«Wir fangen jetzt einfach mal an»: Corona-Virus zwingt Schule Mühlrüti zum Improvisieren

Nach der Schliessung der Schulen kommen auf die Verantwortlichen Fragen zu, mit denen sie nicht gerechnet haben.

Beat Lanzendorfer
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Kurzes Zusammenrücken für das Foto, nachher nahmen die Mühlrütner Lehrkräfte Ursina Dübendorfer, Daniel Sigrist, Brigitte Dünner und Schulpräsident Max Gmür (von links) wieder den gebührenden Abstand ein.

Kurzes Zusammenrücken für das Foto, nachher nahmen die Mühlrütner Lehrkräfte Ursina Dübendorfer, Daniel Sigrist, Brigitte Dünner und Schulpräsident Max Gmür (von links) wieder den gebührenden Abstand ein.

Bild: Beat Lanzendorfer

Der Platz vor dem Mühlrütner Schulhaus ist leer. Dort, wo sich die Schülerinnen und Schüler normalerweise während der Pause tummeln, herrscht Ruhe.

Ein ähnliches Bild präsentiert sich beim Betreten des Gebäudes. Stimmen sind nur aus dem oberen Stock zu hören. Sie kommen aus dem Zimmer von Teamleiter Daniel Sigrist, der normalerweise gleichzeitig Fünft- und Sechstklässler unterrichtet. Er und die Lehrerinnen Ursina Dübendorfer (3./4. Klasse) und Brigitte Dünner (1./2. Klasse) nahmen am Montagmorgen in Mosnang an einer Sitzung teil, in der die Teamleiter, die Schulleiter sowie Schulpräsident Max Gmür das weitere Vorgehen besprachen.

Das gesprochene Wort ist mittlerweile auf Papier gebracht. Das Schreiben wird nun als «Information zur Schulschliessung und zum weiteren Vorgehen» allen Eltern zugeschickt.

Eine grosse Herausforderung für alle

«Die aktuelle Situation ist für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung», sagt Teamleiter Daniel Sigrist.

«Sie stellt uns vor Fragen, mit denen wir nicht gerechnet haben und mit denen noch niemand konfrontiert worden ist.»

Nun gelte es, sich auf die Situation einzustellen, welche mehrere Wochen andauern dürfte.

Vorerst sei es darum gegangen, ein Konzept auszuarbeiten und festzuhalten, was Priorität geniesse. Was ist zuerst zu regeln, was ist speziell wichtig, lautete die Frage. Mit den 49 Schülerinnen und Schülern bleiben die drei Lehrkräfte aus Mühlrüti via Mail und der Software Teams in Kontakt. Die Klassenlehrer sind werktags für Auskünfte zwischen 8 und 12 Uhr im Schulhaus. Zusätzlich bieten alle Schulhäuser der Schule Mosnang von 9 bis 10 Uhr eine Telefonhotline für die Eltern und Schülerinnen und Schüler an.

Zwei Stunden Lernstoff pro Tag

«Die Schülerinnen und Schüler ab der 1. Klasse sollen täglich am Morgen rund zwei Stunden mit Lernstoff arbeiten. Die Kleineren weniger, die Grösseren mehr. Ziel ist es, die gestellten Aufgaben selbstständig und ohne die Hilfe der Eltern zu lösen», erklärt Brigitte Dünner.

Zurzeit hätten alle Kinder das Schulmaterial noch in der Schule. Mittlerweile sei ein Zeitplan erstellt worden, wann die Kinder ihr Schulmaterial in der Schule abholen könnten. Um Kontakte zu vermeiden, kommen die Familien heute Mittwoch im Abstand von zehn Minuten zur Schule und holen die Schulbox mit dem darin befindlichen Schulmaterial ab. Daniel Sigrist sagt:

«Wir haben null Erfahrung mit Fernunterricht, aber so wie uns geht es allen Volksschulen.»

Sehr positiv findet er es, dass der Lehrmittelverlag Zürich die Online-Tools in den kommenden Wochen kostenlos zur Verfügung stellt.

Virtuelle Klassenzimmer und Livestreams

Schulpräsident Max Gmür ergänzt: «Die nächsten Wochen sind zweigeteilt. Erste Priorität hat ein Lernprogramm bestehend aus Aufgaben und Wochenplan. Daneben bietet die ausserordentliche Situation ein Experimentierfeld, um neue Dinge auszuprobieren. Zum Beispiel das Zusammenarbeiten im virtuellen Klassenzimmer oder via Livestreams. Wobei wir vermutlich nicht die Einzigen sind mit dieser Idee und die Datennetze in den nächsten Tagen wohl am Anschlag laufen werden. Spätestens dann ist es Zeit für Hobby und Spass, denn auch daran darf es nicht mangeln. Im Moment ganz besonders.»

Daniel Sigrist sagt: «Wir fangen jetzt einfach mal an und schauen, was auf uns zukommt. Es treten sicher Situationen auf, in denen man das Gefühl hat, der Deckel falle einem auf den Kopf.»

Enorme Solidarität

Hier in Mühlrüti spüre er, dass die Eltern Verantwortung übernehmen und sich bei Engpässen gegenseitig unterstützen. «Wenn beide Elternteile arbeiten, organisieren sie sich meist selber, zudem haben sich viele Leute gemeldet, die helfen wollen.» Die Solidarität sei enorm.

Sollte ein Engpass auftreten, bietet die Schule eine Betreuung für Kinder an, welche zu gewissen Zeiten nicht zu Hause betreut werden können. Als Standort sei der Kindergarten in Mosnang fixiert worden. In den drei separaten Räumen werden bis zu zwölf Kinder beaufsichtigt, das sollte reichen. Die Eltern müssen die Kinder aber bringen und auch wieder abholen.

Im Verlauf der Woche werden auch kreative und musische Angebote zur Beschäftigung angeboten. Dies können Spiele, Kochrezepte oder Bastelideen sein, damit keine Langeweile aufkommt. Das Konzept «Fernunterricht» ist aufgegleist. Die nächsten Wochen werden zeigen, was in der Praxis gut funktioniert und was weniger.

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