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Zu laut und nicht wirtschaftlich: Verein will Windräder oberhalb von Krinau mit einem eigenen Gutachten verhindern

Der Verein Älpli Gegenwind will die auf dem Älpli oberhalb Krinau geplanten Windräder verhindern. Ein Ingenieur soll dabei helfen.
Ruben Schönenberger
Wie laut wird es bei meinem Haus? Auf einer Karte informieren sich die Besucherinnen und Besucher der Infoveranstaltung. (Bild: Ruben Schönenberger)

Wie laut wird es bei meinem Haus? Auf einer Karte informieren sich die Besucherinnen und Besucher der Infoveranstaltung. (Bild: Ruben Schönenberger)

Die geplanten Windenergieanlagen auf dem Älpli ob Krinau geben schon so lange zu reden, dass mittlerweile fast alle Metaphern zur Anwendung kamen.

«Frischen Wind» gebe es bald, sagt die eine Seite und «will den Gegnern den Wind aus den Segeln nehmen». Der Windkraft «droht die Flaute», weil sie polarisiert, hofft die andere Seite.

Ingenieur präsentiert abweichendes Gutachten

Diskutiert werden wird wohl weiterhin, das wurde am Infoanlass des Vereins Älpli Gegenwind vom Mittwochabend klar. Die Gegner der geplanten Anlage auf dem Älpli hatten zur Präsentation von Studienergebnissen in den Wattwiler Thurpark geladen. Vorgestellt wurden diese von Martin Sortmann. Der diplomierte Ingenieur, der «eher zufällig» in diesem Thema gelandet sei, hat diverse Vereinigungen beraten, die sich gegen Windenergieanlagen gewehrt haben. So erstellte er beispielsweise beim mittlerweile versenkten Projekt in Honegg (AI) Lärm- und Windgutachten.

Für «Älpli Gegenwind» erstellte er einerseits ein Gutachten zum erwartbaren Lärm, andererseits eines zur Wirtschaftlichkeit der geplanten Anlage. Um darauf einzuleiten, gab Sortmann einen Einblick in die Lärmschutzverordnung und verschiedene Studienergebnisse. Er kritisierte dabei insbesondere eine Norm, die für die Berechnung der Schallausbreitung verwendet wird. Diese sei für einen sogenannten Gültigkeitsbereich ausgelegt, der für Windenergieanlagen nicht geeignet sei. Dadurch könne diese Norm nicht herangezogen werden.

Grenzwerte teilweise massiv überschritten

Eine Anpassung der Messgrundlagen führe dazu, dass bei etlichen Wohnungen in der Nähe der geplanten Anlage die Lärmschutzgrenzwerte überschritten würden, teilweise massiv. Sortmann zeigte dies auch anhand einer eingefärbten Grafik. Auf dieser zeigte sich auch, dass das Problem vor allem für Krinau entstünde. In Libingen, das auf der anderen Seite der geplanten Anlage liegt, würde der Lärm zwar zunehmen, Grenzwerte würden aber eher nicht überschritten.

Die Überschreitung bei einem Teil des betroffenen Gebiets führe allerdings dazu, dass die Leistung reduziert werden müsste. Doch selbst bei einer Reduktion um einen Drittel der möglichen Leistung wäre das Problem gemäss Sortmann nicht völlig ausgemerzt.

Wirtschaftlichkeit in Frage gestellt

Eine Leistungsreduktion hätte zudem wirtschaftliche Einbussen zur Folge. Auf diese kam Sortmann im zweiten Teil zu sprechen. Die Wirtschaftlichkeit der Anlage zog er stark in Zweifel. Denn die gemessenen Windstärken seien im Langzeitvergleich zu hoch. Messungen an nahe gelegenen Stationen hätten gezeigt, dass die Testmessungen auf dem Älpli in einer relativ windintensiven Phase stattgefunden hätten.

Passe man die zu erwartenden Windgeschwindigkeiten dem an, sei die Wirtschaftlichkeit schon bei Vollleistung nicht ausgezeichnet. Falle die Unterstützung durch das Einspeisevergütungssystem weg, schreibe die Anlage Verluste. Gehe man von einer Ertragsprognose aus, die zu 75 Prozent eintreffen sollte, resultierten nach 20 Jahren noch 591000 Franken Gewinn. Sortmann zogt ein deutliches Fazit:

«Ein Windpark macht hier keinen Sinn.»

Im Publikum – etwa 80 Interessierte waren im Wattwiler Thurpark anwesend – schienen ebenfalls deutlich mehr Kritiker als Befürworter zugegen gewesen zu sein. Schon vor Veranstaltungsbeginn hörte man verschiedene Voten, dass die Anlage zu gross sei und das Landschaftsbild verschandle – ein Punkt, den «Älpli Gegenwind» zwar auch kritisiert, der an diesem Abend aber nicht Thema war.

Verwaltungratspräsident verteidigt Position

Man hörte auch, die Anlage sei vor allem für die Thurwerke AG eine lohnende Geschichte. Diese trägt zusammen mit dem Energieversorger Groupe E das Projekt.

Thurwerke-Verwaltungsratspräsident Thomas Grob war am Info-Abend zugegen und meldete sich ebenfalls zu Wort. Es bestünden offensichtlich Diskrepanzen zwischen dem Gutachten von Sortmann und den Untersuchungen, die von der Thurwerke AG veranlasst wurden. Grob zeigte sich überzeugt, dass die Gutachten der Thurwerke zuträfen. Erfahrungen aus anderen Orten hätten dies gezeigt und sowohl der Kanton als auch der Bund hätten die Machbarkeit untersucht, Letzterer bisher erst in der Vorprüfung.

Grob stellte aber auch klar: «Wenn der Lärmschutz nicht gewährleistet ist, müssen wir die Anlage abschalten.» Und deswegen sagte er in Richtung Sortmann:

«Wenn Sie recht haben, bauen wir die Anlage nicht.»

Die Ergänzung, dass Sortmann wahrscheinlich nicht recht habe, ging im Applaus der Anwesenden unter.

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