«Wir müssen als Volk unbequem werden» – Wattwiler Bürgerforum gibt das Spital nicht auf

Nach sechsmonatiger Coronapause lud das Bürgerforum pro Regionalspital Wattwil zum Arbeitstreffen ein. Neben Mahnwachen soll auch der direkte Kontakt zu Kantonsräten sowie Sportvereinen im Kampf um den Spitalstandort Wattwil helfen.

Sascha Erni
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Das Bürgerforum pro Regionalspital Wattwil lud im Wattwiler «Thurpark» zum ersten Arbeitstreffen seit bald sechs Monaten.

Das Bürgerforum pro Regionalspital Wattwil lud im Wattwiler «Thurpark» zum ersten Arbeitstreffen seit bald sechs Monaten.

Bild: Sascha Erni (Wattwil, 26. August 2020)

Das erste Treffen in fast sechs Monaten beraumte das Bürgerforum pro Regionalspital Wattwil kurzfristig für den Mittwochabend an. Sabine Keller, Gertrud Pfändler und Matthias Elmiger reagierten damit als Organisatoren der Bürgerbewegung auf die vor kurzem publizierten Erkenntnisse der vorberatenden Kommission des Kantonsparlaments.

Diese fordert zwar neu unter dem Konzepttitel «5plus4» die Erhaltung des Spitalstandorts Walenstadt, sieht aber für die Krankenhäuser Wattwil und Altstätten keine Zukunft.

Es bleibt nicht mehr viel Zeit

Über ein Dutzend engagierter Toggenburgerinnen und Toggenburger folgten der Einladung und besprachen im Thurpark die nächsten Schritte, um das Ruder doch noch herumreissen zu können. Matthias Elmiger sagte:

Getrud Elmiger und Matthias Elmiger (stehend) trugen die Korrespondenz der letzten Monate zusammen und präsentierten den aktuellen Stand der Dinge.

Getrud Elmiger und Matthias Elmiger (stehend) trugen die Korrespondenz der letzten Monate zusammen und präsentierten den aktuellen Stand der Dinge.

Bild: Sascha Erni (Wattwil, 26. August 2020)
«Die Bedürfnisse unserer Region werden übergangen, sämtliche Vorschläge wurden ignoriert.»

Es brauche nun den Druck aus der breiten Bevölkerung, damit sich dies ändere. «Die Uhr springt gerade auf 12, wir müssen vor dem Glockenschlag handeln», ergänzte Gertrud Pfändler.

Bevölkerung motivieren und aktivieren

Alle waren sich einig, dass das Hauptziel der nächsten Wochen sein müsse, die Bevölkerung zu motivieren und Aussenstehende zu aktivieren – kurz: die resignierte Stimmung im Thur- und Neckertal kippen. Sabine Keller fasste zusammen:

«Wir müssen als Volk unbequem werden.»

Entsprechend gestaltete das Bürgerforum den Mittwochabend als Arbeitstreffen, in dem nicht nur Vorschläge gesammelt, sondern auch erste konkrete Aufgaben verteilt wurden.

Die meisten Politiker wollen die Sache aussitzen

Das Bürgerforum entschied über Mahnwachen, Protestmärsche, Fahnen und Plakate – und nicht zuletzt darüber, den direkten Kontakt zu den Toggenburger Kantonsräten und Gemeindepräsidenten zu suchen, etwa über offene Briefe oder öffentliche Anfragen vor den kommenden Kommunalwahlen. Denn von den besagten Politikern würde sich kaum mehr als eine Handvoll aktiv für das Spital Wattwil einsetzen, der Rest scheine die Sache aussitzen zu wollen, meinte ein Diskussionsteilnehmer.

Die Aktionen sollen sich nach dem Willen des Bürgerforums nicht auf den Raum Wattwil beschränken, sondern von Bütschwil bis ins Obertoggenburg reichen. Denn alle Anwesenden waren sich einig, wen der aktuelle Kurs des Kantons treffen wird: Alle Toggenburgerinnen und Toggenburger. Sei es, dass die Bevölkerung mit einer schlechteren Gesundheitsversorgung leben müsste, sei es als Zulieferer des Spitals. Auch KMU, die indirekt von den zahlreichen Angestellten und Auszubildenden profitierten, und ganz generell die gesamte Region, die ohne Krankenhaus an Attraktivität einbüsse, würden geschädigt.

Auch die Jüngeren sind betroffen

Besonders bei den Jüngeren sei aber die Notwendigkeit für ein Regionalspital Wattwil noch nicht angekommen, meinte ein Teilnehmer. Viele würden etwa vergessen, dass bei einem Notfall Helikopter nicht immer nach Wil oder St. Gallen fliegen können – eine Frage der verfügbaren Kapazitäten und der Witterung. Dann bliebe nur die Fahrt mit dem Krankenwagen, womit die 30-Minuten-Regel der Notfallversorgung unmöglich eingehalten werden könne.

Sabine Keller führte durch den Abend.

Sabine Keller führte durch den Abend.

Bild: Sascha Erni (Wattwil, 26. August 2020)

Und das betreffe eben auch die Jüngeren, sei es im Fussballverein oder beim Geräteturnen in der Schule, beim Wandern oder beim Skisport. Also seien Sport- und Freizeitvereine mögliche Partner, die man im Kampf um den Spitalstandort Wattwil mit ins Boot holen müsse, einigte sich das Plenum in der Diskussion. Ob Mahnwachen, Druck auf Kantonsräte oder die Aktivierung der Vereine – die Zeit dränge, betonte Sabine Keller an diesem Abend wiederholt.

«Wir alle, die Bevölkerung, müssen aktiv werden, je mehr, je länger, je hartnäckiger, desto besser.»