Wildhaus: Bei den Bürgern herrscht Unmut wegen 30 Meter Strasse

Damit das ehemalige Gemeindehaus umgebaut werden kann, hätte die Gemeinde
einen Teil des Vorplatzes als Gemeindestrasse 3. Klasse klassieren müssen. Eine Petition möchte das verhindern.

Sabine Schmid
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Da die Erschliessung der Parkplätze für das ehemalige Gemeindehaus (rechts) über den Platz erfolgen sollte, müsste die Gemeinde den Platz als Gemeindestrasse 3. Klasse klassieren. (Bild: Sabine Schmid)

Da die Erschliessung der Parkplätze für das ehemalige Gemeindehaus (rechts) über den Platz erfolgen sollte, müsste die Gemeinde den Platz als Gemeindestrasse 3. Klasse klassieren. (Bild: Sabine Schmid)

Die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann hat das ehemalige Gemeindehaus in Wildhaus bereits vor über fünf Jahren veräussert. Trotzdem beschert die Liegenschaft dem Gemeinderat derzeit viel Arbeit. Die Besitzer wollen das Haus umbauen und erweitern, acht Wohn- und Büroeinheiten sollen im neu dreistöckigen Gebäude untergebracht werden. Diese Erweiterung bringt mit sich, dass mehr Parkplätze gebaut werden müssen. Für deren Erschliessung berief sich die Bauherrschaft auf ein eingetragenes Fuss- und Fahrwegrecht zwischen ihr und der Gemeinde, die das Nachbargrundstück besitzt.

Ein Rekurs gegen ein bewilligtes Projekt für den An- und Aufbau des ehemaligen Gemeindehauses rief den Kanton auf den Plan (siehe Infobox), der die Situation in Bezug auf die verkehrsmässige Erschliessung zu beurteilen hatte. Das kantonale Tiefbauamt stellte dabei fest, dass das bestehende Fuss- und Fahrwegrecht nach der Umsetzung des Bauvorhabens nicht mehr anwendbar sei. Der Bereich zwischen der Tanzhusstrasse (Gemeindestrasse 3. Klasse) und den Parkplätzen erschliesse mehr als ein Grundstück und mehrere Wohneinheiten, darum sei ein öffentliches Interesse gegeben. Demzufolge sei der Abschnitt als Fortsetzung der Gemeindestrasse 3. Klasse neu zu klassieren.

Bauprojekt wird überarbeitet

Die Bauherrschaft reichte im August 2017 ein Baugesuch für den An- und Aufbau am ehemaligen Gemeindehaus Wildhaus ein. Dagegen gingen Einsprachen ein. Der Gemeinderat Wildhaus-Alt St. Johann hat diese abgewiesen und erteilte die Baubewilligung. Gegen diesen Entscheid wurde Rekurs erhoben. Wie Gemeindepräsident Rolf Züllig erklärte, hat der Gemeinderat die Bewilligung auf Wunsch der Bauherrschaft zurückgezogen, der hängige Rekurs wurde abgeschrieben. Die Bauherrschaft erarbeitete ein geändertes Projekt, welches während der Auflage bereits wieder mit Einsprachen belegt wurde. (sas)


200 Bürger unterschreiben eine Petition

Der Gemeinderat entschied, die Strasse gänzlich auf dem gemeindeeigenen Areal anzulegen. Sie wäre weder durch Farbe noch durch bauliche Elemente ersichtlich gewesen. Der Gemeinderat erliess einen entsprechenden Teilstrassenplan und legte diesen im Juli auf. «Damit schufen wir die nötige Voraussetzung, um einem neuerlichen Baugesuch eine Chance zu geben, nachdem die Bauherrschaft ihr erstes Gesuch zurückgezogen hatte», erklärt Gemeindepräsident Rolf Züllig. Anwohner störten sich jedoch am Vorgehen der Gemeinde und lancierten eine Petition. Sie argumentierten, dass die Strassenführung eine «extreme Bevorteilung der Bauherrschaft und eine eindeutige Benachteiligung der Einwohner und Steuerzahler der Gemeinde bedeute». Die Gemeindeliegenschaft erleide wegen des geringen Abstandes zur Strasse «einen klaren baulichen Nachteil und eine damit verbundene finanzielle Einbusse». In der Petition, die von 200 Bürgerinnen und Bürgern unterzeichnet wurde, forderten sie den Gemeinderat auf, «einen Entscheid im Interesse der Einwohner zu fällen».

Der Gemeinderat nahm die Petition entgegen und trägt dieser Rechnung. «Wir haben an der letzten Sitzung entschieden, den Teilstrassenplan zurückzuziehen, respektive nicht dem Kanton zur Genehmigung zu unterbreiten», sagt Rolf Züllig. Somit werde der Platz nicht als Strasse klassiert und die Bauherrschaft müsse bezüglich der Parkplatzsituation und ihrem Bauvorhaben erneut über die Bücher.

Qualitative Innenentwicklung umsetzen

Rolf Züllig wehrt sich gegen den Vorwurf der Bevorteilung der Bauherrschaft. Der Gemeinderat sehe das Bauprojekt im Tanzhus als ein «interessantes Projekt» im Hinblick auf die innere Verdichtung in den Dörfern, die im Raumplanungsgesetz vorgegeben und von den Gemeinden gefordert wird. Der aufgelegte Teilstrassenplan unterstützt die gewünschte Verdichtung in der Kernzone. Ein Nachteil für die gemeindeeigene Liegenschaft ist nicht ersichtlich, zumal die Erschliessung derselben über die Dörflistrasse hinreichend gesichert sei. «Wenn sich nun ein Teil der Bevölkerung im Grundsatz dagegen wehrt, müssen wir uns überlegen, wie wir die Anforderung an die qualitative Innenentwicklung mit Zustimmung der Bevölkerung umsetzen können», sagt Rolf Züllig.

Liegenschaft gehört der Genossenschaft Bionarc

Die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann hat nach der Fusion die Verwaltung in Alt St. Johann zentralisiert. 2013 verkaufte sie das ehemalige Gemeindehaus in Wildhaus an ein Ehepaar, welches das Haus zuvor als Mieter bewohnte. Dieses verkaufte die Liegenschaft in diesem Jahr an die Bionarc Genossenschaft. Wie der «Beobachter» in seiner Ausgabe 16 schrieb, gehören die Genossenschafter zu einer Gruppe, die englische Medien als Sekte bezeichnen. Die Genossenschaft habe den Sitz in Wildhaus, ist in der Zeitschrift zu lesen. Gemäss Statuten handelt es sich um eine Vereinigung für Beratungen und Schulungen im Bereich erneuerbare Energien, die auch mit Immobilien handle. Die Mitglieder führten «gemeinnützige Aktivitäten auf biblischer Grundlage» durch. Sie seien neun Freunde, die auf der Grundlage der Bibel zusammen geschäften, lässt sich Genossenschaftspräsident Patrick Rupf im «Beobachter» zitieren. (sas)