Sanieren, umbauen, neubauen in St.Peterzell: «Wir wollen die Kirche näher zu den Menschen bringen»

Die evangelisch-reformierte Kirche in St. Peterzell ist sanierungsbedürftig. Nun soll das Gotteshaus in Stand gesetzt und mit Um- und Neubauten für die Bevölkerung zum vielseitigen Begegnungsort werden.

Urs M. Hemm
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Die evangelisch-reformierte Kirche St. Peterzell wurde 1964 gebaut. Markant ist der separate Kirchturm, dessen Aussenfassade im Jahr 2004 saniert wurde. (Bild: Urs M. Hemm)

Die evangelisch-reformierte Kirche St. Peterzell wurde 1964 gebaut. Markant ist der separate Kirchturm, dessen Aussenfassade im Jahr 2004 saniert wurde. (Bild: Urs M. Hemm)

«Dass die Sanierung des Gebäudes nötig ist, kann man überall sehen», sagt Gerhard Friedrich, Präsident der Kirchenvorsteherschaft. Darüber müsse auch nicht mehr diskutiert werden, zumal seit dem Bau der Kirche im Jahr 1964 nie etwas an der Gebäudehülle gemacht worden war. Was jedoch den Ausbau der Räumlichkeiten betreffe, wollen die vorbereitenden Arbeitsgruppen gerne die Ideen der Bevölkerung einem Dialogabend abholen.

Info- und Dialogabend

Freitag, 22. Februar um 20.15 Uhr im Kirchgemeindesaal St.PeterzelI: Info- und Dialogabend mit Workshops zu den Themen Mit Gottes Ja unterwegs; Eine Gemeinde − viele Dörfer; Gemeinde mit Ausstrahlung − ein Gewinn für alle; Kirche am Weg sowie einer Präsentation der Arbeiten des beauftragten Architekten zum Projekt.

Gerhard Friedrich, Präsident Kirchenvorsteherschaft der ev.-ref. Kirchgemeinde Oberer Necker. (Bild: Urs M. Hemm)

Gerhard Friedrich, Präsident Kirchenvorsteherschaft der ev.-ref. Kirchgemeinde Oberer Necker. (Bild: Urs M. Hemm)

Seit 2017 haben die Kirchenvorsteherschaft und die Mitarbeitenden der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Oberer Necker unter dem Titel «Aufbruch» intensiv diskutiert, an Workshops Bedürfnisse evaluiert und mögliche Lösungen sowie Vorschläge erarbeitet. «Unsere Kirche möchte sich weiter für die Menschen öffnen und sie mit verschiedenen Angeboten zu uns einladen», sagt Friedrich. Dies solle aber nicht nur über Veranstaltungen der Kirche geschehen. Auch Anlässe, Kurse oder Veranstaltungen auf Initiative der Menschen sollen in den Räumlichkeiten der Kirche Platz finden, so dass ein wirklicher Ort der Begegnung entsteht.

Neubau mit Bistro, Jugend- und Bandraum

Konkrete Pläne bestehen noch keine, es bieten sich aber im Zuge der nötigen Sanierungsarbeiten zahlreiche Umbauarbeiten an. Zudem ist auch ein Neubau geplant. Dieser soll auf dem Abhang auf der Nordwestseite der Kirche zwischen dem derzeitigen Jugendraum und der Kirche selbst entstehen. «Wir sind in der glücklichen Situation, dass unser Jugendraum zeitweise von bis zu 40 Jugendlichen besucht wird. Leider wird es ab 20 Besuchern bereits eng darin, so dass ein grösserer Raum im Neubau angedacht ist», sagt Gerhard Friedrich. Zudem gibt es kein direktes Tageslicht, was heute aber für Gruppenräume verlangt werde.

Die raumüberspannende Decke im Hauptraum muss statisch verstärkt werden, um den neuen Sicherheitsanforderungen zu entsprechen. (Bild: Urs M. Hemm)

Die raumüberspannende Decke im Hauptraum muss statisch verstärkt werden, um den neuen Sicherheitsanforderungen zu entsprechen. (Bild: Urs M. Hemm)

Ausserdem sollen dort ein Bandraum, ein Sitzungszimmer und Büros entstehen. «Als weiteren Begegnungsort möchten wir gerne ein kleines Bistro im Neubau eröffnen, welches von Freiwilligen aus der Kirchgemeinde geführt werden soll», erläutert Friedrich.

Um solche Feuchtigkeitsschäden zu verhindern, ist eine energetische Sanierung notwendig. (Bild: Urs M. Hemm)

Um solche Feuchtigkeitsschäden zu verhindern, ist eine energetische Sanierung notwendig. (Bild: Urs M. Hemm)

Umfassende Sanierungsarbeiten stehen im Kirchenraum an. «Nach Auskunft des Architekten muss die Statik der Decke verstärkt werden. Das bedeutet, dass die ganze Decke heruntergerissen werden muss, um Verstärkungen einzubauen», erläutert Gerhard Friedrich. Eine Überprüfung der Fenster habe gleich mehrere Mängel aufgedeckt. Zum einen sind die Fenster direkt im Mauerwerk verbaut, so dass der Raum energetisch alles andere als optimal isoliert ist. Zudem dringt teilweise Wasser durch die Dichtungen. Auch diese stellen ein Problem dar, denn die Dichtungen bestehen aus asbesthaltigem Material, das heute in öffentlichen Gebäuden verboten ist.

Da diese Arbeiten ohnehin umfangreich seien, wolle man anschliessend an den Kirchenraum ein Pfarrzimmer bauen. Zudem weist die Fassade an mehreren Stellen einen umfassenden Sanierungsbedarf auf.

Kantonalkirche unterstützt das Projekt

Die Aussenfassade weist an diversen Stellen Mängel auf, die das Mauerwerk schädigen können. (Bild: Urs M. Hemm)

Die Aussenfassade weist an diversen Stellen Mängel auf, die das Mauerwerk schädigen können. (Bild: Urs M. Hemm)

Statisch unzureichend ist auch die Decke es Kirchgemeindesaals direkt unter dem Kirchenraum. «Der Kirchgemeindesaal ist ein wenig unser Sorgenkind. Zwar ist er gross und hell und könnte somit für allerlei Anlässe für bis zu hundert Personen wie beispielsweise Taufessen genutzt werden», sagt Gerhard Friedrich. Doch leider sei die vorhandene Küche für ein entsprechendes Catering völlig unzureichend, so dass diese umgestaltet werden soll. Zudem solle ein Materiallager für Kulissen, Jugendarbeitsmaterial sowie Tische und Stühle gebaut werden, falls der Saal anderweitig, beispielsweise für einen Tanzanlass, gebucht werde.

«Damit der Kirchgemeindesaal wie auch die sanitären Einrichtungen hier im Untergeschoss für alle gut erreichbar sind, wollen wir an der Nordseite der Kirche einen Lift bauen», sagt Friedrich. Bei allen Sanierungsarbeiten und Umnutzungen sei man sehr auf Nachhaltigkeit bedacht. Zudem möchten soll so viel wie möglich erhalten bleiben, damit die kulturhistorischen Elemente in neuem Glanz erstrahlen. Bezüglich der Finanzierung des Projekts könne die Kirchgemeinde auf die Unterstützung der Kantonalkirche zählen.

Auch im Kirchgemeindesaal muss die Decke verstärkt werden. Zudem soll ein Materialraum entstehen und die Küche erneuert werden. (Bild: Urs M. Hemm)

Auch im Kirchgemeindesaal muss die Decke verstärkt werden. Zudem soll ein Materialraum entstehen und die Küche erneuert werden. (Bild: Urs M. Hemm)

Sich öffnen und auch nach aussen präsent sein

Mit all diesen baulichen Massnahmen möchte die Kirchenvorsteherschaft die Kirche näher zu den Menschen bringen. «Kirche findet längst nicht mehr nur am Sonntagmorgen während des Gottesdienstes statt. Die Kirchenräume sollen stille Oase, Begegnungspunkt, Bildungsort, Schutzraum und Austauschplattform für die Menschen sein − und dies generationenübergreifend», betont Gerhard Friedrich. Die Kirchenverantwortlichen möchten aber auch weiterhin mit der Kirche an Dorffesten oder an der Dorfchilbi präsent sein. «Alle baulichen Massnahmen dienen ausschliesslich zur Verwirklichung eines lebendigen und offenen Gemeindelebens.» Ein gutes Zusammenleben entstehe nur durch Dialog, auf einander zugehen und aufeinander hören. Nun hoffe Gerhard Friedrich auf die Unterstützung der Kirchbürger, um gemeinsam zu Neuem aufzubrechen.