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Advents-Serie Folge 1: «Zum Christbaumloben gehört ein Schnäpsle»

Verschiedene Traditionen prägen die Advents- und Weihnachtszeit. Doch nicht in jedem Land und in jeder Familie wird auf die gleiche Weise gefeiert. Im Rahmen dieser Serie erzählen Menschen aus aller Welt ihre persönliche Weihnachtsgeschichte. Den Anfang macht Katrin Blome, die in Baden-Württemberg aufgewachsen ist.

Aufgezeichnet von Beat Lanzendorfer
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Katrin Blome hat nichts dagegen, wenn die Gähwiler den Brauch des Christbaumlobens übernehmen – Schnäpsle inklusive. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Katrin Blome hat nichts dagegen, wenn die Gähwiler den Brauch des Christbaumlobens übernehmen – Schnäpsle inklusive. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Ich bin in Krummhardt aufgewachsen, das etwa 8000 Einwohner hat und zur Gemeinde Aichwald gehört. Vielleicht gefällt es mir in Gähwil deshalb so gut, weil die Verhältnisse hier durchaus mit meiner ehemaligen Heimat in Baden-Württemberg vergleichbar sind.

An Weihnachten habe ich schöne Erinnerungen. Mein Vater ist mit uns Kindern am Heiligen Abend jeweils die zwei Kilometer ins Nachbardorf gelaufen, um den Gottesdienst zu besuchen. Nach der Rückkehr mussten wir auf der Treppe warten, bis wir das Glöcklein läuten hörten. Erst dann durften wir die Stube betreten, in der die Bescherung auf uns wartete. Vorbereitet hatte sie unsere Mutter. Zum Essen gab es jeweils Kartoffelsalat mit Kalbsbratwürsten. Das ist übrigens in vielen Haushalten in Deutschland heute noch so.

Auch lobende Worte für hässliche Bäume

Aus den Tagen danach kommt mir ein Weihnachtsbrauch in den Sinn, der bei uns «Christbaumloben» hiess und noch heute gepflegt wird. Wenn man mit der Familie zu Freunden und Bekannten oder zu Nachbarn geht und dann den Christbaum sieht, findet man für diesen nur lobende Worte. Übrigens auch dann, wenn das Bäumchen krumm und hässlich ist. Selbstverständlich gehören immer Übertreibung und ein Schuss Ironie dazu. Und auch noch etwas anderes: Die Belohnung in Form eines Schnäpsle. Bei vielen Besuchen kommt bis am Abend schon einiges hinzu.

Meine Eltern, die noch immer in Krummhardt wohnen, zelebrieren den Brauch übrigens heute noch. Weil ich als Pastoralassistentin an Weihnachten arbeiten muss, bleiben wir über die Festtage in Gähwil. Ich überlege mir, ob man den Brauch nicht eventuell hierher tragen könnte – wäre doch eine gute Sache. Ich und mein Mann – er kommt übrigens aus dem Norden von Deutschland, wo es einen ähnlichen Brauch gibt – haben uns hier prächtig eingelebt, auch kulinarisch. Ich habe mir sagen lassen, dass in der Schweiz ganz viele Menschen an Weihnachten Fondue Bourguignonne oder Fondue Chinoise essen. Wir hingegen gönnen uns am Heiligen Abend ein Käsefondue. Ich freue mich auf die besinnlichen Tage.

Von Deutschland über Davos nach Gähwil

Katrin Blome hat am 1. August 2017 ihre Tätigkeit als Pastoralassistentin in Gähwil aufgenommen. Die 34-Jährige wohnt mit Ehemann Olaf im Pfarrhaus und hat via Davos den Weg ins Toggenburg gefunden. Aufgewachsen ist sie in Krummhardt, das zur Gemeinde Aichwald gehört und mit ihren fünf Dörfern ähnlich strukturiert ist wie Kirchberg. Auch deren Einwohnerzahl (8000) ist mit jener ihrer jetzigen Wohngemeinde vergleichbar. (bl)

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