Zirkus-Akrobatik mitten im Städtli: Alles dreht sich ums Drehen

Der Zirkus Fahraway begeistert in Lichtensteig mit rollender Akrobatik und einer vielseitig einsetzbaren Bühne.

Mirjam Bächtold
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Ezra Weill zeigt im Zirkus Fahraway eine Nummer am Vertikalseil.

Ezra Weill zeigt im Zirkus Fahraway eine Nummer am Vertikalseil.

Bild: Mirjam Bächtold

«Dreih mi no es Stück, dreih mi no e Rundi», singt Benjamin Kobi. Der Musiker sitzt mit seiner Ukulele auf einer Drehbühne und lässt sich von den vier Artisten des Zirkus Fahraway noch eine Runde drehen. Und noch eine. Immer schneller rennen die Artisten um die Bühne und schieben sie an, dass einem schon vom Zusehen schwindlig werden kann.

«Drüll» ist das neue Programm der Zirkustruppe aus Basel, die diese Woche auf dem Goldenen Boden in Lichtensteig aufgetreten sind. Der Titel ist Programm: Alles dreht sich ums Drehen. Herzstück dafür ist die spezielle Bühnenkonstruktion. Gebogene Stahlrohre mit Querstreben ergeben zuerst die Drehbühne, werden aber ohne Holzboden plötzlich zum riesigen Rhönrad. Mit diesem rollt zuerst einer der Artisten hin und her und macht Kapriolen am Rad.

Auch zu viert turnen die zwei Männer und zwei Frauen an den Querstreben des Rades und setzen sich darauf, während das Rad sich immer weiterdreht. Es sieht aus, als würden sie Riesenrad fahren.

Die Häuser von Lichtensteig in der Hand

Selbst der Musiker, der sich zur Erheiterung der Kinder eher als Tollpatsch denn als Artist gibt, hat eine Nummer, die das Publikum verstummen lässt. Auf einem schmalen Steg im Rad balanciert er eine Glaskugel auf seinen Armen von einer Hand zur anderen. In der Kugel spiegeln sich die Hausfassaden der umliegenden Häuser. Es sieht aus, als hätte er Lichtensteig in der Hand.

Der Zirkus Fahraway bei ihrer Vorstellung auf dem Goldenen Boden in Lichtensteig.

Der Zirkus Fahraway bei ihrer Vorstellung auf dem Goldenen Boden in Lichtensteig.

Bild: Mirjam Bächtold

Das Lichtensteiger Publikum jedenfalls hat er in der Hand – gebannt legen alle die Köpfe in den Nacken und sehen ihm zu. Auch Solvejg Weyeneth überzeugt mit einer Solonummer: Sie lässt Diabolos über die Schnur drehen. Dabei dreht sie sich auch selbst um die eigene Achse, schleudert ein Ende des Diabolospiels von sich und fängt es nach einer Umdrehung wieder auf, was ihr begeisterte Rufe des Publikums sichert.

Spannende Umbauten zwischen den Nummern

Die selbst gebaute Bühne lässt sich mit den einzelnen Elementen zu immer wieder neuen Konstruktionen zusammensetzen. Diese Umbauten sind genauso spannend, wie die Akrobatik selbst. Aus der Drehbühne wird das Rhönrad, in dieses werden später zwei Stangen mit Holzsteg montiert. «Oh, oh, das chunt nöd guet», murmelt ein Kind, als einer der Artisten auf den Steg klettert. Doch die vier schaffen es, das Rad durch Ausbalancieren des Steges in Position zu halten.

Der Höhepunkt der Zirkusaufführung kündigt sich schon im Umbau davor an. An die vier langen Stangen werden gebogene Stücke mit Bolzen befestigt. Dann ziehen die vier Artisten die Stangen nach oben und befestigen sie zu zwei über Kreuz stehenden Bögen. Daran zeigt Nina Wey eine Trapeznummer und Ezra Weill überzeugt mit einer waghalsigen Nummer am Vertikalseil, bei der er Hüte balanciert.

Am Schluss wird das spektakuläre Gestell wieder zur Drehbühne, die es zu Beginn war. Darauf sitzen die Artisten, fahren im Kreis, Runde um Runde und singen wie schon zu Beginn «I wott no mängisch umecho.»