«Wir brauchen einander» – Angela und Erwin Scherrer sind seit 61 Jahren verheiratet und fast so lange ehrenamtlich beim FC Kirchberg engagiert

Der 88-Jährige und seine um vier Jahre jüngere Ehefrau feierten 2018 ihre diamantene Hochzeit. Fast ebenso lange, wie sie gemeinsam durchs Leben schreiten, arbeiten sie ehrenamtlich für den FC Kirchberg. Ende Jahr soll Schluss sein.

Beat Lanzendorfer
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Angela und Erwin Scherrer mit dem Holzherz, das sie zu ihrer diamantenen Hochzeit geschenkt bekamen sowie einem von 100 gefüllten Samichläusen, mit denen sie anderen Menschen eine Freude bereiten.

Angela und Erwin Scherrer mit dem Holzherz, das sie zu ihrer diamantenen Hochzeit geschenkt bekamen sowie einem von 100 gefüllten Samichläusen, mit denen sie anderen Menschen eine Freude bereiten.

Bild: Beat Lanzendorfer

Viel mehr geht nicht. Ehrenmitglied ist er seit dem Jahr 2002. Acht Jahre später ist er zusammen mit seiner Ehefrau zu «Helfern des Jahres» gekürt worden. Die Rede ist von Erwin und Angela Scherrer. Gemeinsam haben sie sich weit mehr als ein Jahrhundert für den FC Kirchberg eingesetzt.

Auf Ende Jahr haben sie nun ihren definitiven Rückzug angekündigt, welcher der angeschlagenen Gesundheit geschuldet ist. «Wir haben immer gesagt, solange uns die Füsse tragen, stehen wir zur Verfügung. Nun sind der Gang schwerer und die Füsse müder geworden», sagt Angela.

Und weiter: «Nun ist es definitiv an der Zeit, unsere Ämter jüngeren Händen zu übertragen.» Wer kann es ihnen verdenken: Erwin hat Jahrgang 1931, Angela ist 1935 zur Welt gekommen.

Ein Abschied in Raten

Zum FC Kirchberg ist Angela durch Erwin gekommen, der beim Fussballclub die Juniorenabteilung durchlief und später in der 2. Mannschaft sowie bei den Senioren kickte. Als sich einmal niemand finden liess, der die Tenüs wusch, sprang Angela spontan ein. Sie behielt dieses Amt während sage und schreibe 55 Jahren.

«In dieser Zeit sind mir speziell die Frauen ans Herz gewachsen. Als es 2015 nach dem Abstieg aus der Nationalliga B zur Auflösung der Frauenmannschaft und zum Wiederbeginn in der 3. Liga kam, sah ich den Zeitpunkt als gekommen, als Wäschefrau aufzuhören.»

Seither erledigte sie noch die Gartenarbeiten rund ums Clubhaus oder half im Herbst beim CS-Cup. Ihr Basteltalent hat sie auch dafür verwendet, das Clubhaus mit eigenen Tischkreationen zu verschönern.

Beruflich dem gleichen Betrieb die Treue gehalten

Ehemann Erwin war beruflich zeitlebens bei der Elektrizitätsversorgung Kirchberg (EVK), der späteren Energie Kirchberg AG und dem jetzigen Regionalwerk Toggenburg AG (rwt) angestellt. «Es hat mir immer gefallen, deshalb sah ich nie einen Grund zu wechseln.»

Nachdem er seine Fussballschuhe an den Nagel hängte, hat er mehrere Aufgaben innerhalb des Vereins wahrgenommen. 1996 – im Jahr, in dem er in den dritten Lebensabschnitt übertrat – übernahm er erste Arbeiten auf der 1991 eingeweihten Sportanlage Sonnmatt. Vier Jahre später erklärte er sich bereit, die Nachfolge von Andreas Breitenmoser als Platzwart anzutreten.

Fortan war er während 14 Jahren täglich auf dem Fussballplatz anzutreffen und sorgte dafür, dass die Sonnmatt zu den bestgepflegtesten Sportanlagen der Region zählte. Nach seiner Platzwart-Pensionierung führte er Kontrollgänge aus und hielt die Umgebung rund um das Clubhaus sauber.

Die diamantene Hochzeit gefeiert

Ganz beiläufig erwähnen die beiden ihre diamantene Hochzeit, die sie im Oktober 2018 feierten. Mittlerweile sind sie sogar 61 Jahre verheiratet. «Wir durften im Beisein unserer Familie und mit vielen Freunden eine von Wallfahrtspriester P. Walter Strassmann geleitete Messe geniessen. Ich habe Erwin dabei gedankt, dass er es so lange mit mir ausgehalten hat, umgekehrt gelte dies aber auch», sagt Angela lachend. Erwin ergänzt:

«Wir brauchen einander wie am ersten Tag, es ist ein riesiges Geschenk, wenn man so eine lange Zeit miteinander verbringen darf.»

Der Dietschwiler und die Gähwilerin haben sich einst beim Bahnhof Wil zum ersten Mal gesehen. In Kirchberg wohnen sie seit dem Bezug eines Eigenheims am Bäreweg 1961. Dort fühlen sie sich ausgesprochen wohl und geniessen die gemeinsame Zeit speziell im gemütlichen Wintergarten.

Der FC Kirchberg geht trotzdem nicht vergessen

Auch wenn der Gang etwas schwerer geworden ist, vom Basteln lässt sich Angela Scherrer nicht abhalten. «Die Hände können immer noch, bemerkt sie bestimmt.» Wie in den Jahren zuvor hat sie 100 Samichläuse mit feinem Inhalt angefertigt – mit Erwin als Assistent. Die Chläuse sind als Geschenk gedacht, mit denen sie anderen Menschen eine Freude bereiten.

Ganz ohne den FC Kirchberg scheint es auch in Zukunft nicht zu gehen: «Wir spazieren praktisch täglich mit den Walking­stöcken um die Sportanlage, den Bewegung ist die beste Medizin», bemerkt Erwin abschliessend. Und weil sie in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Fussballplätzen wohnen, möchten sie weiterhin auch vereinzelt Spiele besuchen.