«Wir müssen gemeinsam durch dieses Jahr» – Wattwils Zentrum wird 2021 zur Baustelle

Die Wattwiler Gewerbetreibenden bereiten sich auf ein schwieriges Jahr vor. Von Februar bis Ende Oktober kommenden Jahres wird gebaut, damit das Dorfzentrum attraktiver wird.

Ruben Schönenberger
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Beim Kreisel am Bahnhof starten die Bauarbeiten im Februar auf der rechten Strassenhälfte. Danach wandert die Baustelle Richtung Postbrücke und Dorfplatz.

Beim Kreisel am Bahnhof starten die Bauarbeiten im Februar auf der rechten Strassenhälfte. Danach wandert die Baustelle Richtung Postbrücke und Dorfplatz.

Bild: Ruben Schönenberger (Wattwil, 30. Oktober 2020)

Normalerweise ist der Zentrum-Znüni des Vereins Zentrum Wattwil ein gemütlicher Anlass in einem Wattwiler Café. Normal ist in diesen Zeiten jedoch wenig. Und so sassen die Vereinsmitglieder für einmal in Schulbankbestuhlung im Restaurant Thurpark.

Das Umdisponieren war zwar den Massnahmen zur Pandemiebekämpfung geschuldet, es war aber trotzdem auch symbolträchtig. Denn: Die Wattwiler Gewerbetreibenden sehen einem anspruchsvollen Jahr entgegen. Und für einmal ist nicht Corona schuld. 2021 wird das Erscheinungsbild des Toggenburger Zentrums radikal verändert. Zwischen dem Kreisel am Bahnhof und dem Dorfplatz bleibt wortwörtlich kaum ein Stein auf dem anderen.

Zentrum verschönern, bevor Wattwil umfahren wird

Im Herbst 2022 soll die zweite Etappe der Umfahrung Wattwil fertig sein. Dann fährt nur noch ins Wattwiler Dorfzentrum, wer dorthin möchte. Die Gemeinde möchte dieses Zentrum deshalb attraktiver gestalten, damit dereinst auch noch nach Wattwil kommt, wer eigentlich daran vorbeifahren könnte. Das Acht-Millionen-Projekt soll deshalb schon ein Jahr vor der Umfahrungseröffnung, im Herbst 2021, fertig sein. Entstehen soll ein attraktives Zentrum mit breiten Trottoirs und schmalen Strassen. (rus)

Im Februar kommen die Bagger

Was schon länger bekannt war, wird ab Februar offensichtlich. Dann fahren die ersten Bagger auf. Doch der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner sagte am Freitagmorgen schon:

«Es geht jetzt los.»

Die Gewerbetreibenden müssten sich schon heute darauf vorbereiten, dass sie im nächsten Jahr weniger Frequenzen haben und weniger Umsatz machen würden. Es gelte, gemeinsam Ideen und Aktionen zu entwickeln, um die Kundinnen und Kunden auch während der Bauphase nach Wattwil zu locken.

Baustellenzeitung zur Information auch «ennet» dem Ricken

Erste Ideen hat der Verein Zentrum Wattwil schon entwickelt. So soll eine Kampagne mit der Hauptbotschaft «Wattwil ist offen» operieren. Viermal wolle man zudem mit einer Art Baustellenzeitung die Bevölkerung – auch auf der anderen Seite des Rickens – informieren, was in Wattwil gerade entsteht und welche Läden in dieser Zeit was anbieten.

Was genau dieses Angebot umfassen wird, dazu waren beim Zentrum-Znüni erst vage Vorstellungen vorhanden. Zu hören war: Digitale Angebote fördern, gemeinsame Rabattaktionen einführen oder auch eine Art Fest. Bei Letzterem würde immer dort eine kleine Feier veranstaltet, wo die Bauarbeiten abgeschlossen sind.

Die Baustelle wandert durch Wattwil

Thomas Graf, Projektleiter der Brühwiler AG.

Thomas Graf, Projektleiter der Brühwiler AG.

Bild: Ruben Schönenberger (Wattwil, 30. Oktober 2020)

Dieses wandernde Fest würde dem Bauplan entsprechen, der eine wandernde Baustelle vorsieht. Thomas Graf von der Brühwiler AG, die für die Planung verantwortlich ist, erklärte das ebenfalls am Zentrum-Znüni.

Während der ganzen Bauzeit sei die Strasse vom Kreisel in Richtung Dorfplatz einspurig befahrbar. In der Gegenrichtung wird der Verkehr über die Ebnaterstrasse geleitet. «Das ist das erprobte Vorgehen», sagte Graf.

Deshalb wird zuerst die eine Strassenhälfte gemacht – jene im Osten, in Richtung Kantonsschule – und danach die andere. In diesen Hälften wiederum beginnen die insgesamt vier Bautrupps à vier Personen zuerst mit den Tiefbauarbeiten. Sind die abgeschlossen, ziehen die betreffenden Bauarbeiter einen Abschnitt weiter. Im ersten Abschnitt werden die weiteren Arbeiten ausgeführt, ehe auch diese Bauarbeiter weiterziehen. So entsteht die neue Strasse Stück für Stück.

Drei Wochen Reserve für viel Schnee

Geplant ist, die östliche Hälfte zwischen dem 1. Februar und dem 23. Juli zu machen, die westliche zwischen dem 24. Mai und dem 29. Oktober. Eingerechnet sind Reserven von mindestens drei Wochen. Diese könnten beispielsweise benötigt werden, wenn zu Baubeginn viel Schnee liegt.

Egal, ob die Reserve nötig wird oder nicht: Das Jahr 2021 wird für Wattwil herausfordernd. Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner brachte am Zentrum-Znüni seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Bevölkerung und die Gewerbetreibenden Verständnis für die Einschränkungen haben werden. Die Gemeinde wünsche sich einen guten Dialog bei allfälligen Problemen. Er sagte weiter:

«Es ist eine wichtige Baustelle für die Gemeinde und eine Riesenchance für die Entwicklung des Zentrums.»

Kathrin Ott, Präsidentin des Vereins Zentrum Wattwil, sekundierte diese Aussagen und betonte, der Verein sei für die Unterstützung der Gewerbetreibenden in dieser Zeit da. Marc Bohnenblust, Geschäftsführer des Vereins Zentrum Wattwil, sagte schliesslich:

«Seien sie kreativ, wir müssen gemeinsam durch dieses Jahr.»