Wildhaus
«Ich will mal den Schwägalp-Schwinget gewinnen»: Im Königscamp lernt der 13-jährige Matthias Siegrist aus Nesslau von den Besten

Gut 80 Jungschwinger trainieren diese Woche oberhalb von Wildhaus mit Profis. Sie kommen aus allen fünf Teilverbänden des Landes, darauf wird bei der Selektion nach den Anmeldungen geachtet. Einziger Teilnehmer aus der Region ist bei der neunten Ausgabe Matthias Siegrist vom Schwingclub Wattwil.

Larissa Flammer
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Die beiden Gasttrainer Andreas Döbeli und Joel Strebel zeigen einen Schwung vor.
14 Bilder
Die Jungschwinger beim Training.
Die Jungschwinger beim Training.
Auch Ausflügler schauen den beiden Gasttrainern zu.
Der Toggenburger Matthias Siegrist (mit Hosenträgern) packt zu.
Sieg für Siegrist.
Auch diesen Gang gewinnt der Nesslauer.
Gasttrainer und Spitzenschwinger Andreas Döbeli beobachtet Siegrist und seinen Gegner genau.
Die Jungschwinger beim Training.
Die Jungschwinger beim Training.
Andreas Döbeli (in blau) und Joel Strebel (in weiss) zeigen Dehnübungen vor.
Die Jungschwinger beim Training.
Die Jungschwinger beim Training.
Die Jungschwinger beim Training.

Die beiden Gasttrainer Andreas Döbeli und Joel Strebel zeigen einen Schwung vor.

Bild: Larissa Flammer

Wanderer und Biker bleiben neugierig stehen. Vor dem Berggasthaus Oberdorf in Wildhaus trainiert auf einem Sägemehlplatz der Schwingernachwuchs. Viele Ausflügler lassen die Aussicht für Minuten links liegen und beobachten stattdessen die Schwinger.

Am Dienstagvormittag läuft gerade das Technik-Training. Die Jugendlichen sollen sich abwechselnd gegenseitig mit dem neu gelernten Schwung auf den Rücken werfen. «Ich lasse mich doch nicht fallen wie ein Härdöpfelsack», sagt einer zu seinem Gegner, als dieser sich über zu viel Gegenwehr beschwert.

Teilnehmer aus der ganzen Schweiz

78 Jungschwinger zwischen 10 und 15 Jahren nehmen diese Woche am Königscamp teil. Sie kommen aus allen fünf Teilverbänden und damit aus der ganzen Schweiz, dafür hat Organisator Roger Fuchs bei der Selektion geachtet. Er sagt: «Wir haben immer mehr Anmeldungen als Plätze.» Deshalb werde auf eine gute Durchmischung geachtet.

Der Toggenburger Matthias Siegrist (mit Hosenträgern) beim Training.

Der Toggenburger Matthias Siegrist (mit Hosenträgern) beim Training.

Bild: Larissa Flammer

Einer der Teilnehmer ist der 13-jährige Matthias Siegrist aus Nesslau. Er ist schon zum zweiten Mal dabei. Das Taktik-Training gefällt ihm am besten. Die speziellen Schwünge, die er vor einem Jahr gelernt hat, sind ihm noch gut in Erinnerung. Auf die Frage, warum er schwingt, antwortet Siegrist:

«I bi chli en Ruech.»

Und beim Schwingen könne er «ruechen». Seit fünf Jahren geht der Nesslauer dem Sport nach. Diesen Juni durfte er am Nordostschweizer Nachwuchsschwingfest in Herisau starten: «Es war eine gute Erfahrung, auch weil ich vor Publikum schwingen konnte. Die Stimmung war toll», sagt Siegrist und strahlt.

Matthias Siegrist.

Matthias Siegrist.

Bild: Larissa Flammer

Der Toggenburger ist Mitglied beim Schwingclub Wattwil, doch sein Vorbild, der Eidgenosse Philipp Reusser, kommt aus dem Kanton Bern. Siegrist erklärt: «Er schwingt schnell, das gefällt mir.» Geduld sei nicht so seine Stärke, gibt der 13-Jährige mit einem Lachen zu. Im Sägemehl beweist er, dass er auch anders kann. Wieder und wieder lässt er sich von seinem Gegner das Bein stellen, bis dieser den «Wyberhaken» beherrscht.

Ein ehemaliger Teilnehmer ist Gasttrainer

Neben der Technik können die Jungschwinger in Wildhaus auch punkto Persönlichkeitsentwicklung profitieren. Organisator Fuchs sagt: «Hier lernen sie sich gegen Fremde durchzusetzen.» Denn auf Stufe Jugend messe man sich im Schwingen sonst nur innerhalb des eigenen Verbandes.

Roger Fuchs.

Roger Fuchs.

Bild: Larissa Flammer

Fuchs ist kein Schwinger, sondern Fussballer. «Ich war früher im nationalen Fussballlager und habe gesehen, dass es das im Schwingen nicht gibt.» Nächstes Jahr feiert sein Königscamp bereits das Zehn-Jahr-Jubiläum. Gedankenspiele für ein spezielles Programm stellt der gebürtige Bazenheider bereits an:

«Mein Wunschtraum wäre es, alle Schwingerkönige an einem Tag hier zu haben.»

In diesem Jahr leiten die beiden Berner Oberländer Schwingerkönige Kilian Wenger und Matthias Glarner eines der Trainings. Am Dienstag sind die beiden Nordwestschweizer Schwinger Joel Strebel und Andreas Döbeli Gasttrainer. Für Döbeli ist es eine Rückkehr: Er war am allerersten Königscamp im Jahr 2013 als Teilnehmer dabei.

Die Gasttrainer Joel Döbeli (in Blau) und Joel Strebel führen die Übungen vor.

Die Gasttrainer Joel Döbeli (in Blau) und Joel Strebel führen die Übungen vor.

Bild: Larissa Flammer

Döbeli will den Jungschwingern vor allem Freude mitgeben. «Damit sie dranbleiben, auch wenn sie dann in die Lehre kommen.» Das sei eine entscheidende Phase für eine gute Karriere:

«Wenn man das Training dann schleifen lässt und viel an Partys geht, wird es schwierig.»

Welche Pläne hat Siegrist? Der Toggenburger, der schon heute gerne im Stall hilft, will Landwirt lernen. Gleichzeitig weiter zu schwingen, das gehe gut, sagt der 13-Jährige, der ein konkretes Ziel hat: «Ich will mal den Schwägalp-Schwinget gewinnen.»

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