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Serie

Das Jahr 2018 im Rückblick – Juni: Zum Fest gab es eine kalte Dusche

Wenige Tage vor der Einweihung des Neubaus des Spitals Wattwil kam die Hiobsbotschaft. Der Verwaltungsrat der St.Galler Spitalverbunde will fünf Landspitäler schliessen oder neu nutzen.
Martin Knoepfel
Am Tag der offenen Tür im Neubautrakt des Spitals Wattwil demonstrierten Gewerkschafter und Menschen aus der Region für den Erhalt des Spitals. (Bild: Ralph Ribi)

Am Tag der offenen Tür im Neubautrakt des Spitals Wattwil demonstrierten Gewerkschafter und Menschen aus der Region für den Erhalt des Spitals. (Bild: Ralph Ribi)

Noch selten lagen Vorfreude und Enttäuschung so eng beieinander. Am Samstag, 2. Juni, war die feierliche Einweihung des Neubautrakts im Spital Wattwil, verbunden mit einem Tag der offenen Türen, vorgesehen. Sie fand unter besonderen Umständen statt.

Am Donnerstag, 31. Mai, wurde bekannt, dass die Tage des Spitals in Wattwil möglicherweise gezählt sind. Dies, wenn der Vorschlag des Verwaltungsrats der St.Galler Spitalverbunde Realität wird. Er will aus finanziellen Motiven fünf Spitäler schliessen oder umnutzen. Es handelt sich um Häuser in Altstätten, Flawil, Rorschach, Walenstadt und Wattwil. Die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg (SRFT) soll stationäre Leistungen künftig nur noch in Wil anbieten.

Ende für das Akutspital frühestens zehn Jahre dem Entscheid für Wil

Das Spital Wil muss dazu neu gebaut werden. Die Verantwortlichen der SRFT sagen, dass das Ende für das Akutspital Wattwil frühestens zehn Jahre nach dem politischen Entscheid für einen Neubau in Wil kommen werde. Allerdings werden die fertiggestellten und noch zu realisierenden Neubauten in Wattwil dannzumal erst etwa zur Hälfte abgeschrieben sein. Der Verwaltungsrat sprach zur Begründung seines Plans von einem strukturellen Defizit von 70 Millionen Franken pro Jahr und davon, dass die Operationssäle in Wattwil nur zu 51 Prozent ausgelastet seien. Es handelt sich bei der Schliessung der fünf Landspitäler um einen Vorschlag des Verwaltungsrats zu Handen des Regierungsrats.

Über Spitalschliessung entscheidet der Kantonsrat. Eine Volksabstimmung ist nicht vorgesehen. In der Juni-Session des Kantonsrats sorgten die Pläne des Verwaltungsrats der Spitalverbunde ebenfalls für Kontroversen. Unter anderem wurde eine Spitalkommission gebildet, die es bisher nicht gab hat und die den Prozess begleiten soll.

Souverän sagte mit 78 Prozent-Mehrheit Ja

Am 30. November 2014 haben die St. Galler Stimmberechtigten fast eine Milliarde Franken für die kantonalen Spitäler bewilligt. Für Wattwil sind 85 Millionen Franken bestimmt. Der Spitalstandort Wattwil nehme in der kantonalen Netzwerkstrategie einen wichtigen Versorgungsauftrag wahr. Das steht in der Abstimmungsbotschaft der Regierung. Der Kredit für Wattwil erhielt damals fast 78 Prozent Ja-Stimmen.

Die 2014 bewilligten Ausbauten und Sanierungen am Spital Wattwil werden trotz der drohenden Stilllegung weitergeführt. Das bestätigten Vertreter der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg gegenüber dem «Toggenburger Tagblatt». Zu den künftigen Nutzungen der Gebäude wurden bisher erst einige wenig konkrete Ideen bekannt. Erwähnt wurde etwa eine ambulante Nutzung in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten. Keine klaren Antworten gab es auf die Frage, wie viele Stellen die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg in Wattwil abbauen oder streichen und nach Wil verschieben wolle.

Deutliche Kritik aus dem Toggenburg

Die Toggenburger Parteien kritisierten die Idee, das Spital Wattwil zu schliessen, scharf. «Grosses Unverständnis» über den Vorschlag bekundete die CVP, die darin eine «Ohrfeige» ans Toggenburg sieht. Die FDP betonte, dass gute Angebote im Bildungs- und im Gesundheitswesen sowie eine gute Verkehrserschliessung für die Standortattraktivität zentral seien. Von einem «Affront» und von einem Schildbürgerstreich sprach die SP. Die SVP schrieb, dass der Regierungsrat mit seiner Strategie Schiffbruch erlitten habe. Sie forderte, dass der Kanton ländliche Regionen nicht von der Gesundheitsversorgung abhängen dürfe. Auch Toggenburger Kantonsräte verhehlten ihr Unverständnis angesichts der Pläne für Spitalschliessungen nicht.

Die Gemeinde Wattwil zeigte sich sehr befremdet von den Vorschlägen und sprach von einem «Kahlschlag», den sie nicht akzeptieren werde. Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner sprach von einer «völlig surrealen Situation» und erinnerte daran, dass es im Toggenburg in den letzten Jahren neue Arbeitsplätze und Wohnungen gegeben habe, weil man Investoren habe Perspektiven bieten können. Nach der feierlichen Einweihung des Neubautrakts am Samstag, 4. Juni, ging es vor dem Spital mit einer Demonstration gegen die Schliessung weiter. Personalverbände hatten dazu aufgerufen. Rund 200 Personen nahmen daran teil. Die Demonstranten zeigten dem Verwaltungsrat der Spitalverbunde die rote Karte. Damit war der Widerstand aber nicht erloschen. Wenige Tage später lancierte der Förderverein Regionalspital eine Petition gegen die Schliessung des Spitals Wattwil.

Zahlreiche Besucher, darunter viele Familien mit Kindern, benutzten den Tag der offenen Tür, um auf einem Rundgang den Neubautrakt zu erkunden. Die Mitarbeiter des Spitals gaben sich grosse Mühe, um an den einzelnen Posten ihre Tätigkeiten auf für Laien verständlich zu erklären.

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