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Zu Fuss durch die Reformation

Die Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg spannte mit dem Lichtensteiger Städtliführer René Stäheli zusammen. Daraus entstand ein gelungener Spaziergang durch die Geschichte der Reformation im Toggenburg.
Sascha Erni
Pfarrer Daniel Klingenberg (links) und René Stäheli führten eine Stunde lang durch Lichtensteig. (Bild: Sascha Erni)

Pfarrer Daniel Klingenberg (links) und René Stäheli führten eine Stunde lang durch Lichtensteig. (Bild: Sascha Erni)

«Die Reformation war auch ein Mittel für die Unabhängigkeit des Toggenburgs», erklärte Daniel Klingenberg mit Blick auf das alte Rathaus in Lichtensteig, «zumindest eine Weile lang.» Die gut gelaunte Gruppe lachte. Denn zuvor hatte sie bereits erfahren, wie störrisch die Reformation in der Region verlaufen war. Und vor allem auch, dass die eigentliche Unabhängigkeit des Toggenburgs gerade mal acht Jahre, bis zum Landfrieden 1538, angehalten hatte. Dann wurde es zurück unter die Herrschaft des St. Galler Fürstabts gezwungen.

Gut 30 Interessierte versammelten sich am Mittwoch in Lichtensteig zu einer speziellen Themenführung. Die Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg (MTG) versprach einen Spaziergang durch die Geschichte der Reformation, als Gastgeber dienten der evangelische Pfarrer Daniel Klingenberg und der Lichtensteiger Städtliführer René Stäheli. An sieben Stationen zeigten die zwei Männer auf, dass – und weshalb – Lichtensteig nicht nur für die Religionsgeschichte der Region eine zentrale Rolle eingenommen hatte.

Bildersturm und Sticheleien

Den Hauptgrund für diese Bedeutung Lichtensteigs sah Klingenberg in der Balance zwischen den drei Positionen, die das Toggenburg kontrolliert hatten. Die Fürstabtei stellte mit dem Landvogt die eine Position, die Schirmherrschaften Schwyz und Graubünden eine andere. Die Ämter im Toggenburg waren fest in katholischer Hand. Aber die dritte Position, der Landrat, näherte sich Huldrych Zwinglis reformatorischen Bewegung an. «Das Toggenburg hatte immer schon eine Freiheitstradition», so Klingenberg. Deshalb konnte sich der Landrat besser gegen die anderen Kräfte durchsetzen, Konflikte waren nicht abzuwenden.

Die Fäden liefen in Lichtensteig zusammen. Sticheleien und Zweckallianzen zwischen den Parteien bestimmten über Jahrhunderte das politische, gesellschaftliche und religiöse Leben. Selbst einen Bildersturm gab es in Lichtensteig, als Reformierte 1528 die Stadtkirche beim heutigen UBS-Gebäude stürmten. In Folge der Streitigkeiten wurde die Kirche ab 1532 paritätisch, als Simultankirche, sowohl von Katholiken als auch Reformierten genutzt. Aber auch so blieben Reibereien nicht aus.

Für Daniel Klingenberg war die Führung eine Premiere. Der Pfarrer von Krinau hat sich lange intensiv mit der Geschichte der Reformation im Toggenburg beschäftigt, dann brachte er bei René Stäheli die Idee zu einer gemeinsamen Städtliführung ein.

Städtliführungen seit 20 Jahren

Die zwei Männer ergänzten sich prächtig. Stäheli berichtete an jedem der sieben Standorte aus der Geschichte Lichtensteigs, während Klingenberg geschickt den Bogen zur Reformation schlug. Immer wieder liessen sie Anekdoten einfliessen und sorgten so für einen lebendigen, informativen und unterhaltsamen Abend.

René Stäheli hat die Städtliführungen vor rund zwanzig Jahren ins Leben gerufen. Neben den regulären Spaziergängen finden auch immer wieder Themenführungen statt, die nächste am 28. Juli unter dem Motto «Mit Bürgi zu den Sternen». Auch die Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg wird sich bald wieder auf den Weg machen: Am 25. Juli gibt es in Krinau einen Blick hinter die Kulissen der Bräker-Aufführung.

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