Wil/Toggenburg
Warum die Orientierungsläufer der Region Wil weiterhin nicht vom Weg abkommen und neu von einer Frau geführt werden

Mit der 48-jährigen Anita Rüegg steht erstmals eine Frau an der Spitze der OL Regio Wil – sie tritt die Nachfolge von Pirmin Schneider aus Ebnat-Kappel an.

Beat Lanzendorfer
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Anita Rüegg dürfte es als Präsidentin der OL Regio Wil in Zukunft nicht langweilig werden.

Anita Rüegg dürfte es als Präsidentin der OL Regio Wil in Zukunft nicht langweilig werden.

Bild: Beat Lanzendorfer

Die Mitglieder der OL Regio Wil, die sich dem Orientierungslauf verschrieben haben, bleiben auch in Zukunft nicht orientierungslos. Was hingegen neu ist: Erstmals in der 33-jährigen Vereinsgeschichte übernimmt mit der 48-jährigen Anita Rüegg eine Frau das Präsidentenamt.

Sie kennt den Verein in- und auswendig

Als langjähriges Vorstandsmitglied kennt sie den Verein in- und auswendig. Sie war seit 2011 Vizepräsidentin, Verantwortliche «Sport-verein-t» und leitete das Projekt «sCOOL». Bei diesem wird Schülerinnen und Schülern der Orientierungslauf nähergebracht. Für diese beiden Ressorts wird sie weiterhin die Verantwortung tragen.

Sie wisse um die Anforderungen, welche das Präsidentenamt mit sich bringe. Es sei durchaus vergleichbar mit der Führung einer Firma.

«Ich bin voll motiviert und weiss, dass ich auf einen tollen Vorstand und viele engagierte Mitglieder zählen kann, deshalb freue ich mich auf meine neue Aufgabe.»

Sie schätze sich glücklich, dass sie von ihrem Vorgänger Pirmin Schneider einen gesunden, aktiven und gut geführten Verein übernehmen dürfe. «Pirmin hat in seinem letzten Amtsjahr über tausend E-Mails beantwortet. Mein Ziel wäre es, mehr Aufgaben auf die einzelnen Ressorts zu verteilen. Ich bin gespannt, ob sich dies umsetzen lässt.» Pirmin Schneider bleibt nach seinem Rücktritt bei der OL Regio Wil nicht untätig. Er wird neuer Präsident des Regionalverbandes Nordostschweiz.

Der Verein zählt rund 250 aktive Mitglieder

Die OL Regio Wil sei gemäss Anita Rüegg ein sehr engagierter und vielfältiger Verein mit rund 250 Mitgliedern im Alter zwischen 5 und 95 Jahren. Aushängeschilder sind die Gebrüder Daniel und Martin Hubmann, die national und international grosse Erfolge feiern.

Die neue Präsidentin rechne damit, dass sie rund einen Tag in der Woche in ihr Amt investieren müsse. «Ich hoffe sehr, dass ich meine Zeit für spannende OL-Projekte einsetzen darf und nicht wie zuletzt für die Ausarbeitung von Schutzkonzepten.»

Daniel Hubmann ist nicht nur ein Aushängeschild in der Schweizer OL-Szene, er ist Mitglied der OL Regio Wil.

Daniel Hubmann ist nicht nur ein Aushängeschild in der Schweizer OL-Szene, er ist Mitglied der OL Regio Wil.

Bild: Dominik Wunderli (Schwarzenberg, 30. August 2020)

Zu den schönen Aufgaben würde die Organisation von Einsteigertrainings gehören, aber auch internationale Events. Im Moment liege der Schwerpunkt bei den Vorbereitungsarbeiten des Toggenburger Weekends 2022 mit der Schweizermeisterschaft am 11. September auf der Sellamatt sowie einem regionalen Wettkampf tags zuvor.

«Wir sind schon jetzt daran, die Gebiete zu kartieren, die Bewilligungen einzuholen und die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.»

Darüber hinaus seien diverse andere Projekte wie die sCOOL-Tage oder die Oepfel-Trophy-Events in der Pipeline.

Wegen Corona fehlt zurzeit der Nachwuchs

Aber selbstverständlich dürfte auch die aktuelle Lage nicht ausser Acht gelassen werden. «Im letzten Jahr mussten wir in den Frühlingsferien den beliebten Schüler-OL-Kurs absagen und konnten auch keine Einsteiger-Trainings anbieten. Dadurch fehlt uns zurzeit etwas der Nachwuchs.» In diesem Jahr sei der Schülerkurs vom 12. bis 14. April geplant. «Wir sind zuversichtlich, dass wir ihn durchführen können.»

Wie bringe sie einem Aussenstehenden den Orientierungslauf näher? «Man kann die Sportart zusammen betreiben, indem man zum Beispiel mit der Familie ins Training kommt.» Die Einheit könne dann jeder seinem Niveau entsprechend absolvieren. Es gebe einfache und anspruchsvolle Bahnen, längere oder kürzere. «Und mit etwas Glück sind auch unsere Elite- und Nachwuchskaderläufer mit im Training.»

Vom Thurgau ins Toggenburg

Im Thurgau aufgewachsen, lebt Anita Rüegg heute mit ihren zwei fast erwachsenen Töchtern Sofie und Fiona in Mosnang. Sie ist gerne in der Natur unterwegs und verbringt im Sommer als Alternative zum Orientierungslauf auch Zeit auf dem Rennvelo oder auf dem Bike.

Im Winter wechselt sie auf die Skipiste oder auf die Langlaufloipe. Als Mitglied der Läuferriege Mosnang ist sie häufig auch mit Laufschuhen unterwegs, dann aber für einmal ohne Karte und Kompass. Der Ausdruck vom Sportvirus befallen ist bei ihr durchaus zutreffend.

Zum Orientierungslauf sei sie in der 3. Klasse durch ihren OL-begeisterten Lehrer gekommen und weil sie sich schon früher gerne in der Natur aufhielt. «Da wir zu Hause aber auch noch Reitpferde hatten, musste ich mich für eine Sportart entscheiden und habe erst mit 28 Jahren vom Spring- und Dressursport wieder zum Orientierungslauf gewechselt.» Diesen Entschluss habe sie bis heute nicht bereut.