Interview

Mosnanger Schulratspräsident zu ambitionierten Ausbauprojekten: «Unsere Bürger sind nicht kleinkariert»

In Libingen und Mühlrüti muss der Schulraum erweitert werden. Der Mosnanger Schulratspräsident Max Gmür hat mit einer Arbeitsgruppe Vorprojekte erarbeitet, in denen «mutige» Varianten enthalten sind, wie er sagt. Die Aufteilung in verschiedene Schulstandorte soll bestehen bleiben.

Timon Kobelt
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Max Gmür hofft, mit den Schulraumerweiterungs-Projekten in Libingen und Mühlrüti einen Volltreffer zu landen. (Bild: Timon Kobelt)

Max Gmür hofft, mit den Schulraumerweiterungs-Projekten in Libingen und Mühlrüti einen Volltreffer zu landen. (Bild: Timon Kobelt)

Die Schülerzahlen in Libingen und Mühlrüti steigen, ausserdem sind die Schulgebäude sanierungsbedürftig. In Libingen würde eine Sanierung des Schulhauses rund 1,6 Millionen Franken kosten, ein Neubau rund 3 Millionen. 1,7 Millionen betrüge eine Sanierung des Seitentraktes des Schulhauses in Mühlrüti, 2,5 Millionen die Erneuerung des Traktes (das «Toggenburger Tagblatt» berichtete). Der Mosnanger Schulratspräsident Max Gmür erklärt, weshalb er den Bürgern eher die Neubau-Varianten ans Herz legt.


Max Gmür, Sie haben Ihre eigene Idee des Adventskranzes Mosnang einst als «verrückt» bezeichnet. Fallen die Neubauvarianten der Schulhäuser in den Aussendörfern Libingen und Mühlrüti auch in die Kategorie «verrückt»?

Eine wichtige Aufgabe von Gemeinde- und Schulrat ist die Erhaltung und Förderung von attraktiven Dörfern für unsere Einwohner. Dazu gehört auch, dass wir vor mutigen Projekten und Varianten mit potenziellem Mehrwert nicht gleich zurückschrecken, sondern die Diskussion mit der Bevölkerung suchen. Vermeintlich «verrückte» Projekte können sich im Rückblick als sehr bereichernd für die Gemeinschaft erweisen. Beispiele dafür sind die Mehrzweckanlage Oberstufe Mosnang oder eben der Adventskranz, wobei ich dafür natürlich nicht alleine die Lorbeeren verdiene.

Sie sprechen die Diskussion mit der Bevölkerung an. Der direkte Dialog scheint Ihnen wichtig zu sein.

Wir wollten unbedingt den Bogen früh aufmachen und Stimmungsbilder einholen. Bisher brachten wir mehr oder weniger fertige Projekte zur Abstimmung. Dass wir nun so viel Vorlauf geben und die Bürger eng mit einbeziehen, finde ich grossartig und es entspricht ganz meinem Stil. Ich bin überzeugt, dass es zukunftsfähigere Lösungen gibt, wenn man die Bürger frühzeitig mit an Bord holt.

Was tun Sie, damit die Bevölkerung weiterhin eng am Prozess beteiligt ist?

In den nächsten Wochen schreiben wir die Architekturleistungen und anschliessend die Fachplaner aus. Im Verlaufe des Frühlings konkretisieren wir die beiden Projekte und informieren die Bevölkerung wieder. Bei der Konkretisierung werden wir uns voraussichtlich an beiden Schulstandorten auf je eine Variante konzentrieren. Je nach den Rückmeldungen aus der Bevölkerung fokussieren wir uns dabei auf die Sanierungs- oder Neubauvariante.

Zwischen Sanierung und Neubau liegt ein finanzieller Unterschied.

Es ist klar, dass die Neubauvarianten in beiden Dörfern mehr kosten. Aber eine Heizungserneuerung, welche an beiden Orten ansteht, ist immer auch verbunden mit der Sanierung und Isolierung der Aussenwände und Dächer. Häufig verursacht die Sanierung von Gebäuden bauliche Überraschungen, verbunden mit Mehrkosten. Aus diesem Grund bevorzugen Gemeinde- und Schulrat tendenziell die Neubau-Varianten. In Libingen könnten wir mit dem Neubau, der sich direkt an das Mehrzweckgebäude anschliesst, auch die Mehrzweckanlage besser ausnutzen, inklusive Office für eine allfällige Tagesschule.

Eigentlich ist der Trend, dass in Ortschaften wie Mosnang die Schulstandorte konzentriert werden. Halten Sie hier bewusst dagegen?

Ja. Wir glauben an unsere Schulstandorte. Bei der Bildung der Einheitsgemeinde versprachen der Gemeinde- und die damaligen vier Schulräte den Dörfern die Erhaltung der Schulen, solange es vor Ort Schüler hat. An dieses Versprechen halten wir uns. Zudem stellt sich die Frage auch deshalb nicht, weil in Libingen und Mühlrüti die Schülerzahlen steigen.

Wie fielen denn die Reaktionen an den Vorgemeinden aus?

Sowohl in Mühlrüti als auch in Libingen waren deutlich mehr Leute anwesend als üblich. Die Stimmung war an beiden Orten sehr offen und wohlwollend. Die Anwesenden diskutierten lebhaft miteinander und mit uns über die verschiedenen Varianten. Insbesondere in den Neubau-Varianten sehen sie die Bestätigung, dass der Schul- und Gemeinderat hinter den Schulen in ihren Dörfern steht. Zudem erkennen sie in den beiden Projekten eine Attraktivitätssteigerung für ihre Dörfer.

Nach den Versammlungen haben Sie Pläne und Modelle in Libingen und Mühlrüti zur Betrachtung da gelassen.

Richtig und auch das war ein bewusster Entscheid. Wir wollen die Projekte greifbar machen und die Leute animieren, sich damit auseinanderzusetzen. Ich bin übrigens der festen Überzeugung, dass unsere Bürger vermehrt mit strategischen Projekten wie diesen umgehen wollen und auch können. Sie sind nicht so kleinkariert und sehen nicht nur das Negative. Gerade in unserer Gemeinde wohnen viele Einwohner, die regelmässig mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind: sei es auf ihrem Betrieb, im Geschäft oder privat.

Sie bezeichnen die Grundstimmung in den betroffenen Dörfern als positiv. Wie stehen denn die Leute, die im Dorfzentrum von Mosnang leben, zu den geplanten Erweiterungen?

Aus Mosnang hatten wir weder an der Bürgerversammlung noch anschliessend direkte Rückmeldungen. Wobei das in unserer Gemeinde üblich ist. Die Dörfer mischen sich kaum in die Geschäfte der anderen ein. Man vertraut sich gegenseitig. Nach Abschluss der Projekte in Libingen und Mühlrüti planen wir die Schulraum-Erneuerung der Primarschule Mosnang. Gemäss Finanzplan wird das 2022 der Fall sein.

Um auf den Anfang zurückzukommen: Die Neubauvarianten sind für eine Gemeinde wie Mosnang kein bisschen verrückt?

Nein, höchstens etwas mutig. Andererseits steht unsere Gemeinde finanziell auf soliden Füssen. Zudem sind wir nach den grossen öffentlichen Bautätigkeiten in den 1980er-Jahren nun wieder in einer Investitionsperiode. Dabei nehmen wir uns die weisen und teilweise auch sehr mutigen Entscheide der damaligen Generation zum Vorbild. Ihnen verdanken wir, dass die Gemeinde Mosnang mit ihren Dörfern auch heute noch eine sehr lebendige und lebenswerte Gemeinde ist, mit Schulhäusern in allen Dörfern.

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