Wildhauser Tagung freisinniger Bauern: Ruf nach Gentechnik wird lauter

Das Verbot chemischer Pflanzenschutzmittel verlange eine Diskussion um gentechnisch veränderte Lebensmittel.

Adi Lippuner
Merken
Drucken
Teilen
Bruno Inauen, Leiter St.Galler Amt für Landwirtschaft, Eva Reinhard, Leiterin Agroscope, Simon Lässer, Fahrmaadhof, Diepoldsau, und Peter Nüesch, Präsident Fachausschuss Landwirtschaft FDP (von links.Bild: Adi Lippuner

Bruno Inauen, Leiter St.Galler Amt für Landwirtschaft, Eva Reinhard, Leiterin Agroscope, Simon Lässer, Fahrmaadhof, Diepoldsau, und Peter Nüesch, Präsident Fachausschuss Landwirtschaft FDP (von links.Bild: Adi Lippuner

An der Wildhauser Tagung freisinniger Bäuerinnen und Bauern steht jeweils ein aktuelles Thema im Zentrum. Am Samstag war das die Frage, ob eine Landwirtschaft ohne Pflanzenschuz möglich ist. Unter der Leitung von Peter Nüesch, Präsident Fachausschuss Landwirtschaft diskutierten und referierten Eva Reinhard, Leiterin Agroscope, Schweizer Forschung für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt, Simon Lässer, Leiter Anbau und Kulturen, Fahrmaadhof, Diepoldsau und Bruno Inauen, Leiter Amt für Landwirtschaft Kanton St. Gallen.

Einig waren sich die Anwesenden, dass die Nahrungsmittel-Produktion für die Bevölkerung, aber auch der achtsame Umgang mit der Umwelt wichtig sind. «Aber wenn chemische Pflanzenschutzmittel verboten werden, braucht es neue Technologien», so der Wunsch eines Tagungsteilnehmers. Rasch waren sich sowohl Referenten als auch einige Votanten einig, dass diesbezüglich vermehrte Aufklärung der Bevölkerung wichtig ist. «Im Ausland konnten bei Zuckerrüben gute Resultate mit der Gentechnik erreicht werden, bei uns ist es nicht erlaubt und deshalb sind einfache Antworten kaum möglich. Was aber bei der ganzen Diskussion beachtet werden muss, ist der ethisch-moralische Aspekt der Ernährung,» so Eva Reinhard.

Neue Schädlinge gezielt bekämpfen

Gerade im Bezug auf Schädlinge – die Referentin nannte die Kirschessigfliege, die marmorierte Baumwanze, den Maiswurzelbohrer, den Japankäfer und die Bananenschildlaus – wäre im ersten Moment eine chemische Bekämpfung am effektivsten, die Suche nach Alternativen dauere meist zu lange. Deshalb die klare Meinung von Eva Reinhard: «Ein völliger Verzicht auf chemische Mittel wird nicht möglich sein.»

Eine weitere – in der Schweiz allerdings nicht zugelassene Möglichkeit – wäre, mit Hilfe neuer Technologien, also mit genveränderten Pflanzen, gegen die Schädlinge anzutreten. Die Angst in der Bevölkerung, dass in der Natur etwas ausgebracht werde, dass sich unkontrolliert entwickle, sei nun einmal vorhanden. Trotzdem gelte es, die technischen Möglichkeiten und Chancen im Auge zu behalten. «Wir müssen aufpassen, dass wir den Anschluss nicht verpassen.»

Ein weiteres Thema, angeregt durch das Votum eines Tagungsteilnehmers, waren die unterschiedlichen Begriffe zwischen der Humanmedizin und dem Pflanzenschutz. «Beim Menschen spricht man von Medikamenten, bei den Pflanzen sind es Pestizide. Zudem gelangen nicht nur Pflanzenschutzmittel sondern auch Medikamentenrückstände in die Gewässer, angeprangert werden aber immer die Bauern.»

Anforderungen von Handel und Konsumenten

Für Simon Lässer ist die ständige Kritik an den Bauern ungerecht. «Produkte müssen perfekt, zu jeder Jahreszeit in genügender Menge vorhanden sein, aber unsere zusätzlichen Anforderungen wie Abstände zu Gewässern und zum Wald und der Bau von Waschplätzen, um nur einige Punkte zu nennen, werden nicht anerkannt. Wir stehen trotz Einhaltung vom Vorschriften und Richtlinien ständig am Pranger.» Innerhalb von acht Jahren seien 15 Wirkstoffe verboten worden, aber nur drei neu dazu gekommen.

Bruno Inauen, Leiter St.Galler Landwirtschaftsamt, zeigte auf, was vom Kanton geleistet wird und in welcher Form Landwirte im Umgang mit der Pflanzenschutzmittel-Herausforderung unterstützt werden. Wöchentliche Felderhebungen, Informationsdienste wie der telefonische Pflanzenschutzwarndienst aber auch Infoblätter für Acker-, Wein- und Obstbauern und die Einführung neuer Technologien seien Angebote des Kantons.