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Interview

Gardi Hutter bereitet sich in Lichtensteig auf ihr neues Programm vor

Loslassen, Frust und Freude sind in Gardi Hutters neustem Stück nahe beieinander. Sie erzählt von der anstehenden Vorpremiere im Chössi-Theater und davon, dass sie im Sterben schon recht geübt ist.
Michael Hug
Gardi Hutter – ungeschminkt – bereitet sich im Chössi-Theater auf die Vorpremiere vom Freitag vor. (Bild: Michael Hug)

Gardi Hutter – ungeschminkt – bereitet sich im Chössi-Theater auf die Vorpremiere vom Freitag vor. (Bild: Michael Hug)

Seit drei Wochen bereitet sich Gardi Hutter im Chössi-Theater in Lichtensteig auf die Vorpremiere ihres neunten Bühnenprogramms «Gaia Gaudi» vor. Im neuen Stück wird «Hanna» als Gaia wiedergeboren. Es wird eine Gaudi mit Gaia.

Gardi Hutter, Sie treten nächsten Freitag im Chössi-Theater auf?

Ja, und es ist absolut aufregend für uns, weil eine Premiere ist wie ein Sprung aus fünfzehn Metern ins kalte Wasser. Und man weiss nicht mal, ob es im Becken überhaupt Wasser hat. Es ist das totale Risiko. Das ist auch nach vierzig Jahren immer noch so, nach so viel Erfahrung, mit dem besten Regisseur, mit allem, was man hineinsteckt – ob es ein Schmetterling wird oder eine Raupe bleibt, man weiss es nie.

Auch wenn es «nur» eine Vorpremiere ist?

Nein nein, auch eine Vorpremiere ist eine Premiere, es ist das erste Mal vor Publikum. Wenn es misslingt, dann leiden wir. Der Unterschied ist nur die Grösse des Publikums, die Fallhöhe ist hier nicht so gross, aber ein Publikum ist ein Publikum, ob Zürich, New York oder Lichtensteig.

Dabei kommen Ihre Toggenburger Fans in den Genuss der Vorpremiere, warum sie?

Weil die Situation hier einfach grandios ist. Das Angebot des Chössi-Theaters, hier proben und auch wohnen zu können und als Gegenleistung eine Vorstellung zu geben, gibt es ganz selten in der Schweiz. Wenn wir das Chössi für diese Proben nicht hätten belegen können, hätten wir nach Berlin ausweichen müssen. Es ist für alle Künstler immer das gleiche Problem: der Platz. Den haben wir hier, ein ganz tolles Theater, professionell geführt und klug eingerichtet, Top-Leute um uns herum. Und dann hat ein genialer Bühnenbauer, Thomas Freydl, seine Werkstatt ganz in der Nähe.

Sie haben das Programm auch hier in Lichtensteig einstudiert?

Ja, wir sind nun drei Wochen hier. Vorher waren wir zwei Mal fünf Wochen in Berlin. Das Projekt ist vor zwei Jahren angebahnt worden. Wenn man einen guten Regisseur wie Michael Vogel und einen guten Probenort buchen will, muss man so früh anfangen. Doch das Stück selbst existiert in diesem Zeitpunkt erst als Idee. Man trifft sich dann und ich erläutere die Idee. Dann beginnt man mit der Arbeit. Das Stück entsteht bei der Arbeit, dazu haben wir fünfzehn Wochen. Fünfzehn intensive Wochen, in denen wir alle zusammen schaffen, zusammen im selben Raum, sechseinhalb Tage in der Woche.

Worum geht es im neuen Programm?

Es geht um den Generationenwechsel. Es geht darum, was passiert, wenn etwas von einer Generation zur nächsten weitergeht. Im Stück spielen mein Sohn, meine Tochter und meine Schwiegertochter mit. Es ist sehr vielschichtig. Übergabe, Loslassen, Frust und Freude sind sehr nah beisammen. Ich habe noch nie so ambivalente Gefühle gehabt bei einem neuen Stück.

Es geht also auch um einen Teil von Ihnen?

Ja, es findet ja auch real statt. Ich bin Hanna und Mutter. Das Spannende ist, dass wir unsere Konflikte, wenn wir sie denn lösen, auf der Bühne ins Groteske steigern können.

Aber Hanna hatte doch vorher nie Kinder?

Das war die Herausforderung im Stück: zu begründen, dass da plötzlich Kinder sind. Es war aber meine Anfangsidee: Die Jungen wollen ihren Platz und die Alten wollen nicht abtreten.

Wird es trotzdem ein lustiges Stück?

Doch, natürlich. Darunter mache ich’s nicht.

Was bedeutet der Titel «Gaia Gaudi»?

Gaia steht für Mutter Erde, die alles gebiert – die älteste Gottesvorstellung überhaupt. Und Gaudi ist das grosse Fest. Nachdem ich jetzt in acht Stücken sieben Mal am Schluss gestorben bin, dachte ich mir, dass ich schon ziemlich geübt bin im Sterben, und darum möchte ich mal anderen Ende anfangen und geboren werden. Das Sterben und Geborenwerden oder Gebären gehört zusammen, das eine ist ja das Ende des anderen. Mutter Erde, Gaia, gebärt alles und alles geht am Ende wieder in die Erde zurück.

Sie sind seit Jahren auf der Bühne zu sehen. Sind Sie noch nicht bühnenmüde?

Natürlich bin ich manchmal müde. Aber Spielen ist halt nach wie vor das Schönste für mich.

Ungefragt Ihres Alters, gedenken Sie sich bald mal pensionieren zu lassen?

Ich wäre ja eigentlich pensioniert, aber ich finde kein Hobby. Alles was ich gerne mache, kann ich im Beruf brauchen. Was andere als Hobby bezeichnen, ist bei mir Teil der Arbeit. Ich muss auch nicht so viel Velo fahren, die Arbeit hält mich von selber fit. Eine Stunde auf der Bühne ist Hochleistungssport.

Doch ihr Hobby, also Ihre Arbeit, zerrt auch an Ihren Kräften. Wollen Sie nicht etwas zurückschrauben?

Ich habe mir vorgenommen, ab nächstem Jahr nur noch achtzig Mal im Jahr aufzutreten statt hundertzwanzig Mal. Eine einfache Milchbuch-Rechnung: vier Monate Gaia, vier Monate meine Solos und vier Monate frei.

Was machen Sie, wenn Sie frei haben?

Nichts! Ich hänge zu Hause herum. Ich mag nicht reisen, das mache ich beruflich schon, ich mag nicht am Strand liegen, da würde ich nach zwei Tagen wahnsinnig. Ich habe gerne keinen Plan, ich habe gerne Zeit für mich und meine Familie und Freunde. Die kommen in der anderen Zeit, besonders wenn ich probe, viel zu kurz, da existiere ich für sie einfach nicht.

Wo geht es dann richtig los mit dem neuen Programm?

Nach der Chössi-Vorpremiere proben wir nochmals zwei Wochen und Mitte September geht es am Theater am Hechtplatz in Zürich los für fünf Wochen. Dann folgen zwanzig Vorstellungen in Deutschland, im Januar sind wir in der Ostschweiz. Hundert Vorstellungen von Gaia Gaudi sind schon verkauft, davon sind achtzig in den nächsten sechs Monaten.

Wie war das mit den runterschrauben auf vier Monate?

Ja, das muss halt am Anfang so sein. Am Anfang eines neuen Programms muss man dick auftragen, bis es anrollt. Nachher werden es dann weniger sein. Ich habe fest vor, mich an die vier Monate zu halten.

Termine

«Gaia Gaudi», 31. August, um 20.15 Uhr und 1. September, ebenfalls um 20.15 Uhr. Informationen: www.choessi.ch.

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