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Zeitgemäss bauen und dabei Kulturlandschaft im Obertoggenburg erhalten

Die harmonische Einbettung von Bauten und Anlagen in die charakteristische Landschaft des Obertoggenburgs ist anspruchsvoll. Sie verlangt einen geschärften Blick für die ortsbaulichen Besonderheiten und einen sorgfältigen Bauentwurf. Der vorliegende Leitfaden «Bauentwurf im ländlichen Raum» soll Bauherren und Planer bei der Projektierung unterstützen.
Sabine Camedda
Die reich strukturierte Streusiedlungslandschaft wie im Vorderberg, Alt St.Johann, verlangt einen sorgfältigen Bauentwurf. (Bild: René Güttinger)

Die reich strukturierte Streusiedlungslandschaft wie im Vorderberg, Alt St.Johann, verlangt einen sorgfältigen Bauentwurf. (Bild: René Güttinger)

Die Obertoggenburger Landschaft zeichnet sich durch bäuerlich geprägte Streusiedlungen aus. Eine Bestandesaufnahme für die Gebiete Laad, Schlatt und Bühl in der Gemeinde Nesslau hat beispielsweise ergeben, dass 80 Prozent der Wohnhäuser im Stil des Toggenburger Bauernhauses erbaut sind. «Diese Streusiedlungslandschaft mit deren typischen Bauten ist für das Obertoggenburg besonders charakteristisch und identitätsstiftend», sagt Bernhard Güttinger.

Der Architekt ist Gemeinderat von Nesslau und hat unter dem Titel «Bauentwurf im ländlichen Raum» einen Leitfaden erstellt, um die Bauherren, Planer und Behörden für das Thema zu sensibilisieren und eine praktische Hilfestellung bei der Planung zu geben.

«Wir bezwecken mit diesem Leitfaden, ein architektonisch und funktional hochwertiges Bauen im ländlichen Raum zu fördern.»

Im Brennpunkt stehen darum Bauprojekte ausserhalb der Bauzone, welche im Einklang mit der hiesigen Bautradition und mit Rücksichtnahme auf die Landschaft gestaltet werden sollen. Ein Workshop im Juni 2017 mit Vertretern der Gemeinden und Planern habe gezeigt, dass ein hoher Bedarf für einen derartigen Leitfaden bestehe und die Erarbeitung eines solchen einhellig begrüsst werde.

Keine eng gefassten Richtlinien

Wer ein Bauprojekt ausserhalb der Bauzone realisieren will, muss ein Bewilligungsverfahren durchlaufen. Dafür sind die Gemeinde und der Kanton zuständig. Eng gefasste Richtlinien und Vorschriften sind daher im «Bauentwurf im ländlichen Raum» nicht zu finden. «Vielmehr geben wir in der Form von Beispielen richtungsweisende Empfehlungen ab, welche während der Bauentwurfsphase eine Hilfestellung bieten», sagt Bernhard Güttinger.

Zudem wird der Planungsprozess bis zur Baubewilligung in einzelnen Arbeitsschritten aufgezeigt. «Wir empfehlen, für ein Bauprojekt ausserhalb der Bauzone frühzeitig eine Bauanfrage bei der Gemeinde einzureichen. Diese gibt Klarheit darüber, worauf hinsichtlich der Baugestaltung und bei der Weiterbearbeitung bis zum Baugesuch zu achten ist.»

Der Leitfaden solle bei der Suche nach guten Lösungen kompetente Unterstützung geben, schreibt der Nesslauer Gemeindepräsident Kilian Looser im Vorwort. «Es geht dabei nicht um falsch verstandene Nostalgie. Ebenso wenig sollen notwendige Bauentwicklungen und Erneuerungen von Wohn- und Ökonomiegebäude verhindert werden.» Vielmehr seien funktionelle und landschaftsgerechte Lösungen anzustreben, die auf ihre Art das Authentische in der traditionellen Bauweise aufnehmen und weiterführen. «Wünschenswert sind dabei auch die Verwendung der örtlichen Baumaterialien und die Berücksichtigung des traditionellen Handwerks.»

Zeitgemässe Architektur und traditionelle Bauweise verbinden

Bernhard Güttinger ist überzeugt, dass es möglich ist, ausserhalb der Bauzone zeitgemässe und funktionelle Gebäude zu erstellen. «Weil wir die Eigenart unserer Kulturlandschaft erhalten möchten, sind Bauprojekte notwendig, welche die funktionellen und ästhetischen Anforderungen gleichermassen berücksichtigen», sagt der Architekt. Bevorstehende Bauaufgaben sollten daher nicht nur nach rein individuellen Kriterien, sondern immer auch im ortsbaulichen Kontext angegangen werden. Dabei sei auch eine zeitgemässe Architektursprache möglich, sofern sie eine schlichte und zur Landschaft passende Lösung darstelle.

«Eine ‹moderne› Lösung verlangt eine besonders hohe architektonische und handwerkliche Qualität, damit auch sie im Orts- und Landschaftsbild den höchsten Ansprüchen genügen kann», sagt Bernhard Güttinger. Im Leitfaden sind einige Beispiele aufgeführt, wo genau diese Verbindung gelungen ist. Bernhard Güttinger stellt diesbezüglich den einheimischen Architekten und Planern ein gutes Zeugnis aus. Viele von ihnen hätten das Gespür dafür und würden zusammen mit den Bauherren passende Lösungen präsentieren und umsetzen.

Interesse übers Tal hinaus

Der Leitfaden wurde räumlich auf die Gemeinden Wildhaus-Alt St.Johann, Nesslau und Ebnat-Kappel festgelegt, was dem Nesslauer Bernhard Güttinger die Arbeit aufgrund seiner Ortskenntnisse erleichterte. Ein grosser Teil der im Leitfaden aufgeführten Empfehlungen seien aber auch für andere Regionen anwendbar, sagt der Verfasser. Bereits jetzt sei das Heft auch in anderen Gemeinden und auch ausserhalb des Kantons St. Gallen auf Interesse gestossen.

Weil in der 60 Seiten umfassenden Broschüre aber nicht nur Tipps für den baulichen Umgang mit der Landschaft aufgeführt sind, sondern auch das Wichtigste zur Geschichte der Toggenburger Bautradition und Kulturlandschaft, ist das Heft nicht nur eine interessante Lektüre für Bauwillige, sondern für eine breite Leserschaft.

Hinweis

Der Leitfaden «Bauentwurf im ländlichen Raum» kann kostenlos bei der Gemeinde Nesslau bezogen werden.

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