Xaver Kappeler aus Bazenheid: «Statt Banker hätte ich Pfarrer werden sollen»

Der 64-Jährige geht nach 22 Jahren als Filialleiter der Clientis Bank Toggenburg CBT in Bazenheid in Pension.

Beat Lanzendorfer
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Xaver Kappeler, Filialleiter der Clientis Bank Toggenburg in Bazenheid, wird Ende April 2020 pensioniert.

Xaver Kappeler, Filialleiter der Clientis Bank Toggenburg in Bazenheid, wird Ende April 2020 pensioniert. 

Bild: Beat Lanzendorfer

«Mir sind die Menschen und das Dorf ans Herz gewachsen», sagt Xaver Kappeler, der am 18. März 64 Jahre alt geworden ist und Ende April in den Ruhestand übertritt. «Bazenheid hat sich in den vergangenen Jahren phänomenal entwickelt und einen unglaublichen Aufschwung hingelegt.»

Umstellung auf das Computerzeitalter

Wer in den letzten zwei Jahrzehnten die Räumlichkeiten der Clientis Bank Toggenburg im Bazenheider Zentrum betrat, bekam es in der Regel mit Xaver Kappeler zu tun. Als Filialleiter sei er praktisch für alles zuständig gewesen. Anspruchsvoll war vor allem die Umstellung auf das Computerzeitalter. Dabei hat in seinen jungen Jahren wenig darauf hingewiesen, dass er einst Banker werden würde.

«Ich bin mit vier jüngeren Geschwistern in Dussnang aufgewachsen. Als ich zehn war, starb unser Vater im Alter von 41 Jahren. Nun lag es an der Mutter, uns fünf Halbwaisen mit einer bescheidenen Witwenrente durchzubringen.» Die Jahre hätten ihn geprägt und er wisse, was es heisse, bescheiden zu leben.

«Ich hätte Pfarrer werden sollen»

Dies sei wohl auch der Ausschlag gewesen, weshalb er dem Wunsch des Grossonkels und seiner Mutter nachgekommen sei und nach der sechsten Klasse dem Gymnasium Marienburg in Rheineck beigetreten sei. «Ich hätte Pfarrer werden sollen», sagt Kappeler mit einem Schmunzeln. Der Grossonkel sei hier übrigens kein Unbekannter. Franz Xaver Mäder war in Bazenheid von 1970 bis 1983 als Pfarrer tätig.

Nach fünf Jahren bei den Steyler Missionaren in Rheineck und weiteren zwei im Kloster Einsiedeln wusste Kappeler: «Hier ist mein Weg zu Ende, Pfarrer ist nichts für mich.» Er schrieb sich an der ETH in Zürich ein und studierte während eineinhalb Semestern Pharmazie. Statt Apotheker oder Pfarrer sollte es dann aber Banker werden. «Ich hab mich 1979 auf ein Inserat der damals noch existierenden schweizerischen Volksbank beworben und die Stelle in Wil auch erhalten.»

Bruno Stäbler hat ihn eingestellt

Sieben Jahre später zog er weiter zur Sparkasse der Administration (Sparad), die 1995 von der St.Galler Kantonalbank übernommen wurde. Nach Stationen bei der St.Galler und Thurgauer Kantonalbank befand er, es sei der richtige Zeitpunkt, um in die Nähe der einstigen Heimat zurückzukehren.

«Dussnang ist ja nicht allzu weit von Kirchberg entfernt, deshalb kannte ich die Gegend bereits.» Bruno Stäbler, der damalige Direktor der Spar- und Leihkasse Kirchberg (heute Clientis Bank Toggenburg) hat ihm die Leitung der Filiale in Bazenheid anvertraut. «Es hat von Anfang an gepasst, weil ich mich hier wohl fühlte.» Die weiteren Direktoren der CBT hiessen Bruno Brugger, Gertrud Schmucki und Andreas Fässler.

Beruflich und sportlich ein Ausdauerläufer

Mittlerweile sind 22 Jahre daraus geworden, was mit einem Marathon vergleichbar ist. Apropos Marathon: Kappeler bevorzugte als Läufer die Mittel- und Langstrecken. Bis zu einer Sprunggelenkverletzung, die ihn vor rund 15 Jahren zum Kürzertreten zwang, war er ein begeisterter Marathonläufer. 2.34 Stunden beim Basel Marathon sind sein Top-Wert, was mit einem Spitzenläufer vergleichbar ist. «Ich habe während rund 15 Jahren täglich trainiert. Dabei war mir bewusst, dass die Arbeit eine höhere Priorität geniesst, weil man in der Schweiz als Spitzenläufer nicht wirklich davon leben kann.»

Was wird er machen, wenn er nicht mehr täglich von seinem Wohnort Rossrüti nach Bazenheid fahren muss? «Ich werde hier trotzdem noch anzutreffen sein. Zum einen, weil ich hier viele Freunde gefunden habe und zum anderen, weil ich im Dorf und in der Region noch ein paar Immobilien besitze.»

Weil er Mitglied des Vespa Club Kirchberg ist, dürfte er auch in Zukunft dem Toggenburg erhalten bleiben. Darüber hinaus möchte er Freunde auf der ganzen Welt besuchen, seinen eigenen Wald im Hinterthurgau pflegen und sich vermehrt mit dem Rennrad oder Mountainbike fortbewegen.