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Interview

«Wir produzieren gutes Gas» – Ein Jahr nach Inbetriebnahme: Betreiber der Kirchberger Biogasanlage ist zufrieden

Seit März 2018 liefert die Biogasanlage von Joachim Harder Strom. Vorausgegangen ist eine rund fünfjährige Planungszeit. Nach zwölf Monaten zieht der Toggenburger Biogas-Pionier ein erstes Fazit.
Beat Lanzendorfer
Das Blockheizkraftwerk gehört zu den Herzstücken der Biogasanlage in Wolfikon. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Das Blockheizkraftwerk gehört zu den Herzstücken der Biogasanlage in Wolfikon. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die Planungen zu Ihrer Biogasanlage dauerten fünf Jahre. Vor zwölf Monaten gingen Sie in Betrieb. Sind Sie mit dem bisherigen Verlauf zufrieden?

Joachim Harder: Ich bin sogar sehr zufrieden. Die Biologie im Fermenter hat sich schnell und konstant entwickelt. Es gelang uns, qualitativ gutes Gas zu produzieren und dadurch gute Erträge zu erzielen.

Gibt es nach einem Jahr, in dem Sie Erfahrungen sammeln konnten, Verbesserungspotenzial?

Verbesserungspotenzial gibt es bei einer Biogasanlage immer. Ziel ist es, mit dem zu verwertenden Material möglichst viel Gas herauszuholen. 100 Prozent sind nicht zu schaffen. Schön wäre aber, möglichst in die Nähe der Maximalwerte zu kommen.

Die Anlage könnte jährlich 1,752 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren. Sind Sie voll ausgelastet?

Im ersten Jahr hatten wir eine durchschnittliche Auslastung von rund 70 Prozent.

Seit Anfang dieses Jahres konnten wir den Wert auf 85 bis 90 Prozent steigern.

Es läuft also sehr gut, es hat aber durchaus noch Luft nach oben.

Wie wäre dies zu erreichen?

Joachim Harder, Biogas-Pionier. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Joachim Harder, Biogas-Pionier. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Zum einen mit gleich viel, aber energetisch hochwertigem Material eine höhere Auslastung erzielen oder mit mehr Material eine bessere Quote erreichen.

Raum für zusätzliche Kapazitäten wäre vorhanden?

Ja. Speziell im Bereich Gastroabfälle, bei den Co-Substraten (Gras) oder bei Abfällen aus der Lebensmittelindustrie.

Konnten Sie seit der Inbetriebnahme weitere Kunden gewinnen?

Ja, da hat es Gartenbauer aus der Region dabei. Solche, die für Liegenschaften zuständig sind oder Verantwortliche von Sportplätzen wie jene des FC Kirchberg. Es ergibt sich für beide Seiten eine Win-win-Situation, weil es auch finanziell für sie interessant ist.

Konnten Sie grössere Betriebe von den Vorteilen einer Biogasanlage überzeugen?

Ja, aber leider ist im Toggenburg nicht allen Unternehmen bekannt, dass sie die bei ihnen anfallenden Abfälle bei uns entsorgen könnten. Etliche entscheiden sich für den geringsten Aufwand, nehmen dafür aber lange Fahrzeiten über das Tal hinaus in Kauf.

Dann ist der Gedanke des Energietales, bis im Jahr 2034 energieautark zu sein, noch nicht bei allen angekommen?

Nein, das ist aber schweizweit so. Wenn solche Ziele vorhanden sind, sollte man möglichst alles daran setzen, diese umzusetzen. Da ist noch viel Überzeugungsarbeit nötig. Es geht nur, wenn alle am gleichen Strick ziehen.

Wie sieht es auf der landwirtschaftlichen Seite aus?

Dort ist es sehr gut angekommen, denn mittlerweile beträgt dieser Anteil bei unserer Anlage rund 90 Prozent.

Die Landwirte der Region machen gut mit, bringen ihre Gülle oder lassen sie holen.

Das hatten wir so nicht auf dem Radar. Nach der Vergärung der Gülle erhalten sie einen qualitativ guten Hofdünger zurück. Letztlich können die Landwirte die Gülle bei mir auch nur abliefern, für die Entsorgung bin dann ich zuständig.

Sie gelten als Pionier in Sachen Biogasanlage. Bekommen Sie Anfragen von Interessenten, die ebenfalls eine Biogasanlage erstellen möchten?

Es gibt Interessenten. Im Moment ist es nicht ganz einfach, weil niemand so recht weiss, wie es mit der KEV (kostendeckende Einspeisevergütung) weitergeht.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ein wichtiges Anliegen ist, dass die Anlage ohne gravierende Schäden läuft. Es wäre etwas vom Schlimmsten, wenn Motorschäden auftauchen oder wenn durch Störstoffe wie Chemie (Antibiotika) die Biologie zerstört wird und dadurch die Gasproduktion einbricht. Dies hätte einen Betriebsunterbruch von zwei bis vier Monaten zur Folge.

Hatten Sie schon grössere Unterbrüche?

Ja, sie standen im Zusammenhang mit Optimierungen, mit einer Nachrüstung des Motors oder mit einer Wartung des Blockheizkraftwerkes. Diese Arbeiten sind geplant und dadurch kann die Produktion des Gases gezielt heruntergefahren werden. Von grösseren, unvorhergesehenen Schäden blieben wir bisher zum Glück verschont.

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