Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Wie ein Fotograf den Kontakt zur Toggenburger Natur bewahrt

Auf Einladung des Kulturforums SGW Wattwil gab René Güttinger, Biologe und Naturfotograf aus Nesslau, einen Einblick in die Naturvielfalt des Obertoggenburgs.
Cecilia Hess-Lombriser
René Güttinger aus Nesslau erzählte von seiner Arbeit als Naturfotograf und Biologe. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

René Güttinger aus Nesslau erzählte von seiner Arbeit als Naturfotograf und Biologe. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

900 bis 1000 Pflanzenarten gibt es noch im Obertoggenburg. René Güttinger, «der bekannteste Toggenburger Biologe und Kenner der Landschaft des Toggenburgs», wie Edy Schmid, Präsident des Kulturforums Sonntagsgesellschaft Wattwil, den Referenten vorstellt, weist auf diesen erfreulichen Punkt hin. Arten wie der Ostalpen-Enzian oder auch der Ungarische Enzian kommen fast nur in den mit natürlichen Rasenflächen durchsetzten Karrenfeldern im Raum Chäserrugg-Hinterrugg vor.

Erst 1986 wurde die Goldschrecke am Gamserrugg als neues Tier entdeckt, das es in verschiedenen Varianten gibt. Und am Gräppelensee gibt es die kleine Teichrose, die nur an wenigen Standorten in der Schweiz vorkommt. Von diesen faszinierenden Tatsachen berichtet René Güttinger anhand von eigenen, ebenso faszinierenden Aufnahmen.

Lebensraumvielfalt auf kleinem Raum

Der Referent plädiert dafür, hinzuschauen, zu beobachten, wahrzunehmen und Zusammenhänge zu erkennen. Die Natur- und Kulturlandschaft gehören zusammen. Wie sich der Mensch verhält und wo er in die Natur eingreift, oder sie intensiv nutzt, kommt es zu Veränderungen und für gewisse Tier- und Pflanzenarten gehen die Lebensgrundlagen verloren.

Bilder wie dieses mit dem Ungarischen Enzian macht René Güttinger auf seinen Erkundungstouren im Toggenburg. (Bild: René Güttinger)

Bilder wie dieses mit dem Ungarischen Enzian macht René Güttinger auf seinen Erkundungstouren im Toggenburg. (Bild: René Güttinger)

Im Obertoggenburg – auf dieses Gebiet beschränkte René Güttinger seine Ausführungen – gibt es noch eine Lebensraumvielfalt auf kleinem Raum. Zwischen 700 bis 2500 Meter über Meer sind unterschiedliche und vielfältige, teilweise noch unberührte Lebensräume auszumachen. Dazu kommen gezüchtete Tierrassen wie etwa die Stiefelgeiss, die in dieser Landschaft nützlich ist.

Güttinger macht auf interessante Wechselwirkungen aufmerksam. Er zeigte ein Bild einer Krabbenspinne, die sich wie ein Chamäleon verändern kann. Sie sitzt auf wilden Möhren und hat eine Mistbiene gefangen. Der Blumenfarbe hat sie sich angepasst. Die Mistbiene ihrerseits legt ihre Larven, die Rattenschwanzlarven, bevorzugt in Miststöcke und diese gibt es im Obertoggenburg. «Das ist eine Vernetzung, die funktioniert», freut sich Güttinger.

Natur mit allen Sinnen erfahren

Der Biologe erklärt, wie die Landschaft im Obertoggenburg über Millionen von Jahren entstanden ist und wo noch Spuren eines subtropischen Klimas vorhanden sind. «Die Eiszeit und der Thurgletscher prägten das Toggenburg.» Den Alpenrasen ohne äussere Einflüsse gebe es noch. Ausserdem sei das Gebiet von kleinräumigen Strukturen geformt. Sie seien urtümlich und hart zu bewirtschaften. Die Menschen hätten gewusst, wo sie bauen müssen, wie er mit einem Bild belegte. Sie waren eins mit der Natur und wussten um ihre Gefahren. Dieses regenreiche Gebiet sei prädestiniert für die Graswirtschaft. «Ich bin froh darüber, weil ich die Kühe gern habe.»

Andere Tiere sind allerdings seltener geworden. Das Grosse Wiesenvögelchen etwa, eine Schmetterlingsart, die hauptsächlich im Obertoggenburg und Werdenberg vorkommt und eng mit dem Wollgras verknüpft ist, das wiederum in einer Moorlandschaft vorkommt, wo der Streu stehen bleibt.

Unter Druck kämen auch die Futterwiesen, weil sie mehrmals geschnitten werden würden. «Und einer der grössten Verlierer ist der Feldhase. Er brauchte die ökologische Vielfalt», betont René Güttinger. Rückgängig seien auch das Braunkehlchen und der Neuntöter. Und schliesslich zeigte er auch den Zusammenhang von Fledermauspopulationen mit dem Baumbestand, dem Abstand zum Wald und der Futterregion auf. «Wir sollten den Kontakt zur Natur bewahren, sie spüren und sie mit allen Sinnen erfahren», rät der engagierte Biologe und Fotograf, der am liebsten bei jedem Wetter draussen unterwegs ist.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.