Wildhaus-Alt St.Johann ist das touristische Zentrum des Toggenburgs

Die Obertoggenburger Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann prägt den Tourismus im Thur- und Neckertal. Dies belegen die Übernachtungszahlen.

Sabine Camedda
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In Wildhaus-Alt St.Johann steigen deutlich am meisten Hotelgäste ab, die in die Tourismusdestination Toggenburg reisen.

In Wildhaus-Alt St.Johann steigen deutlich am meisten Hotelgäste ab, die in die Tourismusdestination Toggenburg reisen.

Bild: Martin Lendi

Über 53'000 Gäste konnten die Toggenburger Hoteliers im vergangenen Jahr in ihren Häusern begrüssen. Sie generierten insgesamt über 120'500 Logiernächte. Somit blieb ein Hotelgast während 2,2 Nächten in einem Toggenburger Hotelbetrieb (das «Toggenburger Tagblatt» berichtete).

Die vom Bundesamt für Statistik erfassten Zahlen stammen aus 48 Betrieben in den Gemeinden des Wahlkreises Toggenburg. Am meisten davon, nämlich 21 Betriebe, sind in der Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann. Sie verfügen über insgesamt 1051 Hotelbetten. Dies entspricht einem Anteil von 64,5 Prozent des ganzen Angebots im Toggenburg.

Vor allem Feriengäste in Wildhaus-Alt St.Johann

Die jüngste Statistik des Bundes weist für die oberste Toggenburger Gemeinde ebenfalls den weitaus grössten Anteil an Ankünften und Logiernächten aus. 72 Prozent aller Gäste steigen in einem Hotelbetrieb in Wildhaus-Alt St.Johann ab.

Ebenso gross ist der Anteil der Gemeinde bezüglich der Logiernächte. Den Löwenanteil davon machten Feriengäste aus, schätzt Christian Gressbach, Geschäftsführer von Toggenburg Tourismus. Die grösseren Hotels begrüssen zudem Seminargäste, die auch in den betreffenden Häusern nächtigen.

Übernachtungstourismus für die Gemeinde bedeutend

Für die Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann ist der Übernachtungstourismus bedeutend. «Einerseits gibt es die direkte Wertschöpfung für die touristischen Betriebe, andererseits die indirekte für das Gewerbe», sagt Christian Gressbach. «Beide sind vom Tourismus und somit von einer guten Wirtschaft abhängig.»

Aus diesem Grund würden auch Tourismusförderungsabgaben bezahlt, die den für Wildhaus-Alt St.Johann bedeutenden Wirtschaftszweig fördern. Dazu kommt: Je mehr Gäste in der Gemeinde nächtigen, desto mehr Kurtaxen werden eingezogen und dieses Geld kann zweckgebunden für Projekte und Produkte im Tourismus eingesetzt werden.

Übernachtungsgäste bleiben länger in Hemberg

Insgesamt 18'108 Übernachtungen wurden im Jahr 2019 in den Gemeinden Nesslau, Ebnat-Kappel, Hemberg und Neckertal gezählt. In der Gemeinde Nesslau sind vier Betriebe in der Statistik aufgeführt. Sie bieten insgesamt 64 Hotelbetten an. Weitere drei Betriebe mit insgesamt 70 Hotelbetten gibt es gemäss der Statistik in der Gemeinde Ebnat-Kappel.

Im Neckertal werden fünf Hotelbetriebe gezählt, die 117 Betten anbieten, in Hemberg kommen 77 Betten auf drei Betriebe. Die Statistik weist für Hemberg eine Verweildauer von 3,64 Nächten pro Gast aus. Das liegt klar über dem Durchschnitt der Region. Neckertal hingegen liegt mit 1,41 Nächten deutlich darunter.

Stammgäste im «Alpenblick» erhöhen Verweildauer

Christian Gressbach führt die längere Verweildauer auf Stammgäste in der Pension Alpenblick in Hemberg zurück. Eine längere Verweildauer der Gäste sei ökologisch und ökonomisch positiv für die Gemeinde und die ganze Region.

«Es ist wichtig, dass wir solche Pensionen haben, wo die Gäste nicht nur ein oder zwei Tage Ferien machen», sagt Christian Gressbach. Nicht zuletzt, weil der Gast länger als nur zwei Tage brauche, um den Alltagsstress hinter sich zu lassen.

«Menschen ziehen Menschen an»

Der Anteil von rund 15 Prozent in diesen vier Gemeinden könne nur schwer gesteigert werden, sagt Christian Gressbach. Möglich wäre dies einzig mit einem neuen Betrieb. Könnte die Auslastung erhöht werden, würde dies gemäss dem Touristiker eher im gesamten Toggenburg geschehen. «Ich sage immer: Menschen ziehen Menschen an. Somit glaube ich eher, dass die Prozentzahl in Wildhaus-Alt St.Johann eventuell leicht steigen wird und in diesen vier übrigen Tourismusgemeinden eher stabil bleibt.»

Das verstärkte Engagement von Toggenburg Tourismus im Neckertal und in den übrigen Toggenburger Gemeinden begründet Christian Gressbach mit der Angebotspalette im ganzen Toggenburg, wie zum Beispiel dem Baumwipfelpfad oder der Wolzenalp, die für alle Gäste verweilend sind.

Als Folge sollten mehr Gäste in diesen Gemeinden übernachten, teilweise in Bed & Breakfast-Angeboten und in Ferienwohnungen. «Darum spielen wir schon länger mit dem Gedanken, unsere Tochterfirma Berg&Bett ebenfalls in diesen Gebieten einzusetzen und somit den Übernachtungstourismus in Ferienwohnungen zu fördern», sagt Christian Gressbach.

Nicht mehr Kapazität, aber mehr Auslastung

Rund 12 Prozent der Übernachtungsgäste steigt in Hotelbetrieben in den Gemeinden im unteren Thurtal ab. Auffallend ist, dass in der Toggenburger Zentrumsgemeinde Wattwil gerade einmal ein Betrieb mit elf Betten in der Statistik gezählt wird. Zwei grosse Betriebe sind der Toggenburgerhof in Kirchberg mit 52 Betten und der Landgasthof Rössli in Tufertschwil mit 47 Betten.

«In diesem Gebiet sollte eine Stabilisierungsstrategie gefahren werden. Das heisst, es braucht in diesen Gemeinden aus meiner Sicht nicht mehr Kapazität mit neuen grossen Betrieben, aber die Auslastung kann saisonal gesteigert werden», sagt Christian Gressbach. Dafür seien aber nicht allein die Hoteliers zuständig, sondern alle touristischen Partner in der Umgebung. «Sie alle tragen dazu bei, dass ein Gast mehr Erlebnis-Möglichkeiten hat und somit länger in der Region bleibt.»

Der Seminartourismus sei für die grossen Betriebe im unteren Thurtal sehr wichtig. «Wir haben grosse Möglichkeiten im Bereich Incentives – also Belohnungen für Mitarbeiter – oder bei Seminaren, die zusätzlich zur Tagung oder Klausur ein spezielles Rahmenprogramm suchen», sagt Christian Gressbach. «Da haben wir im Toggenburg eine grosse Vielzahl von Angeboten von der Klangwelt über die Kulinarik bis hin zu sportlichen Aktivitäten.»

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