Einzonung in Ebnat-Kappel: Zielt der WWF mit seinem Rekurs auf den Falschen ab?

Der Rekurs des WWF gegen die Einzonung im Gebiet Underdorf stösst beim Ebnat-Kappler Gemeindepräsident Christian Spoerlé auf Unverständnis. Er denkt, dieser richte sich grundsätzlich gegen die Umsetzung der neuen Raumplanung.

Sabine Schmid
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Für den Ebnat-Kappler Gemeinderat ist klar, dass das Gebiet Underdorf als Bauzone für Industrie und Gewerbe genutzt werden soll. Und zwar rechts und links der Eisenbahnlinie. Während auf der rechten Seite des Gleises die Parzellen bereits mehrheitlich überbaut worden sind, steht nun der Teilzonenplan Underdorf II zur Diskussion.

Die Gemeinde legte diesen am 10. August 2017 öffentlich auf, nachdem die Ebnat-Kappler Firma Alder + Eisenhut AG erklärt hat, sie wolle auf der Parzelle einen Neubau erstellen, die an ihr Grundstück grenzt. Das bisherige Landwirtschaftsland soll gemäss dem kommunalen Richtplan in Industrie- und Gewerbezone umgewandelt werden, um diesen Neubau zu ermöglichen. «Der Gemeinderat hat mit den Grundeigentümern abgemacht, dass die Umzonung in Angriff genommen werde, sobald ein bewilligungsfähiges Projekt vorgelegt wird», erklärt Gemeindepräsident Christian Spoerlé.

Zuerst die Bäume, jetzt die Thur

Dass der vor über einem Jahr aufgelegte Teilzonenplan noch nicht rechtskräftig ist, ist auf eine Einsprache des WWF zurückzuführen. Wie Christian Spoerlé ausführt, war eine Baumallee am Rand der Parzelle der Grund. «In einer Begehung haben wir die Situation soweit geklärt, dass die Firma Alder + Eisenhut als Bauherrin erklärt hat, die Baumallee stehen zu lassen». Für den Gemeindepräsidenten war das Problem damit gelöst und er erwartete, dass der WWF die Einsprache zurückziehen würde.

Das hat die Umweltorganisation aber nicht gemacht. Sie argumentiert nun damit, dass der Teilzonenplan die Revitalisierung der Thur gefährden könnte. Wenn nun am rechten Thurufer eine Industrie- und Gewerbezone entstehe, auf der später eine neue Halle zu stehen komme, bleibe nur das linke Thurufer übrig, argumentiert Lukas Indermaur, Geschäftsführer WWF St.Gallen.

Christian Spoerlé kann diese Sichtweise nicht nachvollziehen. Der WWF greife vor, der Gewässerraum der Thur sei nicht bestimmt. Diese Aufgabe steht auf der Pendenzenliste der Gemeinde, aber nicht in erster Priorität. Werde das Land rechts der Thur überbaut, vergebe man sich dadurch nichts. «Momentan hat die Thur keinen Sanierungsbedarf und das Flussbett braucht an besagter Stelle auch nicht zusätzlichen Platz», sagt Christian Spoerlé. Falls sich dies ändern sollte, könne man immer noch auf die linke Seite ausweichen, denn dieses Land soll weiterhin als Landwirtschaftsland genutzt werden.

Weder wirtschaftsfreundlich noch sozial

Auch wenn er in der Sache nicht einverstanden ist, so bringt Christian Spoerlé ein bisschen Verständnis für den WWF St. Gallen auf. Der Verband sei wohl nicht einverstanden, wie die neue Raumplanung umgesetzt werde und habe darum eine Einsprache eingereicht.

«Wir wissen um die Endlichkeit des Bodens und darum kommt für uns eine Umzonung nur dann in Frage, wenn ein bewilligungsfähiges Projekt in der Pipeline liegt.»

In diesem Fall aber schlage man den Sack und meine den Esel, findet Christian Spoerlé. Denn gerade mit der Halle, die 2016 in Betrieb genommen wurde, habe das Unternehmen gezeigt, dass es ökologisch sinnvoll handle und der Natur Sorge trage. Die Alder + Eisenhut AG habe für die Umgebungsarbeiten eigens ein Ökobüro engagiert. Und bei der Parzelle, um die es jetzt gehe, sei es keine Frage gewesen, dass die zuerst erwähnten Bäume stehen gelassen werden. «Dass eine Umweltschutzorganisation nun gegen das Bauvorhaben schiesst, ist weder wirtschaftsfreundlich noch sozial», sagt Christian Spoerlé.

Dazu komme, dass die jetzt von WWF St.Gallen aufgenommenen Punkte gar nicht relevant für die Umzonung seien. Wenn überhaupt, müssten diese im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens geklärt werden. «Denn aktuell wissen wir die genaue Lage der geplanten Halle auf dem Areal noch gar nicht», sagt Christian Spoerlé.

Durch Rekurs geht viel Zeit verloren

Wann diese Baubewilligung eingereicht wird, kann Christian Spoerlé nicht sagen. Weil der WWF Rekurs gegen die Abweisung der Einsprache gemacht hat, liegt der Fall nun beim kantonalen Baudepartement. Wann dieses entscheidet, ist offen.

Interview

«Es ist nicht absehbar, wann wir die Halle bauen»

Mit dem Rekurs gegen den Entscheid des Gemeinderats Ebnat-Kappel straft der WWF indirekt den Bauherrn, die Firma Alder + Eisenhut AG. Geschäftsleiter Robin T. Alder erklärt, was diese zeitliche Verzögerung für seine Unternehmung bedeutet.
Sabine Schmid