«Wir planen für die Zukunft»: Das Projekt «Wil Vivendo» sorgt für Diskussionen

Die Neugestaltung des Strassenabschnitts von Wil nach Bronschhofen überzeugt nicht alle.

Christoph Heer
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So könnte die Kreuzung beim Restaurant Traube in Bronschhofen dereinst aussehen.

So könnte die Kreuzung beim Restaurant Traube in Bronschhofen dereinst aussehen.

Visualisierung: PD

Unter dem Namen «Wil Vivendo» soll mit rund 50 Massnahmen Raum geschaffen werden für die Stadt und die Region. Eine flankierende Massnahme zur Netzergänzung Nord ist auch die Neugestaltung des Strassenabschnitts zwischen dem Wiler Schwanenkreisel und dem Knotenpunkt in Bronschhofen.

Am Dienstag wurde das Betriebs- und Gestaltungskonzept im Stadtsaal in Wil der Öffentlichkeit vorgestellt. Anwohner und Betroffene sind nicht gänzlich überzeugt vom Projekt.

Ideen und Anliegen einbringen

Zuerst die Informationen zur zukünftigen Haupt- und Bronschhoferstrasse, dann die Reaktionen und Fragen der rund 80 Anwesenden aufnehmen und beantworten. So gestaltete sich der Dienstagabend im Stadtsaal, den nach zwei Stunden nicht alle gänzlich zufrieden verliessen.

«Wir sind intensiv am planen und konnten nun mit diesem öffentlichen Anlass den Konzeptabschluss begehen», sagte Stadtrat Daniel Stutz eröffnend. Noch haben die Einwohner während mehrerer Wochen die Möglichkeit, ihre Ideen und Anliegen miteinzubringen. «Wir planen für die Zukunft», sagte Stutz, da erstaunt es nicht, will man möglichst viele Gedanken miteinfliessen lassen.

Verlagerung auf den öffentlichen Verkehr forcieren

Die jetzige Hauptstrasse von Wil nach Bronschhofen ist eine Kantonsstrasse, soll dann jedoch zur Gemeindestrasse werden. Daniel Stutz erklärt, dass man bis in 15 Jahren mit einem Anstieg an Verkehrsaufkommen von bis zu 20 Prozent rechnet.

«Mit der neuen Verkehrsentlastung verfolgen wir indes das Ziel, eine Entlastung von 25 Prozent zu erreichen.»

Nicht nur soll der Verkehr neu reguliert werden, auch sollen mehr Personen auf die öffentlichen Verkehrsmittel gebracht werden.

Ein weiteres Ziel soll sein, möglichst wenig Land erwerben zu müssen, «doch wo es Gewinner gibt, generieren sich auch stets Verlierer», sagte Sascha Bundi. Der Leiter Mobilität und Planung des kantonalen Tiefbauamts sah sich vielen kritischen Voten gegenübergestellt wie etwa: «Das Ganze ist lediglich eine Problemverlagerung», «Schade, wenn Agrarland verschwindet», «Das Projekt könnte Staus von Bettwiesen her generieren».

Ziele und weiteres Vorgehen

(che) Die Umfahrungsstrasse Netzergänzung Nord und der geplante Autobahnanschluss Wil West führen in Kombination mit flankierenden Massnahmen zu einer Verkehrsentlastung des Wiler Stadtzentrums. Gleichzeitig werden verträgliche und wirtschaftlich tragbare Lösungen ins Auge gefasst.

Einzelne Punkte sind:

  • direktere und schnellere Anbindung,
  • Verkehrsentlastung im Zentrum,
  • bessere Wohn- und Lebensqualität,
  • mehr Raum und Sicherheit für Busse, Velos und Fussgänger oder eine bestmögliche Voraussetzung für die Standortentwicklung Wil West, bei dem mit bis zu 3000 neuen Arbeitsplätzen gerechnet wird.

Ab jetzt herrscht eine schriftliche Mitwirkungsmöglichkeit – Rückmeldungen fliessen direkt in das Vorprojekt. Dessen Erarbeitung endet im Sommer 2021.

Im Anschluss folgt dann die Eingabe des Vorprojekts, inhaltlich zum Agglomerationsprogramm der vierten Generation gehörend. Das kommende Bau- und Auflageprojekt dauert bis Ende 2022, womit einem Baubeginn zwischen 2024 bis 2027 nichts im Wege stehen sollte.

Die Stadt Wil befasst sich derzeit ausserdem mit drei weiteren, grösseren Strassenprojekten. Diese betreffen die Zürcherstrasse, die Glärnischstrasse und die Hubstrasse.