XXL-WANDERUNG
Auf und neben dem Höhenweg: Plötzlich in militärischem Gebiet

Unterwegs auf dem Toggenburger Höhenweg (3/6): Diese Etappe von der Chrüzegg zum Tanzboden ist jene mit den meisten Höhenmetern. Auf der knapp sechsstündigen Wanderung besteht auch die Gefahr, sich zu verlaufen – und mit einem unerwarteten Ort Bekanntschaft zu machen.

Simon Dudle
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Durch den Übungsplatz Cholloch führt der offizielle Wanderweg.

Durch den Übungsplatz Cholloch führt der offizielle Wanderweg.

Bild: Simon Dudle

Die dritte Etappe – von unten (Wil) nach oben (Wildhaus) betrachtet – ist die letzte im hügeligen Teil des mittleren Toggenburgs. Danach wird es gebirgig. Aber auch dieser Abschnitt, welcher von der Chrüzegg während über fünf Stunden Marschzeit auf den Tanzboden führt, hat es in sich. Alles in allem werden auf den 16 Kilometern Weg über 1000 Höhenmeter aufwärts zurückgelegt – und rund 900 abwärts. Es ist also ein Tag mit vielen Höhen und Tiefen.

Die dritte Etappe beginnt wolkig auf der Chrüzegg ...

Die dritte Etappe beginnt wolkig auf der Chrüzegg ...

Bild: Simon Dudle

Auf einen satten Abstieg von gut 1200 auf unter 800 Meter zum Dorf Ricken folgt ein ebenso «anständiger» Aufstieg durch den Wald hoch zum Regelstein auf über 1300 Meter. Und das jeweils in weniger als zwei Stunden.

Gefolgt vom nächsten Gang abwärts zur bewirteten Alp Oberbächen, ehe der Schlussanstieg zum Tanzboden ansteht. Das Ziel dieser Etappe liegt auf 1427 Metern über Meer, womit der bis dato höchste Punkt dieser XXL-Wanderung erreicht ist. Auf den weiteren Etappen wird es aber noch höher hinausgehen.

... und endet sonnig auf dem Tanzboden.

... und endet sonnig auf dem Tanzboden.

Bild: Simon Dudle

Die Sache mit der Beschilderung

Es ist eine Etappe, die auch die eine oder andere Überraschung in sich birgt. Vor allem dann, wenn die Signalisation nicht abschliessend erkennen lässt, ob nun der Wanderweg oder der Bergwanderweg nach Ricken die offizielle Route des Toggenburger Höhenwegs ist.

So etwa bei der Obertweralp. Da man sich ja nicht lumpen lässt, wird der Bergwanderweg beschritten, was sich später als Fehlentscheidung herausstellen sollte. Denn bald führt der offizielle Bergwanderweg in ein Gebiet, welches Schiessübungen dient. Hinweisschilder weisen darauf hin, an welchen Tagen der Wanderweg beschritten werden darf und wann nicht. Im Verlaufe dieser Woche ist der Weg zum Beispiel grossmehrheitlich gesperrt.

Die Brücke hält.

Die Brücke hält.

Bild: Simon Dudle

Nach einem steilen Abstieg findet man sich mitten im militärischen Übungsgebiet Cholloch wieder. An diesem Sonntag ist nichts los. Die hier zu sehenden Gebäude, eine Art Ruinen, wurden vom Militär gebaut und dienen dem Häuserkampf. Sie stehen verlassen da. Für einige Minuten wähnt man sich trotzdem als Teil einer militärischen Übung oder in einer Kulisse eines Kriegsfilms. Und irgendwie ist man froh, bei Oberricken das militärische Gebiet wieder verlassen zu können.

Als Nächstes der Speer

Gesund ist anders. Vielleicht bald ein Fall für einen Hotpot?

Gesund ist anders. Vielleicht bald ein Fall für einen Hotpot?

Bild: Simon Dudle

Ansonsten sind es angenehme Überraschungen, die einem im Verlauf der dritten Etappe geboten werden. Immer wieder sind Ober- und Zürichsee zu sehen. Ein Panoramabild ermöglicht an gewissen Stellen sogar, auch den Bodensee auf das gleiche Bild zu bekommen.

Die zierliche Toggenburger Hügellandschaft lässt einen die vielen Höhenmeter schnell vergessen. Nur einmal wird das Rauschen der Bäche durch jenes des Verkehrs ersetzt: im Dorf Ricken, wo die Wanderwegweiser ebenfalls nicht optimal angebracht sind.

Die Ankunft auf dem Tanzboden entschädigt für die Strapazen des Tages. Der Rundumblick ist faszinierend. Der Obersee liegt einem zu Füssen, das Toggenburg mit dem doch schon recht weit entfernten Ebnat-Kappel auch. Die Churfirsten rücken ins Bild, der Speer ist schon fast zum Greifen nah – und wird bei der nächsten Etappe zum Thema werden.

Die Kühe sind ein treuer Begleiter auf dieser dritten Etappe.

Die Kühe sind ein treuer Begleiter auf dieser dritten Etappe.

Bild: Simon Dudle