen vorstellte. Eine spannende und grosse Herausforderung sei dies gewesen; und von Erfolg gekrönt, sagt sie rückblickend.

2003 steigt sie in die Co-Leitung ein und seit 2005 leitet sie die Werkstatt in Eigenregie. Eine weitere «happige Aufgabe» sei 2010 die Vorgabe des Kantons gewesen den Individuellen Betreuungsbedarf pro Mitarbeitenden zu ermitteln. Diese Umsetzung schloss die eigene Haltung ein, was den Mitarbeitenden für einen gelingenden Arbeitsalltag zugetraut wird, samt dem Einbeziehen ihrer persönlichen Verletzlichkeit und der Reflexion und Dokumentation der effektiven Begleitarbeit.

Später übernahm Rosmarie Altenburger interimsmässig als Bereichsleitung Geschäftsstelle den Neuaufbau der neuen Geschäftsstelle des Trägervereins Chupferhammer.

Bedürfnisse der Mitarbeitenden

Rosmarie Altenburger ist dafür bekannt, dass sie sich mit Herzblut für die Bedürfnisse der Mitarbeitenden einsetzt. Im Werkstattalltag gilt, dass die Arbeit ein Grundrecht ist, wie eingeschränkt Mitarbeitende auch sind. «Und wenn mal weniger Aufträge bei uns eingehen, so muss die sogenannte «Schublädliarbeit» dienen, Arbeitsaufträge aller Art, beispielsweise im kreativen Bereich.

Es gehe dabei nicht nur um Produktion, sondern wie der Alltag gestaltet wird, wie mit Sorgen und Anliegen der Mitarbeitenden umgegangen werde. So hat sie zum Beispiel als Gefäss, um sich einbringen zu können, die Vollversammlung eingeführt. Aktuell setzt sie sich dafür ein, dass während der Coronazeit der Betrieb aufrechterhalten bleibt.

Die Leitung der Werkstatt wird am 1. Mai Ruth Camenisch übernehmen. Bereits seit Januar treffen sich die abtretende und die zukünftige Leiterin wöchentlich zum Austausch. «Ihr Fachwissen und ihre Art zu denken und zu handeln, bestärken mein Vertrauen, dass die wichtigen Grundwerte des Rosengartens auch in Zukunft erhalten bleiben», sagt Rosmarie Altenburger zuversichtlich.