WIDERSTAND
5G-Kontroverse im Neckertal: Ein Text im Mitteilungsblatt sorgt für Wirbel

Ob Kirchberg, Lütisburg oder Wattwil: Geplante 5G-Antennen wecken auch im Toggenburg Emotionen. Im Neckertal gehen seit geraumer Zeit die Wogen hoch. Nun wird ein offener Brief an Gemeindepräsidentin Vreni Wild gerichtet. Das sind die Hintergründe.

Simon Dudle
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Die Pläne der Swisscom für einen Funkturm in Necker bestehen schon seit mehreren Jahren.

Die Pläne der Swisscom für einen Funkturm in Necker bestehen schon seit mehreren Jahren.

Bild: Urs M. Hemm

Monica Langford aus Necker ist alles andere als glücklich. Es geht um einen Artikel im aktuellen Mitteilungsblatt der Gemeinde Neckertal. In diesem wurde der Firma Sunrise die Möglichkeit gewährt, sich zu einer ihrer Mobilfunkantennen oberhalb von Mogelsberg zu äussern.

Nun wendet sich Monica Langford in einem offenen Brief, welcher der Redaktion vorliegt, an Gemeindepräsidentin Vreni Wild. «Sie bieten Sunrise eine halbe Seite Platz, um Werbung für Mobilfunkantennen zu machen. Es ist eine vermeintliche objektive Information unter der Rubrik Gemeinderat und Verwaltung. Dass das Gemeindeblatt für so einen einseitigen Bericht eine Plattform bietet, ist in höchstem Masse fragwürdig.» Aus der Sicht von Monica Langford ist der Artikel «beschönigend und einseitig».

Sunrise bleibt oberflächlich

Doch worum geht es überhaupt? Mobilfunkanbieter melden Sanierungsarbeiten an ihren Anlagen mittels Bagatelländerung den Gemeinden. «Weil das kein ordentliches Bewilligungsverfahren braucht, erwarten wir seit letztem Herbst von den Anbietern, dass sie einen entsprechenden Text für das Mitteilungsblatt verfassen», beschreibt Vreni Wild auf Anfrage die Situation. Die Baukommission vertrete die Meinung, dass die Bevölkerung erfahren dürfe, welche Anpassungen gemacht werden.

Gemeindepräsidentin Vreni Wild.

Gemeindepräsidentin Vreni Wild.

Bild: Beat Lanzendorfer

Im Text macht Sunrise allerdings keine Angaben zur Umrüstung der Antenne oberhalb von Mogelsberg, sondern es werden lediglich grundsätzliche Informationen zur Technologie gegeben. Vreni Wild sagt:

«Der Text spiegelt die Haltung und die Erklärungen des Anbieters zum Vorhaben und nicht jene des Gemeinderates oder der Baukommission.»

Vergleich mit Kirchberg

Nicht nur die Antenne bei Mogelsberg wird im offenen Brief thematisiert. Sondern auch jene im Dorf Necker. Swisscom ersetzt dort laut Vreni Wild eine Richtstrahlantenne durch eine Mobilfunkantenne. «Die Gemeinde konnte hier eine Bewilligung nicht verweigern, was letztlich das Rechtsverfahren auch gezeigt hat», sagt die Gemeindepräsidentin. Denn das Areal sei gut erschlossen, liege in der Kernzone und nicht im Ortsbildschutz.

Die Richtwerte würden alle eingehalten. Monica Langford beschreibt es mit «mitten im Weiler, umgeben von Wohnhäusern, in der Nähe der Schule». Das mache das Wohngebiet Necker «sicher noch attraktiver, als es ohnehin schon ist».

Im Dorf ist der Widerstand gross, zahlreiche Bewohner haben sich dagegen gewehrt. Auch Unterschriften wurden gesammelt. Zudem wurde an die Gemeinde appelliert, andere Standorte prüfen zu lassen. Im offenen Brief zieht Monica Langford einen Vergleich mit Kirchberg, wo auch eine Antenne für Meinungsverschiedenheiten gesorgt hatte. Dort hat es im Rahmen eines Dialogmodells einen runden Tisch gegeben. Mit der Konsequenz, dass ein anderer Standort gefunden wurde.

Dazu sagt Gemeindepräsidentin Vreni Wild: «Im Dialogmodell kann die Anbieterin auf Wunsch der Gemeinde im Umkreis von 200 Metern weitere geeignete Standorte nennen. Dass das in Kirchberg funktioniert hat, ist sehr positiv. Dort war aber die Ausgangslage eine andere. Innerhalb der Bauzone, in welcher Antennen stehen müssen, konnten wir in Necker keinen Alternativstandort erkennen.»