«Z’Alp goh» gehört zum Leben: Der Alpwirtschaftliche Verein Toggenburg ehrt langjährige Älpler

An der Hauptversammlung des Alpwirtschaftlichen Vereins Toggenburg werden jeweils langjährige Älpler geehrt.

Adi Lippuner
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Sieben Älpler und ein Ehepaar erhalten vom Verein eine Urkunde für ihr langjähriges Wirken auf den Toggenburger Alpen.

Sieben Älpler und ein Ehepaar erhalten vom Verein eine Urkunde für ihr langjähriges Wirken auf den Toggenburger Alpen.

Bild: Adi Lippuner

Ein Ehepaar und sieben Älpler konnten am Donnerstagnachmittag ihre Urkunde entgegennehmen. Thomas Bohl, Präsident des Alpwirtschaftlichen Vereins Toggenburg, nahm die Ehrungen vor und betonte, dass langjährige und erfahrene Kräfte eine wichtige Stütze für die Alpwirtschaft darstellen. Für die Geehrten gehört der Alpsommer und die damit verbundene Arbeit ganz einfach zum Leben.

Einer der langjährigen Älpler ist Walter Looser, Alt St.Johann, seit 53 Alpsommer regelmässig auf der Breitenalp am Fusse der Churfirsten. Die Alp bilde für den Landwirtschaftsbetrieb, der inzwischen von Sohn Stefan Looser geführt wird, einen wichtigen Bestandteil.

Rund 50 Stück Vieh können den Sommer in der Höhe verbringen. Walter Looser melkt die Kühe jeweils am Abend, bleibt die Nacht über auf der Alp, erledigt am frühen Morgen wieder die Arbeit im Stall inklusive melken und führt anschliessend die Milch ins Tal. Zu Beginn der Alpzeit seien es täglich rund 350 Liter, die zur Sammelstelle gefahren werden. «Früher war dies ganz anders, da gab es keine Strasse und wir mussten den Weg von daheim auf die Alp zu Fuss bewältigen», blickt der erfahrene Bauer und Älpler zurück.

«Damals wurde die Milch abgerahmt und nur der Rahm ins Tal getragen. Die Magermilch fütterten wir den Schweinen und einige Zeit wurde auch Alpkäse hergestellt.»

Heute sei alles einfacher, «denn die rund zwölf Kilometer vom Heimbetrieb zur Alp sind mit dem Auto gut zu bewältigen».

Alpen als wichtige Ergänzung für Bauern

Walter Looser, Alt St. Johann, ist seit 53 Jahren regelmässig auf der Breitenalp anzutreffen. Hans Holenstein, Stein, 50 Jahre Alp Ahorn; Alois Schwizer, Unterwasser, 43 Jahre Breitenalp, Urs Künzle, Wattwil, 30 Jahre Wolzenalp; Meinrad Strassmann, Libingen, 20 Jahre Alp Oberstrick; Jakob Bleiker, Kengelbach, 20 Jahre Alp Schwämmli; Köbi Scherrer, Ganterschwil, elf Jahre Vorstand landwirtschaftlicher Verein Untertoggenburg, Meiersalp und Käthi und Walter Zeller aus Mogelsberg haben, nach der Betriebsübergabe während elf Jahren auf der Alp Oberberg gewirkt. Sie alle wurden an der Hauptversammlung geehrt.

Die Alpen bilden für die Toggenburger Bauern nicht nur eine wichtige Ergänzung zum Heimbetrieb, es sind auch zahlreiche Vorschriften zu beachten. So informierte Christoph Högger, Abteilungsleiter Direktzahlungen beim kantonalen Landwirtschaftsamt über die Beiträge für Sömmerungsbetriebe und was es bei der Alpzeit zu beachten gibt. Weil der Bund Beiträge auszahlt, stehen auch regelmässig Kontrollen an. So seien letztes Jahr 38 Alpen kontrolliert worden, bei zwei Alpen musste eine Nachkontrolle angeordnet werden.

50 Bäume für 50 Jahre

Der Alpwirtschaftliche Verein Toggenburg kann dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiern. Um dieses Jubiläum auch ausserhalb der grossen Älplerfamilie sichtbar zu machen, schlägt Markus Hobi – er nahm an der Versammlung als Vertreter des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Vereins teil – eine Baumpflanzaktion vor. «Die Lawinen haben im Winter 2018/19 nicht nur Gebäude beschädigt, auch frei stehende, markante Bäume fielen den Naturgewalten zum Opfer.»

Emil Wickli gab Einblick in das Toggenburger Brauchtum, insbesondere das sennisch «Öberefahre» und das Tragen der Trachten. Dabei wurde deutlich, dass sich die Trachten erst in den vergangenen 200 Jahren zum heutigen Erscheinungsbild entwickelten. Vor Ort war auch Silvano Allenbach vom «Caritas-Bergeinsatz». Er erklärte, was Freiwillige im Berggebiet leisten und wie Bauernfamilien deren Hilfe beantragen können.

Bester Rechnungsabschluss seit Beginn

Dank breiterer Abstützung konnte Kassier Stefan Naef in Anwesenheit von rund 130 Mitgliedern, am Donnerstagnachmittag in Krummenau erstmals eine Rechnung mit einem Einnahmenüberschuss von gut 1300 Franken präsentieren. Dies bei Ausgaben von knapp 3500 Franken. Das Vereinsvermögen beträgt neu gut 9000 Franken. Präsident Thomas Bohl ging in seinem Jahresbericht auf die unverständlichen Vandalenakte auf mehreren Toggenburger Alpen ein (siehe Kasten) und äusserte die Hoffnung, dass die Übeltäter gefasst werden können.

Vandalen zerstören Alphütten

Seit Mitte Dezember dringen Unbekannte immer wieder in verschiedene Alphütten im Toggenburg ein. Die Vandalen machen die Zäune kaputt und klauen Werkzeug. Wie Jörg Scherrer, ein Bauer aus Nesslau, gegenüber TVO sagt, konnten sie kaum fassen, was passiert ist: «Eine solche Zerstörungswut habe ich in dieser Art noch nie erlebt.» Er hatte doppelt Pech, denn nicht nur im Dezember, sondern auch bei einem Einbruch vor zwei Wochen wurde seine Alphütte zum Opfer der Vandalen.
Dieses Mal blieb auch das Haus von Hermann Bohl, einem Bauer aus Ebnat-Kappel, nicht verschont. Man frage sich, ob man überhaupt noch sicher sei.

Insgesamt sind sieben Bauernfamilien betroffen, die ihre Hütten entweder auf der Säntisalp oder auf der Lütisalp im Toggenburg haben. Thomas Bohl, Präsident Alpwirtschaftlicher Verein Toggenburg, ist überzeugt, dass die Angriffe nicht zufällig waren, denn die Hütten sind wegen des Schnees nur schwer zu erreichen.
Die Kantonspolizei St.Gallen ermittelt, tappt aber noch im Dunkeln. Ein Vandalenakt ist zwar nichts Aussergewöhnliches, aber dass jemand dafür in die Alpen fährt, ist speziell. Polizeisprecher Hanspeter Krüsi sagt: «Es ist eine völlig sinnlose Tat.»

Die Betroffenen ziehen für sich selber Konsequenzen und denken über eine Videoüberwachung nach. Wahrscheinlich werde aber erst im Frühling klar, wenn man wieder vermehrt in die Alpen geht, wie viele Alphütten tatsächlich betroffen sind. (evw)

Die Wanderung des Alpwirtschaftlichen Vereins wird diesen Sommer, entweder am 28. oder 30. Juli im obersten Toggenburg stattfinden und von der Thurwies zur Alp Flies und wieder zurück zum Ausgangspunkt führen. Ein wichtiges Datum für die Vereinsmitglieder ist auch der Samstag, 2. Mai, dann wird im Nesslauer Büelensaal das 50-jährige Bestehen des Vereins gefeiert.