Wie kann Lichtensteig mehr Einwohner anziehen? Einheimische und Auswärtige arbeiten offline und online an neuen Ideen

Der Verein Ort für Macherinnen und Macher und die Gemeinde Lichtensteig führten am Montag unter dem Motto «Ein Ort macht» einen Workshop durch. Dabei zeigte sich unter anderem: Das Städtli braucht eine neue Kommunikationsstrategie.

Sascha Erni
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Der Workshop wurde hybrid, also gleichzeitig on- und offline, durchgeführt.

Der Workshop wurde hybrid, also gleichzeitig on- und offline, durchgeführt.

Bild: Sascha Erni (Lichtensteig, 23. November 2020)

«An Raum mangelt es nicht», sagte Stadtpräsident Mathias Müller am Montagabend im Lichtensteiger Macherzentrum. Die Gemeinde und der Verein Ort für Macherinnen und Macher hatten die Bevölkerung und auswärtige Interessierte dazu eingeladen, in einem Beteiligungsprozess die Kommunikationsstrategie des Städtchens zu formen.

Nach verschiedenen Umfragen, gesondert für Auswärtige und Einheimische, fand am 23. November der dazugehörige Workshop statt. Neben der Diskussion der Umfrageergebnisse stand dabei besonders das Brainstorming im Zentrum, das Sammeln von Ideen also.

2100 Einwohner als Zwischenziel bis 2024

Das Hauptanliegen der Gemeinde erläuterte Mathias Müller gleich in seiner Eröffnung: Lichtensteig möchte das Bevölkerungswachstum ankurbeln und als Zwischenziel bis 2024 von gegenwärtig rund 1900 auf gut 2100 Einwohnerinnen und Einwohner kommen. Denn mit den entstehenden Neubauten und dem bestehenden Leerstand sei, wie gesagt, der Platz dafür da.

Dass die Gemeinde mit diesem Anliegen nicht alleine steht, zeigten die Umfrageergebnisse. Über 95 Prozent der befragten Lichtensteigerinnen und Lichtensteiger würden sich über mehr Nachbarn freuen, fasste Susanne Sugimoto zusammen. Die Beraterin, die unter anderem als Leiterin der Medienstelle von Coop und als Geschäftsführerin der Onlineplattform «Republik» tätig war, erarbeitet zurzeit für die Gemeinde ein neues Kommunikationskonzept.

Hybrider Workshop als Chance

Zusammen mit Remo Rusca vom Ort für Macherinnen und Macher führte Susanne Sugimoto durch den Abend: Rusca offline im Macherzentrum, Sugimoto koordinierte die Online-Diskussion. Das hybride Format sei einerseits der Coronapandemie geschuldet, erklärte Rusca im Gespräch. Andererseits eröffnete sich so die Möglichkeit, mehr Auswärtige mit einzubeziehen und deren Sicht zu integrieren.

Beteiligungsprozesse in Zeiten von Corona bedürfen eines gewissen technischen Aufwands.

Beteiligungsprozesse in Zeiten von Corona bedürfen eines gewissen technischen Aufwands.

Bild: Sascha Erni (Lichtensteig, 23. November 2020)

Und tatsächlich nahmen Menschen aus Zürich, Basel und Rapperswil am Workshop teil. Zusammen mit den Menschen vor Ort kam so eine Gruppe von gut 20 Teilnehmenden zusammen.

Natur und Kulturangebot als Vorteil

Als Erstes diskutierte und ergänzte die Gruppe die Umfrageergebnisse. Während sich die Lichtensteiger Befragten vor allem offene und tolerante Zuzüger wünschten, standen für die Auswärtigen Ruhe und Freiraum im Fokus. Am potenziellen neuen Wohnort Lichtensteig schätzten sie die Nähe zur Natur, aber auch das umfangreiche Kulturangebot.

Die Auswärtigen zeigten sich erstaunt, wie vielfältig die Einkaufsmöglichkeiten in Lichtensteig sind. «Ich wurde gefragt, in welcher Gemeinde denn der nächste Bioladen stehe, und als ich sagte, hier in Lichtensteig, waren sie baff», erzählte etwa ein Workshop-Teilnehmer.

Information und proaktives Vorgehen

Interessierte darauf aufmerksam zu machen, was in Lichtensteig bereits geboten wird, schälte sich im Verlauf des dreistündigen Workshops als zentral heraus. Seien es die guten Verkehrsanbindungen, das kulturelle Angebot oder ebendie Lädeli – das sollte man bekannter machen, waren sich die Teilnehmenden einig.

Sie fassten es als Projektidee «Mini-Stadt geht in die Stadt» zusammen, eine Informationskampagne also, die in grösseren Städten vor Ort auf die Vorzüge Lichtensteigs aufmerksam machen soll.

Umgekehrt wollen andere Ideen Menschen proaktiv nach Lichtensteig holen, zum Beispiel mit einem Probewohnen für Studierende, Familien, aber auch Unternehmen. Und Städtli-intern diskutierte die Gruppe, wie der gemeinschaftliche Zusammenhalt und ein gewisser Stolz, hier wohnen zu dürfen, gefördert werden könnten.

Neue Kommunikationsstrategie ab Januar

Freute sich über «viele coole Ideen»: Stadtpräsident Mathias Müller.

Freute sich über «viele coole Ideen»: Stadtpräsident Mathias Müller.

Bild: Sascha Erni (Lichtensteig, 23. November 2020)

«Es kamen viele coole Ideen zusammen», freute sich Mathias Müller am Ende des Workshops. Nun würden sie gebündelt, damit man sie als konkrete Projekte umsetzen kann. Das geschehe bis zum 7. Dezember, denn dann steht mit der Gemeinderatssitzung der nächste Schritt auf dem Weg zu einer neuen Kommunikationsstrategie an. Ausgerollt werden soll die Strategie dann ab Januar 2021, wie Susanne Sugimoto ergänzte.