Interview

«Zuerst die vorhandenen Betten füllen»: Neue Tourismus-Managerin will das Neckertal fördern

Tourismus-Managerin Sandra Vetsch-Bischofberger findet das touristische Angebot im Neckertal zwar gut, aber ausbaufähig.

Urs M. Hemm
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Sandra Vetsch-Bischofberger, neue Tourismus-Managerin Neckertal.

Sandra Vetsch-Bischofberger, neue Tourismus-Managerin Neckertal.

(Bild: Urs M. Hemm)

Im vergangenen Jahr wurde der Verein Neckertal Tourismus aufgelöst und dessen Aufgaben an Toggenburg Tourismus übergeben. Um die Leistungen von Toggenburg Tourismus im Neckertal optimal erbringen zu können, wurde eine Geschäftsstelle mit 20 Stellenprozent im Neckertal geschaffen.

Das Toggenburger Tagblatt hat mit der neuen Tourismus-Managerin Neckertal, Sandra Vetsch-Bischofberger, über das touristische Potenzial des Tals und über erste Massnahmen, wie mehr Gäste angelockt werden könnten, gesprochen.

Wie beurteilen Sie nach einer ersten Einschätzung das touristische Angebot des Neckertals?

Sandra Vetsch-Bischofberger: Ein gutes touristisches Angebot ist sicherlich bereits vorhanden. Doch es gibt noch Potenzial, das wir ausbauen können.

Wo genau sehen Sie zurzeit dieses Potenzial?

Chancen sehe ich beispielsweise in buchbaren Gruppenangeboten, mit welchen wir noch mehr Gäste fürs Toggenburg und insbesondere fürs Neckertal begeistern können. Denn wir haben hier viele schöne Aussichtspunkte und Ecken, die es lohnt, zu entdecken. Zudem ist der Baumwipfelpfad Neckertal ein schweizweit einzigartiges Projekt, das bereits weit über die Grenzen der Region hinaus positiv ausstrahlt. Ausbaufähig ist sicherlich auch unsere Unterstützung für die Leistungsträger, um ihre Angebote auf geeigneten Kanälen einem grösseren Publikum bekannt zu machen.

Der Baumwipfelpfad in Mogelsberg ist ein wichtiger Eckpfeiler des touristischen Angebots im Neckertal.

Der Baumwipfelpfad in Mogelsberg ist ein wichtiger Eckpfeiler des touristischen Angebots im Neckertal.

Bild: Urs M. Hemm (7. Januar 2019)

Wo setzen Sie denn jetzt Ihre Schwerpunkte?

Das ist zum einen die Integration der Website von Neckertal Tourismus in diejenige von Toggenburg Tourismus. Denn wir wollen die ganze touristische Kraft, die wir haben, bündeln und uns nicht mehr mit separaten Auftritten selber schwächen. Da bin ich zurzeit intensiv damit beschäftigt alle Daten zu kontrollieren, anzupassen und zu aktualisieren, damit alle Adressen und Ansprechpersonen korrekt sind. Zum anderen suche ich natürlich das Gespräch mit dem ehemaligen Vorstand von Neckertal Tourismus, damit eine saubere Übergabe stattfinden kann. Darüber hinaus möchte ich mich baldmöglichst auch mit Vertretern der verschiedenen Verkehrsvereine treffen, denn erfolgreich können wir nur miteinander sein. Weiter werden erste Ideen für buchbare Gruppenangebote ausgearbeitet.

Wo sehen Sie künftig die Rolle der lokalen Verkehrsvereine in der Zusammenarbeit mit Toggenburg Tourismus?

An der Arbeit und an den Aufgaben der Verkehrsvereine wird sich künftig nichts ändern – sie wirken mehrheitlich vor Ort und gegen innen. Meine Aufgabe wird es sein, als Bindeglied zwischen den Verkehrsvereinen und Toggenburg Tourismus zu agieren, den Kontakt und den Austausch zu pflegen. Dies gilt insbesondere dann, wenn es beispielsweise darum geht, Veranstaltungen der Verkehrsvereine im Veranstaltungskalender, in Broschüren, in den Gäste-Tipps zu veröffentlichen oder über Social Media-Kanäle von Toggenburg Tourismus einem noch breiteren Publikum zugänglich zu machen. Daher ist der Austausch wichtig, dass wir regelmässig während des Jahres in Kontakt stehen, uns aber auch einmal im Jahr zur Klärung von grundsätzlichen Fragen treffen. Toggenburg Tourismus kann aber auch in anderen Bereichen Unterstützung bieten. Ich denke dabei vor allem an die Gestaltung von Flyern oder Broschüren. Aufdrängen wollen wir uns nicht. Die Verkehrsvereine sollen selbstständig bleiben, da sie in den Dörfern verankert sind. Wenn sie uns jedoch brauchen, sind wir für sie da.

Sie sind also das Bindeglied zwischen den örtlichen Verkehrsvereinen und Toggenburg Tourismus. Worin bestehen Ihre Aufgaben ganz konkret?

Ein Teil ist sicherlich das Weiterleiten von Angeboten im Neckertal, damit diese von Toggenburg Tourismus auf den geeigneten Kanälen vermarktet werden. Ein anderer Teil beinhaltet aber auch die Gestaltung von Angeboten, indem wir beispielsweise bereits bestehende Angebote von Leistungsträgern versuchen zu verbinden und so für Gruppen ein attraktives Halbtages- oder Tagesprogramm zusammenstellen können. Für uns ist es einfach wichtig, dass uns die Leistungsträger ihre Angebote jeweils rechtzeitig mitteilen.

Sehen Sie hier auch eine Schwachstelle in der bisherigen Vermarktung von touristischen Angeboten?

Das ist für mich zum jetzigen Zeitpunkt schwierig zu beurteilen. Vielleicht liegt es ja einfach daran, dass die Leistungsträger bisher gar nicht wussten, was sie alles Toggenburg Tourismus melden können und an wen sie sich wenden müssen. Ob es wirklich daran liegt, müssen die Gespräche mit den Leistungsträgern zeigen. Ich glaube nicht, dass sich jemand bewusst gegen eine professionelle Vermarktung seines Produkts sträubt. Hier wird es meine Aufgabe sein, die Vorteile einer Vermarktung von Angeboten über Toggenburg Tourismus aufzuzeigen.

Besteht aber nicht auch die Gefahr, dass bei einer weitgestreuten Vermarktung des Neckertals zu viele Gäste kommen?

Es ist wahr, dass die Gäste des Neckertals vor allem Ruhe und Erholung in der fast unberührten Natur suchen. Wenn zu viele Gäste hier wären, würde das natürlich schwierig. Ich glaube aber nicht, dass das Neckertal durch unsere Werbung von Feriengästen gleich überrannt werden wird. Unser Ziel sollte aber sein, dass die bestehenden und auch künftigen Angebote so gebucht werden, dass es sich für Leistungsträger lohnt. Dies umso mehr, als für manche Leistungsträger die Einnahmen aus ihren touristischen Angeboten ihr Einkommen ergänzt.

Zwar ist in Mogelsberg ein neues Resorthotel geplant, bis zur Realisierung könnte das Bettenangebot für Übernachtungsgäste aber ein Problem sein. Wie wollen Sie gegen den Bettenmangel im Neckertal vorgehen?

Unser Ziel muss sein, zuerst einmal die Betten zu füllen, die wir hier haben. Mit Bed & Breakfast-Angeboten, Ferienwohnungen und -heimen, Schlafen im Stroh und anderen Übernachtungsmöglichkeiten sind wir ganz gut aufgestellt. Sollte beispielsweise während eines grossen Events einmal die Nachfrage so gross sein, dass wir tatsächlich nicht mehr genug Betten haben, müssen wir uns darüber Gedanken machen, wo wir mehr Betten schaffen können. Vielleicht hat es Ferienwohnungen, welche die meiste Zeit des Jahres leer stehen und die wir besser nutzen können. Oder es gibt Landwirte, die Zimmer vermieten könnten. Oft haben die Leistungsträger gute Ideen, die es dann weiterzuverfolgen und zu konkretisieren gilt. Hier liegt es auch an mir, den Kontakt zu suchen und Unterstützung anzubieten.

Ihre Stelle als Tourismus-Managerin Neckertal ist mit 20 Prozent dotiert. Reicht nach Ihren ersten Erfahrungen dieses Pensum aus?

Im Moment ist es ausreichend, ja. Das liegt auch daran, dass ich mir die 20 Prozent selbst einteilen kann. Die 20 Prozent verteilen sich ja auf das ganze Jahr. Es wird Wochen geben, da reichen zwei Stunden aus, weil es nur wenige Anfragen gibt, in anderen Wochen hingegen wird es mehr Einsatz brauchen. Sollte sich jedoch herausstellen, dass grundsätzlich mehr Zeitaufwand nötig ist, müsste das im Gespräch mit den Gemeinden erörtert werden. Die Vereinbarungen zwischen Toggenburg Tourismus und den Gemeinden Neckertal, Hemberg, Oberhelfenschwil und Schönengrund sind vorerst auf drei Jahre ausgelegt und werden dann sicher gesamthaft beurteilt.

Das obere Toggenburg konzentriert sich auf das Thema Klang, im mittleren Toggenburg wird die Kulinarik forciert und rund um den Baumwipfelpfad, also im Neckertal, will Toggenburg Tourismus das Holz ins Zentrum rücken. Habe Sie diesbezüglich schon Ideen?

Das ist sicherlich eine Aufgabe, mit der ich mich jetzt beschäftigen muss. Ich habe bereits Ideen, wie ich das Thema Holz, beispielsweise bei Gruppenangeboten, einbinden möchte. Eine Möglichkeit könnte sein, etwas selbst aus Holz herzustellen, was die Gäste dann auch als Erinnerung mit nach Hause nehmen könnten.

In welcher Beziehung stehen Sie zum Neckertal?

Ich bin in Wald-Schönengrund, oben auf der Chäseren aufgewachsen. Dort habe ich meine Kindheit und meine Jugendzeit verbracht. Insofern kenne ich das Neckertal sehr gut.

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