Interview

Neuer Direktor der Clientis Bank Toggenburg: «Wir haben effizientere Prozesse»

Seit einem Monat steht Andreas Fässler an der Spitze der Clientis Bank Toggenburg mit Hauptsitz in Kirchberg. Er hat das Amt des Direktors von Gertrud Schmucki übernommen, die sich entschlossen hat, die Bankleitung abzugeben.

Beat Lanzendorfer
Drucken
Teilen
Andreas Fässler, hier an seinem Arbeitsplatz, ist seit fünf Jahren bei der Clientis Bank Toggenburg, die ihren Hauptsitz in Kirchberg hat. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Andreas Fässler, hier an seinem Arbeitsplatz, ist seit fünf Jahren bei der Clientis Bank Toggenburg, die ihren Hauptsitz in Kirchberg hat. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Andreas Fässler: Sie haben am 1. August die Nachfolge von Gertrud Schmucki angetreten. Wie verlief Ihr erster Monat als Direktor der Clientis Bank Toggenburg (CBT)?

Grundsätzlich geordnet. In den vergangenen Wochen bin ich immer wieder auf neue Themen gestossen, mit denen ich mich nun auseinandersetze. Seit fünf Jahren bin ich Mitglied der Geschäftsleitung. In meiner vorherigen Funktion leitete ich den Bereich Finanzieren. Daher kenne ich die CBT und deren Abläufe sowie die Kundinnen und Kunden gut.

Was wird bei Ihnen anders als bei Ihrer Vorgängerin?

Da ich der Überzeugung bin, dass jeder Mensch anders ist, bin auch ich anders als meine Vorgängerin Gertrud Schmucki. Ohne im Detail zu wissen, wie anders, bin ich doch überzeugt, dass ich andere Prägungen in mir trage und diese haben wiederum Einfluss auf mein Wirken.

Bleibt Gertrud Schmucki der CBT wie ursprünglich kommuniziert weiterhin als Vizedirektorin erhalten?

Das war so geplant. Nun hat sie sich entschieden, die Bank per Ende Oktober zu verlassen. Anschliessend geniesst sie eine Auszeit. Wie ihr beruflicher Weg weitergeht, ist offen.

Was möchten Sie mit der CBT erreichen?

Die CBT will ich im Toggenburg weiter und noch stärker verankern. Im Kerngebiet Kirchberg, Bazenheid und Mosnang haben wir eine gute bis sehr gute Marktdurchdringung. Im übrigen Gebiet wollen wir uns weiter verbessern und tiefer verankern. Ganz im Sinne von «im Toggenburg für das Toggenburg». Als regionale Bank nutzen wir die kurzen Wege in Abwicklung und Entscheidung als Wettbewerbsvorteil, wovon der Kunde im Endeffekt profitiert.

Wie wird sich nach Ihrer Einschätzung der Immobilienmarkt entwickeln? Besteht nicht die Gefahr einer Überhitzung?

Ich glaube nicht an eine generelle Überhitzung. Es gilt zu berücksichtigen, dass es regionale Unterschiede gibt. Im Bereich Eigentum – Wohnungen und Einfamilienhäuser – erachte ich die Risiken in unserem Marktgebiet für überschaubar. Grössere Herausforderungen bestehen eher bei Mehrfamilienhäusern, die als Renditeliegenschaft gehalten werden. Aufgrund der grossen Bautätigkeit wurde in diesem Segment viel Wohnraum geschaffen, der heute nicht mehr voll vermietet werden kann. Dadurch sinken die Renditen für die Eigentümer und der Leerwohnungsbestand steigt. Immer wieder sehe ich Inserate oder Werbeschriften für Wohnungen, die zu vermieten sind. Auch im Toggenburg ist das erkennbar.

Bleiben die Zinssätze der Hypotheken nach Ihrer Einschätzung weiterhin auf diesem tiefen Niveau?

Kurzfristig erwarte ich keinen starken Zinsanstieg. Aufgrund der vielen Unsicherheiten ist das Umfeld für einen Anstieg wohl noch nicht soweit. Grundsätzlich erwarte ich jedoch für die kommenden Jahre leicht ansteigende Zinsen.

Bevor Sie zur CBT kamen, waren Sie bei einer Grossbank angestellt. Wo liegen die Unterschiede zwischen einer Grossbank und einer Regionalbank?

Grössere Unternehmen sind komplexer und viel regulierter. Uns ist es wichtig, dass der Kundenberater mit dem Kunden sprechen und entscheiden kann. Oder falls es sich um grössere Projekte, wie beispielsweise eine Finanzierung handelt, er innert kürzester Zeit einen Entscheid von uns erhält. Aufgrund unserer Grösse haben wir effizientere Prozesse, treiben Entscheidungen voran und kommunizieren diese umgehend dem Kunden. Bei uns weiss man, wo die eingereichten Unterlagen bearbeitet werden.

Wo holen Sie sich die Energie, diesen anspruchsvollen Job auszuüben?

Sport bringt mir den Ausgleich zum Job. Ich versuche während der Woche zweimal über den Mittag meinen Kreislauf zu aktivieren und gehe ins Fitnesscenter. Einmal wöchentlich stehe ich als Geräteturnleiter in der Turnhalle. Dabei begleite ich meine Tochter, wo ich als Leiter aktiv bin. Seit 30 Jahren bin ich ehrenamtlich im Turnen in den verschiedensten Funktionen tätig. Ich war Kunstturnertrainer – unter anderem von Pablo Brägger – und im Vorstand des St. Galler Turnverbandes. Im Weiteren hatte ich verschiedene Aufgaben in den Vereinen, in denen ich Mitglied war. Am Samstag bin ich zudem mit meinen beiden Söhnen oft auf dem Fussballplatz. Bei Gesprächen mit anderen Eltern und einer Tasse Kaffee komme ich auf andere Gedanken und erhole mich von der Arbeitswoche.

Sie sind Vater von drei noch relativ kleinen Kindern. Kann ein Direktor einer Bank ein geregeltes Familienleben führen?

Dank der grossen Unterstützung meiner Ehefrau Susanne, die mir den Rücken freihält, ist dies möglich. Zudem ist es auch eine Frage der Prioritätensetzung. Ich habe nicht die Erwartung an mich, dass ich 24 Stunden für die Bank zur Verfügung stehen muss. Im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein, ist für mich die Zauberformel.

Hatten Sie als Kind eigentlich andere Berufspläne. Viele Heranwachsende möchten nach wie vor Pilot werden oder zur Feuerwehr gehen?

Banker oder Lokomotivführer. Mir wurde das Flair für Zahlen in die Wiege gelegt. Davon profitiere ich bereits mein ganzes Leben, sei dies im privaten oder beruflichen Bereich. Klar begegnet man immer wieder spannenden Berufen. Davon habe ich mich jedoch nie beeinflussen lassen und bin nun seit meiner Ausbildung im Finanz- respektive Banksektor tätig.

Das könnte Sie auch interessieren